Waldgau – Ausflug in die „guade oite Zeit“

Auf eine langjährige Tradition kann das Ottenzeller Wirtshaus, im Volksmund „Beim Wewer Luwerl“ (ehemals Ludwig Achatz) oder „Oberwirt“ genannt, zurückblicken. Das alteingesessene Wirtsanwesen ist mit einer Landwirtschaft ausgestattet und bildet einen fundamentalen Bestandteil des Dorfes. Heute ist es im Besitz von der Familie von Matthias Achatz, dem zweiten Vorsitzenden und Vortänzer der „Stoarieda“ Ottenzell.   Vergangenen Donnerstag war die Gaststube voller Trachtler und weiterer Stammtischler, denn der Mai-Stammtisch des Bayerischen Waldgaues machte dort Station. Stoarieda-Vorsitzende Andrea Hofmann freute sich über die Anwesenheit von rund 30 Gästen, zu denen auch Ehrenvorstand Xaver Schreiner und Fahnenmutter Anneliese Zapf gehörten. Ihr besonderer Gruß galt Gauvorsitzenden Andreas Tax sowie Regina Pfeffer (Gauschriftführerin) und Franziska Amberger (Gau-Jugendschriftführerin). Zu späterer Stunde gesellten sich auch noch Gaujugendreferent Marco Peschl und seine Stellvertreterin Petra Eggersdorfer dazu, die von einer anderen Veranstaltung kommend noch in Ottenzell vorbeischauten.

Tax kam in seinem Grußwort auf das schöne und zwanglose Zusammenkommen zu sprechen. „Als ich beim Näherkommen die Musik bis auf die Straße hinaushörte, dachte ich: Jawoll, da bin ich richtig, da wird griabig aufgespielt.“ Zudem erinnerte der Gauvorsitzende an das Niederbayerische Trachtenfest, das vom 3. bis 5. Juni in Bodenmais stattfindet.  Für den musikalischen Teil des Abends sorgte vor allem der Auhofbauer Karl Schreiner aus Oberrappendorf, der mit seiner Steirischen zünftig aufspielte. „I bin da Langer Kare, und dees ned nua wegn meiner Größe.“, stellte er sich bei seinem Publikum vor und hatte dabei schon die ersten Lacher auf seiner Seite. Das musikalische Urgestein wusste (teils unterstützt von seinem Sangeskollegen Alfons Maurer) viele schöne und selten gesungene Lieder aus früheren Zeiten, die vom Leben diesseits und jenseits der deutsch-tschechischen Grenze, dem Frühjahr, dem harten Bauersleben, von Fuhrleuten und anderen Handwerkern erzählten. Gewürzt mit eigenen Erfahrungen und Erlebnissen aus der Kinderzeit waren die Stunden ein sehens- und hörenswerter Ausflug in die Vergangenheit. Als sich Karl Schreiner mit einem rührenden Schlusslied anschickte zum Heimgehen, waren sich alle einig, dass die alten Lieder unbedingt erhalten werden müssen, um sie vor dem Vergessen zu schützen und sie für die Nachwelt zu erhalten. „Für heit Pfüat eich Gott, kemmts guad hoam und bleibts gsund, vogessts ned de Stundn midanand“, gab er ihnen musikalisch noch mit auf den Weg.

Von Regina Pfeffer hörten die Trachtler die humorvolle Geschichte vom „Bayerischen Sündenfall im Paradies“. Eine angeregte Unterhaltung über Zeiten, wo Weißwürste noch nicht mit Ketchup verspeist, Erntedank noch kein Halloween, ein Frühschoppen noch kein Brunch war oder noch richtig gefensterlt wurde und nicht nur interaktiv im Internet, folgten. Für das leibliche Wohl der Gäste sorgte der Wirt mit bayerischen Brotzeiten und Bäckermeister und Vereinsmitglied Hermann Zapf hatte dazu knusprige Brezen gespendet.

Den nächsten Gaustammtisch richten die „Arberbuam“ Bayerisch Eisenstein am Donnerstag, 7. Juli aus, die dazu ab 19.30 Uhr in die Schmugglerhütt’n in die Bahnhofstraße einladen. Wer etwas früher kommt, kann die überaus interessante Ausstellung „NaturparkWelten“ im Grenzbahnhof Bayerisch Eisenstein besichtigen.

Bericht und Bilder: Regina Pfeffer

 

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg