Ehrenurkunde nach 85 Jahren wieder nach Wildenwart zurückgekehrt

Eine Rarität hat nach 85 Jahren wieder nach Hause gefunden: der Veteranen- und Kriegerverein erhielt aus Kempten die Ehrenurkunde zugeschickt, mit der Hauptlehrer Eduard Drexl im Jahr 1930 für seine Verdienste um den Bau der Kriegergedächtniskapelle in Wildenwart zum Ehrenmitglied ernannt wurde. Bei der Auflösung eines Haushaltes im Allgäu fand sich das seltene Stück, der Finder setzte sich mit dem Vorstand des Wildenwarter Traditionsvereins Heinrich Rehberg in Verbindung und der zögerte nicht lange und bat das Dokument nach Wildenwart zu übersenden. Hier kam sie ein paar Tage vor der Generalversammlung des Vereins an, allerdings war auf dem Transport das Glas gebrochen. Der Schaden war in der Glaserei Stöttner rasch behoben und nun strahlt die Urkunde – gefertigt von dem damals bekannten Münchner Maler Anton Hoffmann – wieder wie vor 85 Jahren. Vorstand Heinrich Rehberg stellte allen Mitgliedern die Ehrenurkunde in der Vollversammlung vor und auch an der Kriegergedächtniskapelle war sie Thema seiner Ansprache. Eduard Drexl war in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts Hauptlehrer an der damals einklassigen Wildenwarter Schule; 106 Kinder von der ersten bis zur siebten Klasse wurden in einem Raum im Schulhaus unterrichtet. Nach dem Ersten Weltkrieg machte sich Drexl zusammen mit Bürgermeister Wallner und dem Vereinsausschuss unter der Leitung von Vorstand Josef Schweiger um den Bau der Kriegergedächtniskapelle in Wildenwart verdient. Während in anderen Orten die Kriegerdenkmäler oft auf den Friedhöfen platziert wurden, war das in Wildenwart nicht möglich, es gab keinen Friedhof in der Gemeinde. Die Verstorbenen wurden auf den Friedhöfen der Pfarreien von Prien in Sankt Salvator, in Frasdorf und in Umrathshausen beigesetzt. Daher wurde die geplante Kriegergedächtniskapelle in Prutdorf in der Mitte der alten Gemeinde zwischen Hendenham im Süden und Siggenham im Norden verwirklicht. Der Lippnbauer stellte das Grundstück zur Verfügung, am 17. Mai 1928 wurde die Kapelle nach einjähriger Bauzeit in Anwesenheit von Kronprinz Rupprecht und den Wildenwarter Prinzessinnen eingeweiht. Hauptlehrer Drexl hielt die Festansprache. Nach seinem Wirken in Wildenwart wurde er ins Allgäu versetzt und verbrachte dort auch seinen Lebensabend. Die Urkunde blieb im Familienbesitz.
Besonders interessiert betrachteten der Ehrenvorstand des Veteranen- und Kriegervereins Wildenwart Balthasar Schweiger und seine beiden Söhne Michael (links) und Andreas (rechts) die alte Urkunde und die alten verblassten Unterschriften. Der damalige Vorstand Josef Schweiger ist der Großvater des heutigen Ehrenvorstands. Die Familie ist ganz eng mit dem Wildenwarter Traditionsverein verbunden: in der über 100-jährigen Geschichte des Vereins wurde er über die Hälfte der Zeit von einem Mitglied der Familie Schweiger geführt: auf Josef Schweiger folgte sein Sohn Balthasar und nach ein paar Jahren Unterbrechung als erster Vorstand aus den Reihen der Bundeswehr dessen gleichnamiger Sohn Balthasar Schweiger. Auch die jüngste Generation ist mit Andreas Schweiger als Fähnrich, Fahnenbegleiter und Beisitzer bereits ins Vereinsgeschehen eingebunden, Michael Schweiger führt als Schriftführer die Bücher der Veteranen.

Besonders interessiert betrachteten der Ehrenvorstand des Veteranen- und Kriegervereins Wildenwart Balthasar Schweiger und seine beiden Söhne Michael (links) und Andreas (rechts) die alte Urkunde und die alten verblassten Unterschriften.

Bericht und Bilder: Heinrich Rehberg

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg