Jagdgenossenschaft Bernau fordert Anleinpflicht für Hunde

Trotz steigender Wild-Abschusszahlen haben sich in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Jagdgenossenschaft von Bernau die Verbiss-Schäden im Wald erhöht. Diese mit vielen offenen Fragen verbundene Entwicklung  gab Jagdvorstand Matthias Bauer bei der Jahresversammlung im Gasthaus Chiemsee bekannt. Ein weiterer Schwerpunkt waren die Hinterlassenschaften von Hunden sowie deren Wildern, das ebenfalls zugenommen hat. Im Vorjahr gab es auf Bernauer Gebiet acht von Hunden gerissene Rehe, heuer waren es bereits vier Stück – ohne eine unbekannte Dunkelziffer.

Eingangs der Jagdversammlung erinnerte Vorstand Bauer an die vorjährigen Neuwahlen. Bei diesen schieden nach langjähriger, ehrenamtlicher Tätigkeit für die Jagdgenossenschaft Sepp Lackerschmid als Zweiter Vorstand und Wolfgang Weingartner Schriftführer aus. Für ihre Verdienste bekamen sie nunmehr einen Einkehr-Gutschein für das Cafe Wastlbauerhof. In seinem Jahresbericht ging Vorstand Bauer auf den Jagdkataster ein, der zuletzt 1993 aufwendig zusammen mit der Gemeinde Bernau aktualisiert worden ist. Änderungen bei Besitzverhältnissen sollen zur Kataster-Anpassung immer gleich gemeldet werden – so die Bitte an die Jagdgenossen und Grundstücksbesitzer. Zum Abschuss-Plan lobte der Jagdvorstand die Jäger, die in den verschiedenen Jagdbezirken insgesamt 81 Rehe (Plansoll waren 67 Rehe), zwei Stück Rotwild, 28 Fuchse, 8 Hasen, 3 Dachse, 18 Stockenten und 37 Krähen erlegten. Trotz gestiegener Abschusszahlen sind weiterhin steigende Verbiss-Schäden zu verzeichnen. Bauer bezeichnete dies als nicht nur Bernauer Problem, dennoch gilt es die Situation weiter zu beobachten. Jäger Robert Daxenberger erläuterte zwei Gründe für den Zuwachs an Verbiss. Einmal kommen die Rehe nicht mehr so viel auf die Wiesen, unter anderem wegen nicht angeleinter Hunde und wegen eines steigenden Freizeitverhaltens abseits der normalen Wege, Straßen und Zeiten. Ein weiterer Grund ist, dass die Landwirte oftmals unmittelbar an den Waldrand düngen und damit die Nahrungssuche für das Wild erschweren. In Bernau gibt es insgesamt rund 700 registrierte Hunde mit steigender Tendenz. An besonders beliebten Wandergebieten wie in Kraimoos oder in Reith sowie in der Nähe der Hundeschule treten vermehrt Konflikte auf. Bereits im Vorjahr haben die Vertreter der Bauern und Jäger mittels eines Antrags von der Gemeinde eine Anleinpflicht für Hunde beantragt. „Geschehen ist leider gar nichts!“ – so die Jagdgenossen. Seitens der Hundehalter hat sich neuerdings eine Interessengemeinschaft Chiemgauer Hundehalter gegründet, was zur Hoffnung führt, dass fortan für Gemeinde und Jagdgenossenschaft ein Ansprechpartner seitens der Hundehalter zur Verfügung steht. Dies ist auch dringend notwendig, wenn man die Schadensbilanz durch streunende, unkontrollierte Hunde von den Jägern erfährt. Jäger Alois Schlosser hat schon oft in den späten Abendstunden (zum Teil gegen 23 Uhr), zum Teil mehrmals in der Woche  jagende Hunde und jammernde Rehe vernommen, diese aber nicht erwischen können. Mehrmals waren bei schneebedecktem Boden die Spuren der Hunde zu sehen, Menschenspuren vom Hundehalter dagegen gab es keine. In grausiger Tierquälerei werden auf diese Weise Rehe gerissen und getötet. „Die Rehe fürchten sich und kommen auch nicht mehr zum Äsen auf die Weide“, so der Jäger, der die Anleinpflicht unbedingt einfordert. Die Jäger und die Jagdgenossenschaft haben inzwischen begonnen, die auftretenden Fälle soweit wie möglich zu dokumentieren, um sie der Gemeinde und dem Landratsamt als Untere Jagdbehörde vorzulegen. In Zusammenarbeit mit dieser und mit dem Abwasserzweckverband Chiemsee sollen die Hundehalter mit Informationsbroschüren versorgt und an verschiedenen Plätzen Tafeln mit Hinweisen für Verhaltensregeln aufgestellt werden. „Unbeaufsichtigtes Laufenlassen ist eine Ordnungswidrigkeit in Bayern“, so die Jagdgenossen. Geldstrafen und Verbot der Hundehaltung sind ebenso gesetzlich möglich wie die Erlaubnis für Jäger, freilaufende Hunde auf Wildfährte zu erschießen.

Die Verwendung der Jagdpachteinnahmen bewirkte eine längere Diskussion. Einig waren sie die Jagdgenossen, den in Reitham aufbewahrten Klauenstand für 400 Euro zu reparieren. Für die Verkehrssicherung bei Holzfällarbeiten sollen für die Forstwirte und Seilwinden-Gemeinschaften neue Tafeln angeschafft werden und die Bauersfrauen bekommen wie in den letzten Jahren einen Zuschuss in Höhe von 500 Euro zur freien Verfügung sowie zusätzlich 150 Euro für ein Kaffeekranzl. Für die Felder-Bearbeitung einigte man sich, eine Walze zum Preis von 3.000 Euro anzuschaffen, weitere Anschaffungen wurden zurückgestellt, vorab soll im Laufe dieses Jahres eine Vorführung organisiert werden. Positiv abgestimmt wurde auch für das traditionelle Grillfest, das alle Jahre bei einem anderen Bauern stattfinden soll. Nach kurzer Diskussion wurde mehrheitlich entschieden, aus dem Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) auszutreten zumal die Bernauer Jagdgenossenschaft auch nicht Mitglied beim Bayerischen Bauernverband (BBV) ist. Mit Erstaunen wurden Berichte in der Jägerzeitung vernommen, denen zu Folge Vertreter der Partei der „Grünen“, insbesondere im Nachbarland Baden-Württemberg bestrebt sind, die Jagd in bisherigem Sinne stark einzuschränken bzw. ganz zu verbieten. Zufriedenstellend waren der Schriftführerbericht, den stellvertretend für Andreas Rummelsberger Zweiter Vorstand Andreas Winkler vortrug und der Kassenbericht von Franz Bauer, dem die Prüfer Sebastian Wörndl und Donat Aufschneider eine saubere Kassenführung bescheinigten.

Foto: 1. Hötzelsperger – Ehrung für Sepp Lackerschmid (li.-bisher Zweiter Vorstand) und Wolfgang Weingartner (bisher Schriftführer) durch Vorstand Matthias Bauer (Mi.).

2. Jäger-Aufnahmen von einem gerissenen Reh im Dezember

Weitere Informationen: www.bernau-am-chiemsee.de

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg