Farbige Ausstellung in Priener Galerie im Alten Rathaus

Der international bekannte Münchner Maler und Graphiker Rupprecht Geiger hat seine Werke einmal mit den Worten „Farbe ist das Motiv“ charakterisiert, und unter diesem Motto könnte auch die nächste Ausstellung in der Galerie im Alten Rathaus in Prien stehen, die dem Überseer Künstler Fritz Harnest und seinem Freundeskreis, zu dem auch Rupprecht Geiger zählte, gewidmet ist.

Erstmals werden um 25 Arbeiten von Harnest Werke einiger der wichtigsten abstrakten Künstler Bayerns der Zeit nach 1945 geschart. Übersee am Chiemsee bildete neben Prien und Gstadt Gollenshausen eines der Zentren der Künstlerlandschaft Chiemsee. Dort lebten und arbeiteten neben Fritz Harnest (1905 bis 1999) und dessen Frau Mutz (1902-1991) vor allem Willi Geiger (1878 bis 1971) und Rupprecht Geiger (1908-2009), Walter Brendel (1923-2013) und Walter Lederer(1923 bis 2003). Im benachbarten Chieming wirkte der, insbesondere durch die „Methusalem-Presse“ bekannte, Maler und Graphiker Wilhelm Neufeld (1908 bis 1995), in Prien der Keramiker und Maler Klaus Steindlmüller (*1946). Die Priener Ausstellung vereint nun Arbeiten all dieser Künstler und schafft damit ein Kaleidoskop einer modernen regionalen Kunstgeschichte, die in dieser Form für diesen Raum bisher ihresgleichen sucht. Daneben ist auch dem Regensburger Maler Otto Baumann (1901-1992), einem Schüler des in Brannenburg ansässigen, bedeutenden Akademieprofessors Karl Caspar, Raum eingeräumt, der schon seit den 1930er Jahren zum engsten Freundeskreis von Fritz Harnest zählte. Fritz Harnest, ebenfalls Schüler von Karl Caspar, ist durch seine großformatigen Ölbilder und seine zahlreichen Druckgraphiken, zumeist farbigen Holzschnitten, in Fachkreisen weit bekannt. Er wandte sich schon früh der Abstraktion zu, sicher auch unter dem Einfluss von Willi und Rupprecht Geiger, die beide in der ersten freien Kunstausstellung nach dem 2.Weltkrieg, im August 1945 in Prien, Arbeiten zeigten.
Die farbdominanten Serigrafien Rupprecht Geigers, die nun erstmals in Prien zu sehen sind, bilden auch einen Schwerpunkt innerhalb der Ausstellung. Farbintensiv sind auch die Reihe der späten Blumenbilder Willi Geigers, ebenso wie die großformatigen Werke des polyglotten Walter Brendel.Dagegen mehr auf Form und Gestaltung bedacht geben sich die Arbeiten von Wilhelm Neufeld und Walter Lederer, sowie die gänzlich auf die feine Zeichnung reduzierten Arbeiten von Mutz Harnest, ehe Nikolaus Steindlmüller in seinen Monotypien und Keramiken wieder aus dem vollen Farbkanon schöpft.Die überraschende Priener Ausstellung ist bis zum 26. Oktober, Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr, zu sehen.

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg