Offener Brief der Amateurtheater-Spieler an den Bayerischen Rundfunk

Einen offenen Brief hat der Verband der Bayerischen Amateurtheater mit dessen Präsident Horst Rankl aus Rosenheim an der Spitze an den Intendanten des Bayerischen Rundfunks geschrieben. 650 Theatervereine mit 42.000 Spielerinnen und Spieler wollen auch weiterhin die bayerischen Traditionen pflegen und dabei noch mehr Gehör beim Bayerischen Rundfunk finden.

An den Intendanten des Bayrischen Rundfunks
Herrn Ulrich Wilhelm

Sehr geehrter Herr Wilhelm,
mit Freude habe ich in der Presse die Mitteilung gelesen, dass der Bayerische Rundfunk ab 2. Februar sein Programm im Digitalbereich von Bayern+ auf BR Heimat umstellt. Dies ist eine erfreuliche Erweiterung des Angebots, zumal hier noch mehr auf die bayerischen Traditionen wie Musik, Sprache und regionale Besonderheiten eingegangen werden kann.
Erfreulich ist auch die Tatsache, dass im Vo rfeld der Umgestaltung und der künftigen Programmgestaltung ein Gespräch mit Interessenvertretern bayerischer Brauchtumsverbände und -Organisationen stattfand. Ärgerlich für mich als den Repräsentanten des Bayerischen Amateurtheaters ist, dass auch dieses Mal, wie auch schon bei anderen Gelegenheiten durch den Bayerischen Rundfunk, die große Zahl der Amateurschauspieler mit ihren Vereinen und der landesweiten Organisation, dem Verband Bayerischer Amateurtheater, ausgegrenzt bzw. übergangen wurde.
Neben den in dem Treffen genannten Repräsentanten des bayerischen Brauchtums gibt es kaum eine Organisation, so wie unseren Landesverband mit seinen 650 Vereinen und Spielgruppen und den rund 42.000 aktiven Spielerinnen und Spielern, die überwiegend die bayerische Sprache in all ihrer dialektischen Vielfältigkeit pflegen. Im Jahr 2014 besuchten bisher bereits mehr als 3 Millionen Zuschauer landesweit 8.500 Aufführungen unserer Mitgliedsbühnen.
Der größte Teil der Aufführungen galt dem Heimatspiel in seiner Vielschichtigkeit. ln den jeweiligen Regionen wird im Theaterspiel häufig der bodenständige Dialekt gesprochen und es wird überwiegend auch im Spiel die regionale Eigenschaft glaubhaft und unverfälscht dargestellt.
Hier sind insbesondere die Mundartstücke und die historischen Stücke anzufüh ren. Kein bayerischer Traditionsverband hat eine solch großartige Möglichkeit, unverfälscht auf die bayerische Sprache über die zahlreichen Zuhörer aufmerksam zu machen. Das von uns gepflegte bayerische Mundarttheater ist somit als vorbildlicher Multiplikator für unsere bayerische Sprache anzusehen.

Unser Ziel als bayerischer Amateurtheaterverband ist es, über das Medium Theaterspiel der bayerischen Sprache, also dem Altbayerischen, dem Bayerisch-Schwäbischen oder dem Fränkischen, den notwendigen Raum und die erforderliche Plattform anzubieten. Im Übrigen ist die Wahrung der bayerischen Sprache und ihrer Dialekte eine satzungsgemäße Aufgabe unseres Verbandes, der wir uns keinesfalls verschließen dürfen. Nicht umsonst bieten wir über unser vielfältiges Fortbildungsprogramm auch immer wieder die Aus- und Weiterbildung in der bayerischen Sprache und ihrer Dialekte an. Dies geschieht durch Referenten aus dem professionellen Schauspielbereich.
ln diesen und auch anderen Seminaren im Rahmen der Ausbildung von Schauspielern und Regisseurenweisen wir ständig und eindringlich auf die Einhaltung der regionalen Vielfältigkeit der bayerischen Sprache hin. Am Beispiel einer verfälschten bayerischen Sprache in verschiedenen Medien, insbesondere beim Angebot einiger bayerischer TV-Produktionen, erhitzen sich bei diesen Diskussionen heftig die Gemüter. Dem verfälschten Fernsehbayerisch sowie dem sich mehr und mehr verbreitenden „Denglisch“ stehen wir, trotz allem Verständnisses um eine sich stetig verändernde Sprachkultur, kritisch gegenüber.
Ich möchte abschließend betonen, dass ich den von Ihnen zum Gespräch eingeladenen Verbänden und Organisatoren keinesfalls kritisch gegenüberstehe. Ich befürworte deren Existenz und deren Engagement für die bayerische Sache. Diese Einrichtungen sind notwendig in unserer sich rasant verändernden Gesellschaft mit deren vielschichtigen politischen Ansichten. Aber unser Verband Bayerischer Amateurtheater ist nicht minder wichtig für den Erhalt bayerischer Tradition. Dafür stehe ich ein und auch das Verbandspräsidium sowie die Verantwortlichen in unseren Bezirksverbänden, und nicht zuletzt auch unsere tausende von Aktiven auf und hinter der Bühne, stehen mir hier zur Seite.

Sehr geehrter Herr Wilhelm, ich bitte künftig dem Verband Bayerischer Amateurtheater die gebührende Aufmerksamkeit einzuräumen, insbesondere, wenn es um die Frage von Pflege und Erhalt der bayerischen Tradition, Sprache und nicht zuletzt auch um das bayerische Theaterspiel geht.

Mit freundlichen Grüßen,

Horts Rankl
Präsident

 

Dies ist ein offener Brief, der wie folgt zur Kenntnis verteilt wird an:
Mitglieder des Rundfunkrates
Fraktionsvorsitzende des Bayerischen Landtages
Samerberger Nachrichten – Herrn Hötzelsperger
Präsidiumsmitglieder des Verbandes und Medienreferenten der Bezirksverbände
Mitglieder Verband Bayerischer Amateurtheater

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg