Die ‚Holzlandler‘ feierten eine prächtige Faschingshochzeit – Bericht II

Der Trachtenverein D’Holzlandler Pleiskirchen/Lkrs. Altötting ließ am vergangenen Samstag einen Brauch aus der Kurfürstenzeit wieder aufleben und feierte im Rahmen seines 70jährigen Vereinsbestehens eine große Faschingshochzeit mit nahezu 200 Hochzeitsgästen, die vorwiegend im Traditionsgwand um 1900 erschienen waren.

‚Progroder‘ (Hochzeitslader) Karl Hausinger aus Lichtenhaag und die Kapelle ‚Kaiserbuam‘ aus Reischach begrüßten die Teilnehmer beim Gasthaus Münch, wobei neben der ‚Verwandtschaft‘ und ‚nobligen Gästen‘ auch Vertreter alter Berufsstände wie Zimmerer, Bader, Müller, Störschneider, Hopfenbauern, Ökonomieräte und Dorfschulmeister sowie Traditionsvereine wie Schützen, Freiwillige Feuerwehr, Burschenschaft und Jungfrauenbund erschienen waren. Ein besonderes Gepränge erhielt die illustre Hochzeitsgesellschaft zudem durch die Mitglieder des Volksmusikvereins im Landkreis Landshut, die in nachgeschneiderten Uniformen des früheren 2. Schwere Reiterregiments des Prinzen Ferdinand von Hohenfall auftraten und eine Reiter-Quadrille mit Steckenpferden tanzten. Auch eine Hochzeitszeitung (‚Houzatblattl‘) war eigens zu diesem historischen Anlass erstellt worden mit interessanten Beiträgen zum Hochzeitsbrauchtum in früherer Zeit und natürlich durfte der Kammerwagen mit der ‚Aussteuer der Braut‘, gezogen von einem Pferdefuhrwerk der Familie Obereisenbuchner, nicht fehlen. Um 14 Uhr formierte sich der große Hochzeitszug durch den Ort, angeführt von den Honoratioren, zu denen sich auch Altbürgermeister Sepp Eder als Amtsgerichtsrat gesellte. Den Schluss des farbenprächtigen Umzuges bildete der Lanz-Bulldog der Familie Schandl, auf dessen Anhänger Bürgermeister Konrad Zeiler und seine Frau als ‚Schulrat nebst Gattin‘ Platz genommen hatten. Mit einer Rede des Faschingsbürgermeisters Nepomuk Schmalzgruber (Hans Steinhöfer) wurde anschließend das ‚feierliche Zsammgeb’n‘ des Brautpaares Apollonia Soivermoser (Georg Englsperger jun.) und Kastulus Ruach (Maria Langreiter) eingeleitet, nicht ganz ohne Probleme, denn auch eine ‚Verflossene‘ (Hans Hellbauer) meldete ihre ‚Ansprüche‘ an. Bewaffnet mit einem Bettklopfer wollte sie mit ihren ‚ledigen Kindern‘ (Trachtenjugend) ihre ‚Rechte‘ am Hochzeiter durchsetzen. Dank des energischen Einschreitens der Pfarrersköchin (Hildegard Frankenberger) konnte der Festakt aber schließlich erfolgreich fortgesetzt werden. Nach dem Jungherrnlauf und dem Gruppenfoto ging es im Gasthaus Münch weiter mit Bräuchen wie dem Hungertanz, dem Suppensalzen, dem Ehren mit Gstanzlsingen und dem zünftigen Nachehren, wobei Hochzeitslader Karl Hausinger die Gäste mit lustigen Vierzeilern ‚gscheit ausgsunga‘ hat . Abends spielten die Dorfner Musi und die Geigenmusi ‚Streichkaas‘ schneidig auf zum ‚Houzatkranzl‘ für alle Draufgeher und Interessenten an diesem zünftigen Brauchtum, das aus der Kurfürstenzeit stammt, als sich die Adeligen als Wirte und Bauernvolk verkleideten und eine Bauernhochzeit nachspielten. Den tänzerischen Höhepunkt bildete dabei die ‚Francaise‘, ein ehemals höfischer Gesellschaftstanz, der ebenfalls zum Gelingen der mittlerweile sechste Faschingshochzeit der ‚Holzlandler‘ beitrug.

Bericht: Hildegard Kallmaier – Fotos: Wagner

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg