Haus Almfrieden bringt ein Stück Bayern nach Witten

Der Vereinsvorsitzende Jürgen Wörl im Biergarten des Hauses Almfrieden auf dem Schnee in Witten. Der 68-Jährige sagt: „Hier habe ich meine Kindheit verbracht. Denn meine Eltern waren auch schon Vereinsmitglieder.“

Ein Stück Bayern auf dem Wittener Schnee: Seit 1928 hat hier der Bayernverein Einigkeit Dortmund am Waldrand sein Vereinsheim. Immer wieder sonntags öffnet er dies und den prächtigen Biergarten für Gäste. Serviert werden nicht nur Bier und Weißwürste, sondern auch Kaffee und Kuchen – und Bayernmusi live.Nur ein kleines, bescheidenes Schild auf der Ardeystraße weist dem Autofahrer die Richtung. Man muss in den Mallnitzer Weg abbiegen, dann durch das Wohngebiet fahren, bis es nicht mehr weitergeht. Da liegt es dann idyllisch, auf einer kleinen Anhöhe am Waldrand – das Haus Almfrieden. Man wähnt sich in Bayern – und so soll es auch sein. Das Haus auf dem Schnee ist das Vereinsheim des Bayernvereins Einigkeit Dortmund. Immer wieder sonntags verwandelt es sich in eine bayerische Wirtschaft mit einem prächtigen Biergarten.

Der verfügt über 200 Sitzplätze auf einem gepflegten Rasen, einen Tanzboden und einen 19 Meter hohen Maibaum, der von einem bayerischen Löwen gekrönt wird. Scheint einmal nicht die Sonne, gibt es einen rund 100 Quadratmeter großen Wirtsraum, der beste Hütten-Atmosphäre hat, mit ganz viel Holz und Geweihen an den Wänden. Weißbier, Weißwürstchen und Laugenbrezeln werden drinnen wie draußen serviert und natürlich auch Kaffee und Kuchen. Alles zu sehr zivilen Preisen. Als kostenlose Dreingabe erklingt Bayernmusi – selbstverständlich live.

Jürgen Wörl, Vorsitzender des Bayernvereins und Hobbywirt im Haus Almfrieden, will bayerische Tradionen pflegen, ebenso wie die übrigen 30 Vereinsmitglieder, die in ihrer Freizeit stolz die Miesbacher Gebirgstracht tragen. „Mein Vater stammt aus Maisach bei Fürstenfeldbruck, die Mutter aus Dortmund“, erzählt der 68-jährige Schriftsetzer und Grafiker im Ruhestand.

Das Holz für die Hütte kam aus Dortmund – für 50 Reichsmark

2009 hat sein Verein das 100-jährige Bestehen gefeiert. „Die ersten Mitglieder 1909 kamen größtenteils aus Bayern“, sagt Wörl. Das seien Menschen gewesen, die die Arbeit ins Ruhrgebiet verschlagen habe, Leute, die in Zechen und Brauereien ihr Geld verdienten und deswegen der geliebten Heimat den Rücken kehren mussten. „Nach Feierabend wollten sie dann ihr bayerisches Brauchtum pflegen.“

Das erste Vereinslokal war in der Dortmunder Stadtmitte. 1927 wünschten sich die Vereinsmitglieder ein eigenes Vereinsheim. Im Ardeygebirge, in der damaligen Gemarkung Dortmund-Rüdinghausen, fand man ein passendes Gelände – mit dem Blick auf Dortmund. Das Holz für die Almhütte hatte der Verein auf einer Landwirtschaftlichen Wanderausstellung auf dem Nebengelände der Dortmunder Westfalenhalle für 50 Reichsmark erstanden. 1928 konnte das eigenhändig gebaute Haus Almfrieden von den Vereinsmitgliedern eingeweiht werden.

Das Vereinsheim und das Hang-Grundstück pflegen alle gemeinsam

In Wörls Kindheit gab es auf der Hütte weder Strom noch Wasser. „Im Wald haben wir eine Quelle. Das Wasser haben die Erwachsenen mit Eimern zum Haus geschleppt.“ Die heutigenVereinsmitglieder sind Wittener, Dortmunder, Herdecker und Schwerter – zum Teil noch mit bayerischen Wurzeln, zum Teil Bayern-Liebhaber. Ihr Vereinsheim, das von Mitte Januar bis Ende Oktober geöffnet ist, und das schöne Hang-Grundstück pflegt man gemeinsam. Jürgen Wörls Wunsch: „Ich würde mich freuen, wenn noch mehr junge Leute zu uns stoßen würden. Denn wir haben hier eine tolle Gemeinschaft.“

Das Haus Almfrieden hat nur sonntags geöffnet, immer von 10 bis 18 Uhr. Die Adresse: Bayernverein Einigkeit Dortmund e.V., Mallnitzer Weg 37, 58454 Witten-Schnee. Weitere Infos: www.bayernverein.de

Foto: Thomas Nitsche/WAZ-Fotopool

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg