Ranzenstickkurs in Grainbach hat begonnen – viel Zuspruch

Samerberg    (hö) – Ein Ranzenstickkurs hat beim Grainbacher Trachtenverein Hochries-Samerberg in dessen Trachtenvereinsräumen begonnen. Binnen kurzer Zeit waren die 24 verfügbaren Plätze ausgebucht, so stark war das Interesse von Samerbergern und von Trachtenfreunden weit darüber hinaus. Für die Kursleitung konnte Elisabeth Holuschka-Abolis aus Wattens in Tirol gewonnen werden.
Die Brauchtumspflege und  Kulturguterhaltung spielte bei der Familie Holuschka aus Wattens schon immer eine große Rolle.  Durch das starke  Engagement im Vereinsleben bei Jungbauernschaft, Trachtenverein und Musik haben beide Eheleute Elisabeth und Christian Holuschka schon immer eine große Liebe für „volkstümliche-bäuerliche Kultur und Handwerk“ gezeigt. Elisabeth Holuschka ist seit Jahren Trainerin beim Landwirtschaftlichen Förderungsinstitut (LFI) und hat schon so manchem Lernwilligen die Kunst des Ranzenstickens beigebracht. Elisabeth Holuschka  liegt es am Herzen, Ranzensticken leistbar und erlebbar zu machen  und  diese alte Tradition nicht aussterben zu lassen.

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Alte Handwerkskunst neu belebt. Vor drei Jahren hat Elisabeth Holuschka ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht.

Stichbock, Schnalle, Plattl, Lasche, Fischl, Ahle, Ranzer – fantasievolle Schimpfwörter? Nein, Fachausdrücke aus dem Ranzenstick-Gewerbe.

Ranzenstickerei ist ein Handwerk, dessen Fertigkeiten nur noch von wenigen Personen beherrscht wird. Elisabeth Holuschka-Abolis ist eine davon. In ihrer Werkstatt im hauseigenen Keller in Wattens, kreiert sie prächtigste Ranzen, Gürtel, Gitarrengurte, Kraftbänder, Fatschen und mehr. „Vorbelastet“ aus ihrem Elternhaus, denn in dem Bauernbetrieb wurde Tradition immer gelebt. Das Sticken hat sich die 42-Jährige selbst beigebracht. „Wie man einen Ranzen näht, das verrät niemand, das wird nur mündlich von Familie zu Familie weitergegeben“, schildert die zweifache Mutter, die zu allererst ihre Söhne sowie Gatten Christian – der sich um die Buchhaltung kümmert und als Musiker der „Kreuzbichler“ in Tracht gleich als bestes Aushängeschild fungiert – mit persönlich gestalteten Ranzen ausgestattet hat.

Individualität und Maßarbeit

Speziell an den Träger angepasst, wird jedes Stück zu einem echten Unikat. Elisabeth Holuschka-Abolis lebt und arbeitet nach dem Motto, dass Kulturgut und Brauchtum erhalten wie ebenso leistbar bleiben sollen. Beim Material legt sie Wert auf höchste Qualität, denn „es soll ja auch bequem sein.“ Verarbeitet wird deshalb vorwiegend Rindsleder und davon der Halsteil. „Hals hat viel Fettanteil, ist daher geschmeidiger und leichter zu besticken“, erklärt die dynamische Powerfrau. Das Leder wird zugeschnitten, bestickt und danach nach Wunsch mit Noppen, Schnallen oder Riemen komplettiert.

Präzise und konzentriert

Für einen Ranzen beträgt die Arbeitszeit, je nach Motiv und Aufwand, zwischen 80 und 100 Stunden. Gestickt wird mit Federkielen aus Pfauenfedern oder alternativ, da deren Herstellung aufwendig ist, aus Kunststofffedern. Aufzupassen ist allemal. „Leder verzeiht nichts, jedes Loch, das gestochen ist, bleibt, es kann nichts ausgebessert werden“, so die Ranzenstickerin, für die das Schönste an der Arbeit ist, „dass es ein Produkt ist, das nicht im Müll landet.“ Keine Frage, gilt doch der Trachtenranzen als Statussymbol – mit Stolz getragen und weitervererbt. Stolze Träger von persönlichen Ledergürteln mit Initialen aus Elisabeths Hand, sind sogar die Tiroler Topathleten Benni Raich, Andreas Kofler und Romed Baumann.

Einzel-, Gruppen- und Hauskurse

Ihr Wissen gibt die Kunstbegabte in Kursen weiter – uneigennützig, denn „wenn jeder die Stickarbeit selbst übernimmt, kommt ein Stück um einiges günstiger.“ Freude bereitet es ihr, wenn bestickte Stücke zum Nähen zurückkommen. „Das ist eine Bestätigung, dass ich es ihnen anständig gelernt habe.“ Zu Kursen – viele Vereine oder Musiker engagieren die Fachfrau – ist sie in ganz Tirol unterwegs. Mit dabei als „rechte Hand“ – ihr Bruder Gerhard Abolis, damit „noch besser auf jeden einzelnen eingegangen werden kann“. Stichböcke und Ahlen werden zur Verfügung gestellt. Wichtig für diese „wunderschöne, saubere Arbeit“, sind gute Augen und Tageslicht.

„Männer aus Handwerksberufen haben ein gutes Augenmaß, tun sich leichter. Viele Herren machen es besser als Frauen, da sie nicht vorbelastet sind“, sagt die emsige Kleingewerblerin verschmitzt und meint damit, dass es, wie Frauen oft meinen, mit normalem Nähen nichts zu tun hat. Über zuwenig Nachfrage kann sie jedenfalls nicht klagen, für Herbst sind bereits sechs Kurse gebucht.

Fotos: Hötzelsperger/Scholz – Eindrücke vom Ranzenstickkurs beim Grainbacher Trachtenverein

Nähere Informationen:  www.kreuzbichler.at und www.trachtenverein-grainbach.de sowie Vorstand Fred Wiesholzer, Telefon 08032-8486

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg