Schönauer Krippenspiel im Advent

In der Zeit unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg hat der damalige Schönauer Schullehrer Wolfgang Koller sein „Schönauer Krippenspiel“ geschrieben und im Jahre 1946 erstmals mit seinen Schülern aufgeführt. Ab den 1990er Jahren hat es sich die Ortsgemeinschaft Schönau unter Federführung vom Trachtenverein Eichenlaub Schönau und der Pfarrgemeinde Schönau zur Aufgabe gemacht, alle 10 Jahre das zeitlose „Schönauer Krippenspiel“ wieder auf die Bühne zur bringen.

Dieser Tradition werden im Advent 2016, also 70 Jahre nach der Uraufführung, wieder rund 30 Laiendarsteller und der Kirchenchor nachkommen. Das abendfüllende Krippenspiel in 5 Akten erzählt im heimischen Dialekt und in Versform die Weihnachtsgeschichte, die zeitlich in das Nachkriegsdeutschland versetzt und mit örtlichen Dorf- und Hausnahmen bestückt ist.
Wolfgang Koller wurde am 6. November 1904 in Glonn geboren. Nach seiner Schulzeit in seinem Heimatort und dem Studium in Freising unterrichtete er von 1924 bis 1952 in bayerischen Volks- und Sonderschulen. Danach wirkte er als Schulrat zunächst in Erding und von 1957 bis 1969 im Landkreis Ebersberg.
Wolfgang Koller veröffentlichte Laienspiele und Gedichte, er leitete Kunstausstellungen und schrieb Kritiken. Ein ganz besonderes Anliegen war ihm stets die Mundart – die Sprache des Herzens – wie er es nannte. In der Chronik „1200 Jahre Glonn“ gibt es Wissenswertes zur Person Wolfgang Koller und seine Anmerkungen nicht nur zur Mundart nachzulesen.
Bemerkenswert sind auch die Umstände seines Todes. Am 28. April 1974 beging die Marktgemeinde Glonn den Höhepunkt ihrer Feierlichkeiten zum 1200jährigen Jubiläum in einem Festakt. Die Festansprache im Pfarrsaal hielt Wolfgang Koller bei Anwesenheit von Ministerpräsident Alfons Goppel und Erzbischof Julius Kardinal Döpfner. Als er in der anhand seiner stenografischen Aufzeichnungen erhaltenen Rede gerade auf die Zeit der Gründung von Glonn zurückblickte, verstarb er am Rednerpult. Seine letzten Worte waren: „…und es gab keine „Munichen“, noch lange nicht, und es gab noch nicht die ragenden runden Türme der Frauenkirche……“
Aufführungen des „Schönauer Krippenspiels“ im Advent 2016
Das „Schönauer Krippenspiel“
Von Wolfgang Koller
Eine Interpretation von Spielleiter Sepp Eder
Das „Schönauer Krippenspiel“, das der damalige Schönauer Schullehrer Wolfgang Koller geschrieben hat, kann, darf und muss im Kontext der Zeit seines Entstehens im Jahre 1946 ausgelegt werden. Seine Botschaften und die Anliegen des Autors können am besten verstanden werden, wenn man sich die politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und humanitäre Situation von 1945/1946 vorstellt und sich in diese hinein zu versetzen versucht.
Das Trauma der Kriegszeit, die inzwischen von den meisten Deutschen erkannte Schuld der eigenen Nation am Kriegsausbruch, die Kriegsverbrechen und der Genozid an den jüdischen Mitbürgern müssen damals allgegenwärtige Themen gewesen sein. Dazu die vielen Kriegsversehrten und die quälende Ungewissheit über das Schicksal der Vermissten und Kriegsgefangenen. Es ist nachvollziehbar, dass es in dieser Zeit wenig Hoffnung oder Zuversicht auf eine bessere Zukunft gab. Die öffentliche Verwaltung lag in den Händen von Militärs der Siegermächte. Währung und angelegte Vermögen waren wertlos. Industrie und somit Arbeitsplätze zu großen Teilen zerstört. Die Schicksale im engeren persönlichen Umfeld zählten trotzdem viel mehr und unendlich schmerzlicher. Kaum eine Familie, die nicht vom Verlust eines Angehörigen oder Bekannten betroffen war. Zu all dem kamen die Heimatvertriebenen, die alles verloren hatten. Wie alles „Fremde“ wurden sie von den Einheimischen oftmals mit Misstrauen und Ablehnung empfangen. Dazu kam noch der sich 1946 bereits abzeichnende Lastenausgleich zur Bewältigung dieser enormen Aufgabe.
Wolfgang Koller muss ein Mensch mit gesellschaftlicher und politischer Weitsicht gewesen sein. Sein Krippenspiel setzt der Situation von 1945/46 ein Zeichen der Hoffnung entgegen und zeigt vor allem den Weg auf, mit dem eine neue Zukunft möglich ist. Mit gemeinsamen Handeln, Mitgefühl, Humanität und Vertrauen ineinander. Und nicht zuletzt mit Glauben, Gottvertrauen…. und Teilen!
Darüber hinaus war er sicher ein Menschenfreund. Er braucht zur Dramaturgie seines Krippenspiels keine „bösen Rollen“, keine Verlierer und setzt nicht auf individuelle Schadenfreude. Jeder Mensch guten Willens kann in seinem Stück den Weg in eine Zukunft mitgehen. Selbst denjenigen, die diesen guten Willen nicht aufbringen wollen, lässt er die Möglichkeit zur Umkehr. „Schönau“ benutzt er dabei nicht als Vorbild oder Beispiel einer heilen Welt. Er verwendet den Ortsnamen und reale Personen vielmehr um die Botschaften seines Spiels den Menschen vertrauter zu machen und näher zu bringen. Geschehnisse, die für viele abstrakt und weit wegen waren, setzt er damit mitten auf den Tisch um Betroffenheit und Verständnis zu schaffen.
Dieses Rezept hat 1946 seine Wirkung gezeigt. Und heute??
Wolfgang Koller war ein Mann mit Weitblick und jemand, der seinen damaligen Mitmenschen „aufs Maul“ geschaut hat. Deshalb hat er für sein Stück, das er für seine Schüler geschrieben und mit ihnen uraufgeführt hat, komplett in Versform mit einer einfachen Sprache
und im örtlichen Dialekt der damaligen Zeit gehalten. Damit hielt er sich zugleich an die Tradition des alpenländischen Krippenspiels. Nun, 70 Jahre später, bei den Aufführungen durch die Schönauer Dorfgemeinschaft im Advent 2016, besteht kein politischer Zusammenhang zur Nachkriegszeit. Was bleibt ist jedoch ein zeitloser humanitärer Zusammenhang zum Denken und Handeln der Menschen. Wolfgang Kollers „Schönauer Krippenspiel“ zeigt, wie sich Menschen verhalten oder verhalten könnten. Es zeigt auch, dass Mitgefühl eine Möglichkeit zur Unterscheidung ist.
Aufführungstermine und Kartenvorverkauf
Aufführungstermine durch die Ortsgemeinschaft Schönau. Alle Aufführungen finden in der Mehrzweckhalle in Schönau, an der Angerstraße am Sportplatzgelände zu folgenden Spielterminen statt:
Samstag, 03. Dezember 2016 um 20.00 Uhr
Sonntag, 04. Dezember 2016 um 14.00 Uhr
Samstag, 10. Dezember 2016 um 20.00 Uhr
Sonntag, 11. Dezember 2016 um 20.00 Uhr
Freitag, 16. Dezember 2016 um 20.00 Uhr
Samstag, 17. Dezember 2016 um 20.00 Uhr
Donnerstag, 22. Dezember 2016 um 20.00 Uhr
Kartenvorverkauf ab 15. November 2016 :
Vorverkaufsstellen:
Im Internet unter www.tv-schoenau.de
Stoffgeschäft Knopfloch Bad Aibling, Sedanstr. 8
Kramer von Schönau (Lebensmittel Englhart) Kirchenweg 2
Ansprechpartner:
Gesamtleitung Florian Bonnetsmüller, Tel: 08065 / 909 222, mobil 0170 434 7979, e-mail: flori.schoenau@googlemail.com
Pressearbeit Hans Eder, Tel: 08055 / 1345 , mobil 0173 341 5639, e-mail: ederhans60@t-online.de

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg