Priener Krankenhaus-Pfarrer Josef Götzmann geht nach fast 25 Jahren Dienst in den Ruhestand

Prien (hö) – Ein ganz besonderer Dienst am Menschen geht am Freitag, 24. Juli in der Priener Romed-Klinik zu Ende. Krankenhaus-Pfarrer Josef Götzmann geht nach fast 25 Jahren seiner seelsorgerischen Tätigkeit in den Ruhestand. Er wird fehlen und auch ihm wird sicherlich Trennungsschmerz gegeben sein. Zu einem Abschieds-Gespräch trafen wir uns mit Pfarrer Götzmann in der vor wenigen Jahren errichteten Klinik-Kapelle. Im Januar 1991 kam Josef Götzmann in das damalige Kreiskrankenhaus nach Prien. Ursprünglich zu Hause war er in Hockenheim bei Mannheim, seine Priesterweihe empfing er im Jahr 1977 im Münster zu Freiburg; es folgten priesterliche Aufgaben in Karlsruhe und in der Nähe von Heidelberg. In den Jahren 1979 bis 1990 widmete sich der junge Geistliche neben seiner berufl. Tätigkeit einer psycho-therapeutischen Ausbildung, unter anderem am Adler-Institut in München, an der Jesuiten-Hochschule mit Schwerpunkt Tiefenpsychologie und Erwachsenen-Pädagogik. Von Anfang an sah Pfarrer Götzmann seinen Dienst in Prien gleichermaßen zugunsten von Patienten und Mitarbeitern. „Die Mediziner sorgen sich um den Leib, der Pfarrer um die Seele“ – so einfach ausgedrückt Josef Götzmann. Doch tatsächlich ist die Aufgabe überhaupt nicht einfach; in einem Krankenhaus treten Ängste, Zweifel und Lebensgeschichten geballt auf. „Die nackte Angst um das eigene Leben sind oft im Widerspruch zum Zeitdruck, der bei Ärzten und Pflegekräften herrscht, deswegen ist es wichtig, dass ich mir Zeit nehme, um die Nöte und Sorgen der Menschen, die ihr Herz ausschütten wollen, anzuhören“, sagt der Seelsorger mit der langjährigen Erfahrung und er spricht ergänzend davon, dass bei allen Krankheiten immer der ganze Mensch krank ist. Pfarrer Götzmann hat schon viele Schicksale erlebt: Von Totgeburten über Unfälle, folgenschweren Diagnosen, Siuciden bis hin zur Begleitung Sterbender. In solchen schicksalsprägenden Situationen sind Betroffene oder Angehörige oft froh, wenn es ein Gespräch mit einem einfühlenden Seelsorger gibt. Antworten sind dabei nur schwer zu finden, grundsätzlich gehe es Pfarrer Götzmann darum, sich auf das Gegebene einzulassen, mitzutragen, auszuhalten. Dann aber auch loszulassen sowie an Gott abzugeben, um von ihm wieder Kraft zu holen. Götzmann hat keine Statistik geführt, wieviele Leute er besucht oder über einen längeren Zeitraum betreut hat und auch die Zahl der Krankensalbungen und Sterbebegleitungen ist nicht dokumentiert. „Bürokratie ist für einen Seelsorger nicht erforderlich, absolute Verschwiegenheit dagegen schon“, so Josef Götzmann, dem noch ein weiterer Grundsatz wichtig war und ist: „Hier im Krankenhaus werden Menschen behandelt, einfach weil sie durch ihre Krankheit in Not sind. – und das ist ein Abbild der voraussetzungslose Liebe Gottes zu den Menschen“. Damit meint Götzmann, dass seine Tätigkeit vollkommen frei von Glaubens-Zugehörigkeit und Welt-Anschauungen war. „Glaube und Herkunft sind unbedeutend, vielmehr zählt, wie man Menschen in ihrer Not hilfreich dienen kann“. In der Krankenhausseelsorge waren für Josef Götzmann keine großen Karrieren zu erwarten, sein Dienst im Stillen und im Hintergrund waren anders als bei Priestern, die eine Pfarrei führen und gestalten müssen. Der Abschied fällt auch deswegen nicht leicht, weil Götzmann als Betriebs-Seelsorger in unzähligen Einzelgesprächen ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte aller hatte. Vielfach sorgte er für Sterbebegleitungs-Seminare und für Fortbildungen, so dass auch hier Vertrauensverhältnisse aufgebaut wurden. Gelegentlich wurde an ihn auch die Bitte herangetragen, Trauungen zu halten und Kinder zu taufen. Gesundheits- und Verwaltungsreformen und die aktuellen Baumaßnahmen waren herausfordernde Begleitumstände. Im Laufe der Jahre kam Pfarrer Götzmann auch zu Diensten in den Kliniken St. Irmengard und Roseneck sowie in der Marktresidenz, zuweilen half er auch in der Pfarrei Prien aus. Für all diese Dienste wird am Freitag, 24. Juli eine kleine Feierstunde in der Klinik-Kapelle sein mit anschließendem Empfang in der Cafeteria. Der letzte Gottesdient von Josef Götzmann in der Romed-Klinik ist am Samstag, 25. Juli um 19 Uhr. Alsdann hat er vor, zunächst einmal zur Ruhe zu kommen und den Ruhe-Stand zu genießen. Wie es mit der Krankenhaus-Seelsorge ohne Pfarrer Götzmann weitergeht, ist noch offen, eventuell überbringt ein Vertreter des Ordinariats bei der Abschiedsfeier eine neue Botschaft.

Andrea Aschauer

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