Radio-Tipp für 1. Januar 2014 – Beitrag über Anna Wimschneinder und Herbstmilch

Das karge und bäuerliche Leben von Anna Wimschneider, die vor zehn Jahren verstarb, wurde unter dem Titel „Herbstmilch“ verfilmt.  Hierzu kommt am Neujahrstag um 14 Uhr in Bayern 2 ab 14 Uhr ein halbstündiger Radio-Beitrag. Noch heute sagen ältere Frauen im Rottal und anderswo in Bayern über „Herbstmilch“: „Dieses Buch hätte ich auch schreiben können“. Sie sagen es nicht, weil sie Anna Wimschneider den Erfolg nicht gönnten, ganz im Gegenteil; es ist als Lob gemeint. Denn zu den größten Komplimenten, die man der Verfasserin einer solchen Autobiografie machen kann, gehören Sätze wie: „Genau so war das dortmals!“ Die Rottaler Bäuerin Anna Wimschneider (1919-1993) hat solches Lob zu Lebzeiten wohl sehr oft zu hören bekommen, denn ihre Lebenserinnerungen mit dem poetischen Titel „Herbstmilch“ haben einer ganzen Generation von Menschen auf dem (nieder-)bayerischen Land aus dem Herzen gesprochen. Der Erfolg ihres Buches im Jahr 1984 (über zwei Millionen verkaufte Exemplare) und fünf Jahre später der ebenso erfolgreiche Film von Joseph Vilsmaier mit Dana Vávrová und Werner Stocker in den Hauptrollen machten einmal mehr deutlich, dass der Alltag der so genannten kleinen Leute viele spannende und erzählenswerte Geschichten birgt. Geschichten vom harten Arbeitsleben auf dem Land zum Beispiel: Als ihre Mutter 1927 stirbt, muss die achtjährige Anna – das vierte von neun Kindern – den Haushalt der vielköpfigen Bauernfamilie führen. Mit 17 lernt sie den Jungbauern Albert Wimschneider kennen, den sie 1939 heiratet. Dann der Krieg; drei kleine Töchter, die harte Stall- und Feldarbeit und dazu eine bösartige Schwiegermutter. Landleben eben – dortmals – und das war alles andere als idyllisch!

Wimschneiders Buch und die Verfilmung veränderten den Blick des ländlichen Bayerns auf sich selbst und seine eigene Geschichte. Doch was ist eine Generation später davon noch übrig? Wie steht es heute um das Interesse für Sozial- und Alltagsgeschichte? Thomas Grasberger sucht nicht nur darauf eine Antwort, sondern besucht auch jene Orte, an denen Anna Wimschneider lebte, wo die Geschichten entstanden sind und der Film „Herbstmilch“ einst gedreht wurde.

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg