Pfingstsonntag wird Musikantenheim Wildenwart eingeweiht – Rückblick

Die Musikkapelle von Wildenwart kann heuer ihr 60jähriges Bestehen feiern. Zu diesem Geburtstag haben sich die Musikanten selbst das größte Geschenk gemacht, denn am Pfingstsonntag, 24. Mai kann nach vielerlei Planungs- und Arbeitsleistungen das neue Musikantenheim offiziell seiner Bestimmung übergeben werden. Damit haben die Wildenwarter eine excellente Heimstätte für ihre Proben bekommen.

Die Idee, in Wildenwart eine Musikkapelle zu gründen, entstand am Stammtisch. Albert Pfaffenzeller junior regte als Mitglied der Studentenkapelle Kalliope die Gründung an, daraufhin sprach sein gleichnamiger Vater mit Johann Rinser und die Entwicklung nahm ihren Lauf. Gleichwohl es mehrfache Bedenken gab, zum Beispiel weil in Wildenwart schon ein dichtes Vereine-Netz bestand oder weil schon einige Blaskapellen in unmittelbarer Nachbarschaft spielten, kam es zu viel Zuspruch. Albert Pfaffenzeller senior war der Gründer und erste Dirigent von 1955 bis 1965. Ihm folgten in der Verantwortung eines Dirigenten Max Kempinger (1965 bis 1978) und dessen Sohn Gerd Kempinger (1978 bis 2000) sowie Wolfgang Kink (2000 bis heute). Grundlage für eine erfolgreiche Musikausbildung war von Anfang an eine Örtlichkeit zum gemeinsamen Proben. Erste Lokalität war –wie aus dem leider vergriffenen Buch „Wia die Zeit vergeht“ über die Musikkapelle Wildenwart (von Gabriele Pfaffenzeller, der Enkelin des Kapellen-Gründers) hervorgeht – die ehemalige Gastwirtschaft in Prutdorf bei der Familie Rosenwink. Mitte der 60er-Jahre konnte dann dank der neu gebauten Wildenwarter Grundschule in die dortige Turnhalle umgezogen werden. Das war damals bei rund 20 aktiven Blasmusikanten eine passende Räumlichkeit. Im Laufe der Jahre, vor allem in den letzten 15 Jahren seit es einen Förderverein mit den Vorsitzenden Jakob Steiner und Wolfgang Kink gibt, hat sich der Raumbedarf immer mehr erhöht. Zuletzt platzte die Turnhalle aus allen Nähten und die Akustik für qualitativ hochwertiges Blasmusizieren war schlichtweg ungenügend. So entstand beim Förderverein, der ursprünglich zugunsten der Jugendarbeit gegründet wurde, die Idee, nach alternativen Probenraum-Möglichkeiten Ausschau zu halten und so setzten sich der Förderverein mit seinem Vorsitzenden Jakob Steiner, der Blasmusik-Verein mit Vorstand Peter Stoib (Gaishacken) und die Musikkapelle mit der Gemeinde Frasdorf in Verbindung. Der erste Gedanke war, im Wildenwarter Schulhaus ein Stockwerk zu erhöhen. Nachdem sich dies nicht realisieren ließ wurden das Wildenwarter Feuerwehrhaus sowie das Vereinshaus in Atzing genau untersucht. Das Ergebnis war jedesmal gleich: es geht nicht! Darauf entwarf Fördervereins-Mitglied Kaspar Steindlmüller eine Skizze für einen eigenen Neubau unmittelbar neben der Wildenwarter Schule. Als mit diesen Planungen und Gedanken der Dialog mit den Gemeinde- und Schul-Verantwortlichen geführt war, konnte weiter überlegt werden. Nun galt es eine Finanzierung zu bekommen. Bei schlüsselfertiger Bauvergabe waren 320.000 Euro angesetzt, 100.000 Euro trauten sich die Blasmusikanten als Eigenleistung in Form von Material- und Geld-Spenden zu. Als die Zusagen für Spenden aus dem Kulturfonds des Freistaates Bayern, von den Gemeinden Frasdorf und Prien, von der Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling sowie von den VR-Banken Prien und Frasdorf eingingen, konnte ans Bauwerk gegangen werden. Letztlich hatten die Blasmusikanten 180.000 Euro Baukosten, da die Mithilfe aus den eigenen Reihen und von Freunden der Wildenwarter Blasmusik enorm war. Nach Abzug der Förder- und Spendengelder blieben für die Kapelle selbst noch ca. 46.000 Euro an eigener Kostenübernahme. Um diese Summe zusammen zu bringen, verzichten die Musikanten unter anderem seit zwei Jahren auf ihre Spiel-Einnahmen, solange die Rest-Finanzierung noch nicht abgeschlossen ist, wird diese Regelung weiter gelten. (Die Dauer des Einnahme-Verzichts kann jede noch so kleine Spende an Förderverein oder Musikkapelle abkürzen). Desweitern verdient den Respekt der Öffentlichkeit der Arbeitsfleiß: rund 4.000 Arbeitsstunden wurden ehrenamtlich geleistet!

Der Baubeginn in zentraler Lage zwischen Prien und Frasdorf war am 14. Dezember 2013 bei denkbar schlechtem Wetter, bevor es in die Winterpause ging. Als am 6. März 2014 der Baubetrieb wieder aufgenommen werden konnte, waren zeitgleich an einem Tag 18 Leute auf der Baustelle aktiv. Der Dachstuhl war am 19. Mai 2014, also genau vor einem Jahr fertig. Die ersten Proben für die Jugendblaskapelle und für die Erwachsenen-Kapelle konnten kurz vor dem eigenen Starkbierfest Mitte Februar erfolgen. Seither sonnen sich die Wildenwarter Blasmusikanten mit ihrem Dirigenten Wolfgang Kink im Probenglück und in einem neuen Probengefühl. Viel hierzu trägt natürlich die Akustik bei, deren spezielle Planung dank vieler Eigenleistungen mit Top-Material baulich umgesetzt werden konnte.

Bei einem Gespräch im neuen Probenheim, das keine Küche oder Bewirtung vorsieht, erläuterten der bisherige Vorstand Peter Stoib und sein nunmehriger Nachfolger im Amt des Vorstandes Helmut Rosenwink junior zusammen mit Fördervereinsvorsitzendem Jakob Steiner die zukünftigen Nutzungsformen. Einmal in der Woche treffen sich die 38 Dirndl und Buam der Jugendblaskapelle Wildenwart und einmal die inzwischen 69 Musikantinnen und Musikanten der Erwachsenen-Kapelle. Einer der erfahrensten Mitglieder ist Sepp Hollinger, der 77-Jährige gehört der Blaskapelle Wildenwart seit 1959 an. Neben den wöchentlichen Gemeinschaftsproben gibt es noch diverse Satz- und Register-Proben, Musik-Unterricht von verschiedenen Musiklehrern sowie Klassen-Musizieren in Abstimmung mit der Franziska-Hager-Mittelschule Prien, zu der auch die Grundschule Wildenwart gehört. Die Blaskapelle Wildenwart gehört dem Bezirk Inn-Chiemgau innerhalb des Blasmusikverbandes Ober- und Niederbayern an und sie ist besonders bei Trachtenfesten und Trachtler-Veranstaltungen gefragt. Heuer sind die Wildenwarter Festmusik beim Trachtenverein in Söllhuben am 13./14. Juni und sie spielen beim Inngau-Trachtenfest am Sonntag, 12. Juli mit dem Trachtenverein Höhenmoos in Rohrdorf und mit den Wildenwarter Trachtlern beim Chiemgauer Gautrachtenfest am Sonntag, 26. Juli in Prien. Aufgrund der heurigen Jubiläen (60 Jahre Blaskapelle Wildenwart und 15 Jahre Förderverein) wird es am Samstag, 24. Oktober einen Jubiläums-Konzert-Abend mit Jugend- und Erwachsenen-Kapelle in der Lamstoahalle in Frasdorf geben.

Einweihung und Tag der offenen Tür am Pfingstsonntag, 24. Mai 15

Am Pfingstsonntag, 24. Mai wird das Musikantenheim offiziell eröffnet. Der Festtag beginnt um 9.30 Uhr mit einer Heiligen Messe in der Pfarrkirche „Christkönig“. Danach wird das Heim seinen kirchlichen Segen bekommen und in einem kleinen Festzelt erfolgt die Bewirtung der Musikanten und Besucher. Den ganzen Tag über ist dann „Tag der offenen Tür“ beim neuen Probenheim für die Wildenwarter Blaskapelle, hierzu ist die gesamte Bevölkerung herzlich willkommen. Für Kinder gibt es eine Hüpfburg und ein eigenes „Kultur-Programm“. Bereits einen Tag später, am Pfingstmontag, 25. Mai sind dann die Blasmusikanten bereits wieder im Einsatz, wenn sie ab 10.30 Uhr beim traditionellen Frühschoppen der Feuerwehr in Atzing aufspielen.

1. Fotos: Sepp Reiter: Jugendblaskapelle und Blaskapelle Wildenwart im neuen Probenheim.
2. Fotos: Hötzelsperger – Das neue Musikantenheim von der Blaskapelle Wildenwart

Weitere Informationen zum Bau des Musikantenheims: Jakob Steiner, Fördervereins-Vorsitzender, Telefon 08051-4957.

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg