Die Welt im Blick beim 40stündigen Gebet in Prien – Feierlicher Abschluss am dritten Tag

Drei Tage lang war das Katholische Kirchengeschehen in Prien vom 40stündigen Gebet geprägt, zahlreich war die Beteiligung der Christen aus dem Pfarrverband und darüber hinaus, um bei Gottesdiensten, Predigten und Veranstaltungen dabei zu sein. Als Prediger an allen Tagen konnte Pfarrer Klaus Hofstetter Domkapitular Josef Obermaier begrüßen, der in der Diözese München-Freising auch für Migration und Integration zuständig ist und der als Gesamt-Motto „Kirche unterwegs in einer multikulturellen Welt“ aussuchte.

„Geht hinaus in alle Welt“ – dieses Thema erwählte sich der Prediger für den Auftakt-Gottesdienst und er erinnerte dabei, dass der Heilige Geist die Jünger und Kirche immer wieder getrieben hat. „Der Missionsbefehl Jesu galt und gilt immer allen Menschen“. Zugleich erinnerte Obermaier, dass die alten Römerstraßen, die auch am Chiemsee vorbeiführten, die damaligen Kommunikationswege waren und dass mit der Erschließung der Römer auch die vormaligen Sumpf- und Urwalds-Gebiete erschlossen wurden. Am zweiten Gebetstag führte der Prediger das Ansinnen der Christen, in einer globalen Welt zu bestehen fort und er hielt umfassende Rückbesinnung bei der Predigt „Der christliche Sonntag gestaltet unsere Heimat und unsere Kultur“. Obermaier erinnerte, dass das Christentum anfänglich eine Stadt-Religion war und dass es irische Mönche waren, die mit Geläute aufschreckten und die die heimische Bevölkerung katholisch machten. Mühevolle Rodungen des Landes begannen und gemäß dem Spruch „Tot – Not – Brot“ kam die dritte Generation auf erste Ernte-Erfolge. Es entstanden erste Sonntags-Zusammenkünfte, daraus wiederum die ersten Gottesdienste, anschließend die ersten Wallfahrten, durch diese kam es zu ersten Märkten. Im weiteren Verlaufe entwickelten sich Musik, Kunst, Architektur und Kultur sowie durch die Märkte und Messen auch die Wirtschaften und Gastwirtschaften. Es bildete sich die Sonntags-Kultur mit einer eigenen Kleider-Kultur („Christsein ist Schönsein“), aus der Zusammengehörigkeit von Kirche und Wirtshaus bildeten sich die Stammtische, die als Beginn der politischen Tätigkeit des einfachen Mannes mit Übernahme von Verantwortung in der Gesellschaft angesehen werden können.

Bei einer Vesper am Samstagabend traf sich die Geistlichkeit mit Jugendlichen und Junggebliebenen. Die uralte Geschichte des Turmbaus zu Babel verdeutlichte, dass Verwirrung und Verunsicherung wohl zur Menschheitsgeschichte gehören. Ein Text, der vor Augen führte, dass „unser Jesus ein Jude, unser Auto ein Japaner, unsere Pizza italienisch und unsere Demokratie griechisch…“ sei, führte vor Augen, wie gern wir unsern Nachbar einfach nur als Ausländer abstempeln. Schachteln mit den jeweiligen Flaggen wurden im Altarraum zu einen Turm gebaut, an den man an Schnüren Friedenswünsche knotete. Der Jugendchor “die RimsTeenies“ sang Lieder aus aller Welt.

Bei der sonntäglichen Abschluss-Andacht „Religiöse Begegnung ist religiöse Bereicherung“ schilderte Prälat Josef Obermaier persönliche Erlebnisse aus seinem Leben, unter anderem wie er durch Moslems und die Befassung mit dem Islam den eigenen christlichen Glauben tiefer entdeckte. Bei aller Distanz zum religiös-fundamental begründeten Terrorismus gelte es, offen und interessiert Andersgläubigen zu begegnen, denn dies könne auch selbst religiös bereichern. Mit dem feierlichen Te Deum, musikalisch gestaltet von der Capelle Vocale unter Leitung von Kirchenmusiker Rainer Schütz endete das diesjährige 40-stündige Gebet, das zahlreiche Gläubige aus unterschiedlichen Nationalitäten sowie Jung und Alt in Prien zum Gebet zusammenführte .

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom 40stündigen Gebet in Prien.

Nähere Informationen: Pfarrbüro Prien, Telefon 08051-1010

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg