Oberbayerischer Almbauerntag in Frasdorf

Der Oberbayerische Almbauerntag fand heuer in der Gemeinde Frasdorf statt. Hierzu kam auch Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner.

„Alm und Wolf geht nicht zusammen“, ganz klare Worte fand der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern Georg Mair beim 69. Almbauerntag in Frasdorf. „Der gesamte Alpenraum ist als Wolfsgebiet nicht geeignet, daher werden wir gegen eine Wiederansiedlung des Räubers allen erdenklichen Widerstand leisten. Der Alpenraum muss wolfsfrei bleiben, wenn er erst einmal da ist, dann haben wir verspielt“. Mair betonte, dass man sich hierüber bei allen bäuerlichen Interessenvertretungen im gesamten Alpenraum einig sei. Bei einer Tagung der Almbauern in Slowenien wurden entsprechende Beschlüsse aller Alpenanrainerstaaten gefasst. „Man hat uns zunächst mit Spott und Häme überschüttet, als wir erklärt haben, für den Wolf sei kein Platz in den Alpen und auf den Almen, die Wirklichkeit sieht anders aus. 9000 tote Schafe und andere Weidetiere alleine in Frankreich in einem Jahr haben dort zu einer weitgehenden Einstellung der Almbewirtschaftung geführt, die empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen, wie Aufsicht durch scharfe Hunde oder Eingliederung von Eseln in die Herden haben nichts gebracht. Wo der Wolf ist, da holt er sich seinen Anteil aus den Herden.
„Mit dem Almsommer 2016 können wir voll zufrieden sein“, Staatsminister Helmut Brunner fasste das heikle Wolfsthema erst gar nicht an. Er dankte den Almbauern in seinem Grußwort für ihre Arbeit zur Pflege und Erhaltung der Almen und forderte sie dazu auf, einfach wieder einmal „Vergelts Gott „zu sagen. „Dass in den letzten zehn Jahren keine der rund 1400 bayerischen Almen aufgegeben wurde und sie immer ausreichend bestoßen wurden, werte ich als Zeichen von Fleiß und hoher Verbundenheit der Bergbauern mit ihrer Heimat und ihren Höfen. Ich sehe es aber auch als ein Ergebnis unserer erfolgreichen Agrarpolitik für die Berglandwirtschaft“. Minister Brunner betonte, dass die Mittel im bayerischen Staatshaushalt deutlich aufgestockt wurden, um die entsprechenden Förderprogramme weiter finanzieren und attraktiv für die Bergbauern gestalten zu können. Vom nächsten Jahr an können die Bauern aus 19 Angeboten zur umweltschonenden Landbewirtschaftung auswählen, dabei seien für die Bergbauern so entscheidende Maßnahmen wie die Förderung der extensiven Grünlandnutzung, der Heumilch, der Mahd von Steilhangwiesen und natürlich die Weideprämie. Es gebe viel zu tun auf den Bergen und ihren Almen, die Förderungen durch die öffentliche Hand biete hier viele Möglichkeiten für jeden einzelnen. 22000 Rinder grasten im letzten Almsommer auf den Almen in Oberbayern, 1000 mehr als im Vorjahr. 600 Hektar Almfläche, das entspricht der Fläche von 20 Almen, wurden nicht mehr entbuscht und sind in den vergangenen Jahren zugewachsen, das sei zuviel, das gehe schon bald an die Substanz.
Minister Brunner rief die Almbauern dazu auf, ihre mit soviel Energie und Herzblut erzeugten, qualitativ hochwertigen Lebensmittel nicht zu verramschen. „Hochwertige Produkte aus der Region können vielleicht preiswert sein, sie müssen aber immer ihren Preis wert sein“. Nur dann ist den Verbrauchern der Wert der Lebensmittel auch bewusst. Regionale Spielräume bieten den Almbauern eine große Chance, ihre Angebote vermarkten zu können, einheitliche Regelungen vom Nordkap bis Sizilien sind für die große Vielfalt der Landwirtschaft ungeeignet.
Besonders hob der Minister den Wert der Almwirtschaft für den Tourismus hervor. Berge, Almgelände, „Landschaft“ und Bauernhöfe hätten sich als Renner im Tourismus entwickelt. Es sei heutzutage für die Bauern nicht mehr möglich, sich lediglich auf einen Einkommenszweig zu verlassen. Je breiter man sich aufstelle, umso mehr Feldanteil besitze man, nach alter Fußballerweisheit. Gerade das Angebot „Urlaub auf dem Bauernhof“ locke ungezählte Gäste in die Region und mache sie vielfach erstmalig mit der Landwirtschaft, den Bauern und ihren Tieren, sowie der genutzten Natur bekannt. Viele Klischeevorstellungen über Bauernarbeit und Nutztiere werden durch einen solchen Urlaub gerade gerückt und tragen zu einem besseren Verständnis des Wertes von Lebensmitteln bei. Der Landwirt erhalte hier auch die einmalige Chance, sein Produkt als unverwechselbar darzustellen: seinen Bergkäse, seinen Rahm, seine Buttermilch und schließlich seine Fleischprodukte aus den hier aufgezogenen Rindern – denn Bergprodukte sind mehr wert“.
Schließlich sei es auch der Mensch gewesen, der diese Landschaft geschaffen habe und ihr seit fast 1000 Jahren im steten Kampf mit der Natur ein Gesicht gebe. Ohne die Arbeit der Almbauern, ihrer Hirten und Senner gäbe es die Almflächen nicht, der Wald holt sich in wenigen Jahren unwiederbringlich zurück, was der Mensch aus der Bearbeitung entlassen hat. Hier seien Almbauern, Touristiker und Gäste gemeinsam gefordert, möglichst schonende Konzepte für die Natur zu entwickeln. Die neu entstandenen Trendsportarten müssten dabei genauso berücksichtigt werden, wie die jahrhundertealten Weiderechte der Landwirtschaft. „Wir wollen unseren bayerischen Weg weitergehen“, „so der Minister, wir wollen nicht nur die Großen fördern, sondern allen – unabhängig von Hektarzahlen und PS-Größen der Schlepper – Perspektiven für die Zukunft eröffnen“.
Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg