Starker Auftritt von Bruder Johannes beim Starkbierfest der Priener Blaskapelle

Das Starkbierfest ist die größte eigene Veranstaltung der Priener Blaskapelle im Rahmen ihres umfangreichen Jahreskalenders. Und zugleich ist sie eine humorvolle Abrechnung mit der örtlichen Kommunalpolitik zum Geschehen im vergangenen Jahr. Heuer erstmals mit einem neuen Fastenprediger. Johann Dreikorn als Bruder Johannes verschonte dabei weder Kirche, Rathaus noch Einzelpersonen. Ganz im Gegenteil: eine geschlagene Stunde schenkte der Prediger den Prienern gescheit ein.Mit lateinischen Aufzählungen und mit einer kleinen Glocke läutete Dreikorn den Beginn der letzten Fastenwoche ein, versöhnlich zeigte er sich beim ersten Prosit, das auch den Starkbier-Verweigerern galt. Als Fastenprediger-Nachfolger von Bruder Barnabas (Sepp Furtner) und den Schwestern Rosi und Brigitte vom „Hansl in der Leitn“, die als Ratschkathl´n auftraten, brachte Dreikorn eine eigene Note in seinen Vortrag. Ein erster Seitenhieb galt dem mobilen Gemeinderat, der dank der Mitglieder Thomas Ganther („Moderner Mensch, der immer technisch erreichbar ist“) und Rosi Hell („Hoffentlich tippt sie auch so schnell wie sie spricht“) demnächst zu Online-Abstimmungen überwechseln wird. Dies war wohl eines der Ergebnisse einer Klausur in der Abgeschiedenheit des Samerbergs, bei der Bürgermeister Jürgen Seifert den Priener Haushalt zurecht rückte. Nicht ganz zurecht kam der Bürgermeister – so der Prediger – zum Beginn seiner Priener Amtszeit mit der Tracht und mit der Verwendung des Priener Wappens für den Wahlkampf. Mit einem neuen Hosenträger und mit einem dort eingearbeiteten Priener Wappen könnten allerdings beide Problemthemen einvernehmlich gelöst werden. Gemeinderat und PTG-Interims-Geschäftsführer Martin Aufenanger erhielt die Anregung, die zum Teil 40 Jahre alten Geräte von Priener Spielplätzen entweder für das Heimatmuseum oder für die „Graffel-Wand“ im Eichental wiederzuverwenden. Michael Anner junior wurde belobigt, weil seine Bürgermeister-Wahl-Plakate mit dem Slogan „Von Prien und für Prien“ auch nach der Wahl noch eine neue Verwendung fanden und zwar mit der umseitigen Aufschrift „Hasen zu verkaufen“. Der Große Kursaal, voll besetzt von zufriedenen Prienern und Blasmusik-Freunden (dank auch der Bewirtung durch die Priener Wirte-Elf und dem Service-Team von Klaus Löhmann), sollte durch göttliche Eingebungen an den Gemeinderat verbessert werden, denn „Ein Kursaal ohne Wirt ist wie eine Kuh ohne Euter“. Zustimmung gab es dagegen für die praktisch veranlagte ÜWG, denn sie schlagen am Friedhof für die Parkgebühren anstatt dem Begriff „Semmeltaste“ lieber den Begriff „Gießtaste“ vor, zumal es auf dem Friedhof auch keine Semmeln zu holen gibt. „Prien parkt prima“ oder „Prien ist prima“ oder „Prien ist green“ – all diese Mottos heben Prien von den Nachbarorten ab. Lediglich „Aschau is a Schau“ konnte im weiteren Vergleich mit mehreren Nachbarorten mithalten. Weitere Themen waren die Kirchturm-Baustelle („Die vormals gelbe Farbe änderte das Ordinariat aufgrund von alten Schwarz-Weiß-Dokumenten“) und die Chiemsee-Plätte, die nach ihren verschiedenen Unterbringungen im Freien schon bald reif ist für die „Klagemauer der Vergänglichkeit“ im Eichental. Nicht ganz mitmachen wollten die Besucher beim gemeinsamen Lied „Prien ist prima“, denn zwischendurch prangerte Dreikorn die Verschiebung der Bauerntheater-Aufführungen auf Pfingsten, die Baufälligkeit des Musikschul-Gebäudes und das fehlende Verkehrskonzept an. Mit der Bitte an jeden Einzelnen, nicht zu fragen, was die Gemeinde für ihn tun kann, sondern zu überlegen, was Einer für die Gemeinde und Gemeinschaft beitragen kann, beendete der Prediger seine Leviten, starker Beifall war ihm dabei gewiss.

Hoch zufrieden waren Gastgeber und Gäste gleichermaßen auch vom Abend insgesamt. Eröffnet wurde er von gut einstudierten Stücken der Jugendblaskapelle der Musikschule unter der Leitung von Andrzej Kucharski, von einem Gemeinschafts-Auftritt der Jugend- und Erwachsenen-Kapelle, von guter Starkbier-Stimmungsmusik der rund 45 Musikantinnen und Musikanten mit Dirigent Stefan Fusseder und vom Anstich des ersten Holz-Fasses, den Bürgermeister Jürgen Seifert im Beisein von Aussendienst-Repräsentanten Rudi Lutz und von Geschäftsführer Sepp Schumacher vom Hofbräuhaus Traunstein souverän mit zwei Schlägen vornahm. Unter den vielen Ehrengästen, die Vorstand Georg Rappel und Max Weidenspointner von der Musikkapelle willkommen hießen, waren Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth von der Evangelischen Kirchengemeinde (zum ersten Mal nach 15 Jahren gelang es dem Pfarrer, diesen Termin wahrzunehmen), Pfarrer Klaus Hofstetter von der Katholischen Gemeinde, Kaplan Konrad Roider (vormals Prien, jetzt Prutting), Ehrenbürger und Fördervereins-Vorsitzenden Michael Anner senior, die Bürgermeister-Stellvertreter Jürgen Schuster und Alfred Schelhas, sowie viele Vertreter von Vereinen und befreundeten Kapellen. Schon am Ostermontag, 6. April spielen die Priener Blasmusikanten ab 10.30 Uhr im Kleinen Kursaal im Haus des Gastes wieder, der Eintritt zum Osterkonzert ist frei.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom Starkbierfest der Priener Blaskapelle im Großen Kursaal in Prien.

Nähere Informationen: www.prien.de

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg