Geschichte und Bedeutung des Sonntags Thema beim Bayernbund in Rohrdorf

Die ursprüngliche Entstehung und die heutige Bedeutung des Sonntags stand im Mittelpunkt einer Veranstaltung des Kreisverbandes Rosenheim vom Bayernbund im Gasthof „Zur Post“ in Rohrdorf. Referent war Domkapitular und Prälat Josef Obermaier mit dem Vortrags-Titel „Der Sonntag als Mutter unserer Bayerischen Kultur“.

In seinen einführenden Worten erinnerte Kreisverbands-Vorsitzender Christian Glas auch namens des Ehrenvorsitzenden Konrad Breitrainer daran, dass ein „richtiger“ Sonntag nach Möglichkeit mit einem Gottesdienst beginnen soll. Kritisch betrachtet wurden jüngste Diskussionen innerhalb der Gebirgsschützenkompanien. So soll es in Raubling aufgrund von Entscheidungen kirchlicher Gremien mit einem Pfarrer, dem die bayerische Tradition nicht vertraut ist, zu einem Verbot von waffentragenden Gebirgsschützen in der Kirche kommen. „Diese Diskussion hatten wir schon vor einiger Zeit in Bad Endorf, der damalige Pfarrer ist inzwischen Militärpfarrer, aber in Bad Endorf ist wieder Ruhe eingekehrt“. Wie Christian Glas weiter informierte, sind die Gebirgsschützen aus der geschichtlichen Entwicklung heraus eine kirchliche Einrichtung. Das Ausrücken ist –so auch Prälat Obermaier- als hoheitlicher Akt ein hohes Gut, so zum Beispiel bei der Fronleichnamsprozession beim Schutz des Allerheiligsten. Aufgrund der schon mehrmals geführten Diskussionen hat Kardinal Reinhard Marx, der selbst in seiner Heimatstadt Geseke in Westfalen und in Oberbayern Mitglied von Schützenvereinigungen ist, eine eigene Broschüre zum Thema „Gebirgsschützen und Kirche“ herausgegeben und darin deutlich gemacht, dass er die Gebirgsschützen weiter in der Kirche sehen möchte. Prälat Josef Obermaier zeigte einen Weg für eine Konfliktlösung auf als er sagte: „Muss das Gewehr in der Kirche dabei sein? Oder kann es –wie zum Teil in Südtirol- so gemacht werden, dass die Waffen zeremoniell vor der Kirche abgestellt, dort während des Gottesdienstes beaufsichtigt und nach der Messe wieder von den Schützen aufgenommen werden“. Der Prälat sagte weiter, dass die Kirche grundsätzlich so wenig wie möglich in die örtlichen Entscheidungen hineinregieren möchte.

Zum Thema „Sonntag“ stellte sich Domkapitular Obermaier als Geistlicher Reiseleiter und Geschichtslehrer vor und er erinnerte, dass Kaiser Konstantin von Trier (306 bis 337) den Sonntag zum Gesetz gemacht hat. Der Sonntag war ursprünglich ein Tag des Nicht-Arbeitens und des Treffens an einem Ort des Friedens. Bis in die Zeit um 1850 gab es noch die Form der Pfarr-Ökonomien, das waren Pfarreien, die selbst eine Landwirtschaft betrieben. „Damals durfte –zum Beispiel bei drohenden Gewittern- nur mit Erlaubnis des Pfarrer am Sonntag gearbeitet werden“ – so Josef Obermaier, der weiter sagte: „Der Sonntag war kein Ruhetag, sondern ein Auferstehungstag an dem man seiner Gesundheit und seinen Nächsten Gutes tun wollte und sollte“. Im Laufe der Jahrhunderte kam es nach den Gottesdiensten zu Tausch- und Handels-Aktivitäten. Daraus entstand auch die Form der Dult, was soviel wie Erlaubnis heißt (Erlaubnis zum Tanzen oder Verkaufen). Die Predigten waren früher viel länger und ersetzten die Zeitungen oder die heutigen Medien, die Predigten waren selbst lebendige Zeitungen, sagte der Prälat. Allmählich entstanden auch Erlaubnisse für Wallfahrten (zum Beispiel von Rohrdorf nach Rom). Die Volksmusik entstand ebenfalls durch die Sonntags-Kultur und die Liturgie in der Kirche war ein anschauliches Theater, sozusagen ein Nah-Sehen. Auch die Kirchen, die mit ihren Türmen Orientierungszeichen zum Himmel waren und sind sowie die ersten öffentlichen Uhren (als Zeichen der Vergänglichkeit) sind der Entstehung des Sonntags zu verdanken. „Die Kirchen sind auch an Werktagen ein Sonntag bzw. ein Sonnentag, denn sie bieten jederzeit einen Raum zur inneren Einkehr“. Im Laufe der Zeit haben sich durch die sonntäglichen Gottesdienste auch die anschließenden Treffs in Gastwirtschaften entwickelt. „Stammtische waren ein wichtiges Glied für die Kommunalpolitik und somit ist der Sonntag ein Ur-Punkt der Volks-Politik“ – erläuterte Josef Obermaier.

Für seine Ausführungen bekam Prälat Obermaier im Beisein von Bayernbund-Landesvorsitzenden Adolf Dingreiter einen Präsentkorb mit regionalen Produkten aus dem Rosenheimer Land. Unter den interessierten und dankbaren Zuhörern waren auch Bezirksrat Günter Wunsam, Vertreter der Gebirgsschützen- und Trachtler-Organisationen sowie Dr. Helmut Wittmann aus Seeon, dessen Bayernbund-Mundart-Projekt am 11. April in Prien an der Franziska-Hager-Mittelschule vorgestellt werden wird.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der Veranstaltung zum Thema „Sonntag“ im Gasthof „Zur Post“ in Rohrdorf.
1. Von links: Kreisvorsitzender Christian Glas, Prälat Josef Obermaier, Ehrenvorsitzender Konrad Breitrainer und Landesvorsitzender Adolf Dinglreiter.
2. Christian Glas überreicht an Prälat Obermaier einen Korb mit heimischen Köstlichkeiten.

Weitere Informationen: www.bayernbund.de

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg