Polenreise des Pfarrverbandes Oberes Inntal

Oberaudorf/Kiefersfelden: Pater Ryszard Basta vom Kloster Reisach lud zur zweiten Pilgerfahrt in seine polnische Heimat ein. Die Reise mit dem gut gefüllten Bus führt über Salzburg zunächst zum Stift Melk, der riesigen Benediktinerabtei hoch über der Donau, dem Wahrzeichen der Wachau. Nach kurzer Besichtigung geht es mit voller Kraft Richtung Tschechien mit dem Ziel, dem Zisterzienserkloster Velehrad in Südmähren. Velehrad ist einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte des Wirkungskreises der hl. Kyrill und Method , die als byzantinische Gelehrte und Priester gemeinsam die christliche Missionierung slawischer Völker im 9. Jahrhundert begannen. Obwohl die Pfarrkirche mit ihren 14 Seitenaltären derzeit restauriert wird, konnten wir in der Vierung mit Pater Richard eine Messe feiern, die von den Inntaler Wallfahrern mit a capella Liedern verschönt werden, die Ludwig Resch für diese Pilgerreise zusammen gestellt hat.

Mit dem Bittgebet um eine gute, unfallfreie Fahrt, die uns Gott bescheren möge, geht es anderntags durch hügeliges, mit Buschwerk und kleinen Wäldern durchsetztes Grasland Richtung Krakau in Polen. Dort fährt der Bus nahe an das Herzstück der Altstadt, den Rynek Glowny, der als größter Marktplatz des Mittelalters mit seiner Michaelskirche gilt. Das Prunkstück, der Krakauer Hochaltar in der Marienkirche, vom Nürnberger Schnitzer Veit Stoß um 1490 geschaffen, war geöffnet. Vor allem der Hauptschrein der Festtagsseite, ist von großflächigen Vergoldungen geprägt; Schein und Flügel sind durch einheitlich blauem Hintergrund zu einem harmonischen Ganzen gefügt. Die geöffneten Flügel zeigen in sechs Szenen die Höhepunkte aus dem Leben von Maria und Jesus. Über dem großen Marktplatz erhebt sich der hochragende Rathausturm und in der langgestreckten Tuchhalle bieten heute wie der einst Händler ihre Waren feil. Vorbei an der Jesuitenkirche, der Dominikanerkirche, St. Peter und Paul erreichen wir schließlich den „Wawel“ auf dem Hügel am Rande der Weichsel. Er gilt mit seinem Schloss, dem Dom und der Grablege der Könige als das Herzstück des polnischen Patriotismus. Die Sigismundkapelle, um 1500 vom Florentiner Berecci erbaut, gilt als schönstes Bauwerk der italienischen Renaissance außerhalb Italiens. Hatten wir noch gestern den katholisch geprägten Stadtteil vor Augen, gilt der Blick dem jüdischen Stadtteil Kazimiercz, der früher selbständig war und mit der Stadt Krakau sogar im Kampf lag. Von Pogromen vertrieben, fanden viele Juden hier Unterschlupf und erweckten um 1500 die Stadt mit Leben und Kultur. Wir besuchen auch die weltweit genannte Fabrik des damaligen Nazi-Unternehmers Oskar Schindler, der hier ca. 1200 jüdische Arbeiter beschäftigte und viele derer vor der Vernichtung bewahren konnte. In den damaligen schlichten Büroräumen gewinnen wir aus Fotos und Dokumenten eine Vorstellung, unter welchen erniedrigenden Bedingungen die polnischen, besonders die jüdischen Bewohner Krakaus dahinvegetieren mussten. Weiter geht´s nach Wieliczka in eines der größten Salzbergwerke der Welt. Die dortigen „Strecken“ sind übermannshoch mit Holz ausgebaut und manche der 250 km langen Gänge bieten sogar Heilanzeigen für Hautkrankheiten. Ein heißer Tag steht bevor: es geht nach Wadowice, dem Geburtsort des späteren Papstes Johannes Paul II..Im heutigen Wohnhaus-Museum von Karol Wojtila werden alle Stationen seines Lebens und Wirkens dargestellt. Es geht nach Kalwaria, einem weiteren Wallfahrtsort. 2002 begingen die Polen das 400-jährige Bestehen des Kalvarienbergs von Zebrezydowska, einer Anlage die mittlerweile als UNESCO-Weltkulturerbe gilt. Der polnische Adelige Mikolaj Zebrzydowski hat im Jahr 1600 begonnen, eine kleine Kirche nach dem Vorbild der Jerusalemer „Anastasis“ zu errichten und lud sich 1602 Franziskaner ein, sich auf dem Kalvarienberg niederzulassen. Heute bildet der in der Gnadenkapelle gelegene Schrein der Madonna das Herzstück des Kalvarienberges für die unzähligen Wallfahrer aus allen Lebensbereichen. Auf der Weiterfahrt zum Sanktuarium der Barmherzigkeit Gottes, halten wir bei einem neu erbauten Wallfahrtsort, dessen moderne Kirche zu Ehren des Hl. Johannes Paul II errichtet wurde. Dort wird das Gnadenbild des barmherzigen Jesus und die Reliquien der hl. Schwester Faustina verehrt. In einer Seitenkapelle werden wir von Schwester Coletta begrüßt, die uns in akzentfreiem Deutsch charmant, glaubensfest und überzeugend die Aufgaben ihres Ordens darstellt: „Christus ist in seiner Barmherzigkeit immer für uns da, wir können ihm vertrauen“. Auschwitz, die größte Stätte industrieller Massentötung von Menschen, eingerichtet von eiskalten, gefühllosen Planern der deutschen SS, bar jeglicher menschlichen Regung. Diesem Tag geht jeder von uns etwas beklommen heran beim Besuch der KZ Gedenkstätte Ausschwitz und Birkenau. Der Name „Auschwitz“ wurde zum Symbol der Shoa. Von den mehr als 5,6 Millionen Opfern des Holocaust wurden 1,1 Millionen Menschen, darunter eine Million Juden in Birkenau ermordet. In glühender Sommerhitze fahren wir nun nach Tschenstochau, einem der bekanntesten Wallfahrtsorte der Welt. Dort führt Sr. Agnes in den Rittersaal und erläutert uns vor einer Kopie der „Schwarzen Madonna“ dem Gnadenbild der Jungfrau Maria deren Bedeutung. Es wird in Polen als nationales Heiligtum verehrt und stellt zugleich die heiligste Reliquie des Landes dar. Wir feiern in einer der Nebenkapellen noch einmal die hl. Messe. Pater Richard überreicht uns als Zeichen unserer Verbundenheit zur Muttergottes ein Skapulier und bittet uns, sich zu Gott im Gebet des Barmherzigen Rosenkranzes zu bekennen. Abschied von Krakau, neues Ziel Breslau, welches wir über das oberschlesische Kohlenrevier erreichen. Dort haben polnische Restaurateure nach dem Weltkrieg eine Meisterleistung vollbracht: der Ring mit seinem berühmten Rathaus ist wieder Anziehungspunkt, Bürgerhäuser sind repariert, die Vorstädte ordentlich hergestellt. Die zahlreichen Kirchen, herausragend der Dom, überstanden den 2. Weltkrieg nahezu unzerstört und beeindrucken uns Beschauer von Mal zu Mal. Auf der langen Rückreise über Görlitz-Dresden-Nürnberg-München gestalten wir den Wortgottesdienst mit Pater Richard, der als geistlicher Begleiter stets zur Seite steht.

 

Andrea Aschauer

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