Am 20. Februar ist der „Liebe-Dein-Haustier-Tag“

Fünf Fragen an Enrique Baumgarten, Ebersberg, Ameisenspezialist, Germanistikstudent, konzipierte den Bereich „Ameisenterrarien“ in der Ausstellung „Regenwald“.

  • Man sagt, Menschen werden ihren Haustieren mit der Zeit immer ähnlicher. Welche Eigenschaften „Ihrer“ Ameisen würden Sie sich wünschen?

Natürlich die Positiven, die ich nicht sowieso schon habe. Ameisen zeichnen sich durch hohe Anpassungsfähigkeit aus. Außerdem ziehen alle Tiere einer Kolonie an einem Strang, so können sie Probleme lösen, die sie als einzelne Wesen nie bewältigen hätten können. Umgekehrt kommen viele Schwierigkeiten, die die Menschen haben, im perfekt organisierten Superorganismus eines Ameisenstaates gar nicht erst auf.

  • Wie alt werden Ameisen? Wie viele Ameisensorten gibt es, und welche kommen in die deutschen Küchen?

Arbeiterinnen können wenige Monate bis ca. drei Jahre alt werden. Königinnen dagegen leben erheblich länger, eine im Labor gehaltene wurde 29 Jahre alt. Es gibt ungefähr 12.000 verschiedene Ameisenarten. Als Schädlinge oder Kulturfolger kommen nur wenige davon in deutsche Küchen, um sich Essensreste zu holen. Aber ins deutsche Wohnzimmer oder den Hobbykeller kommen mittlerweile knapp 200 verschiedene Arten. Es gibt immer mehr Menschen, die sich für die Tiere als Haustiere interessieren.

  • Sie konzipierten und betreuen die Ameisenterrarien mit Blattschneider und Treiberameisen in der Ausstellung „Regenwald“. Wie viel Aufwand bedeutet die Pflege und Fütterung der kleinen „Haustiere“?

Ameisen sollten normalerweise alle zwei Tage gefüttert werden, je nachdem wie groß die Kolonie ist. Gerade die Treiberameisen neigen zu spontanem Heißhunger und benötigen deswegen eine regelmäßige Ernährung. Mit den Blattschneiderameisen ist es ähnlich, sie füttern ja quasi den Pilz mit den geschnittenen Blättern und daher muss auch hier auf Regelmäßigkeit bei der Versorgung geachtet werden. Andere Eingriffe, wie das Reinigen der Terrarien werden unmittelbar unternommen. Insgesamt ist also mit hohem Aufwand zu rechnen aber trotzdem hat man mit Ameisen als Haustier wesentlich weniger zu tun als beispielsweise mit einem Hund: Die Treiberameisen können Nahrung speichern und wären somit theoretisch ein paar Tage unabhängig vom Pfleger. Auch die Blattschneider könnten wenige Tage von ihrem Pilz leben, bevor er wieder gedüngt werden muss. Wir wollen aber vorführen, wie die Tiere Blätter schneiden und daher wird auf ständige Verfügbarkeit frischer Blattmasse geachtet. Auch die Tiere im Gesellschaftsbecken können ein paar Tage ohne Versorgung auskommen, kleine Erfrischungen holen sich die Tiere dann an den Nektarpflanzen.

  •  Woher kommt Ihre Faszination für diese Tiere?

Vermutlich wegen ihres Erfolges. Das Kollektiv ermöglicht ihnen ein ganz anderes Auftreten in der Ökologie als es einzeln lebenden Tieren möglich ist. Wahrscheinlich vergleichen viele Menschen sich auch gern mit Ameisen, wenn sie sie als Staat wahrnehmen, der sich ähnlich oder besser als menschliche Staaten organisiert. Hinzu kommt noch die unglaubliche Vielfalt: Unter den 12.000 verschiedenen Arten treten auch solche auf, die man kaum als Ameise identifizieren könnte.

  • Ameisen sind die „Hausmeister“ der Regenwälder. Was macht sie dazu?

Sie belüften den Boden mit ihren Nestern und kurbeln durch ihren eigenen Nahrungsbedarf den Nährstoffhaushalt an. Wenn sie sich Nektar von bestimmten Pflanzen holen, halten sie so Fressfeinde von diesen fern. Zuletzt dienen sie auch selbst vielen anderen Tieren als Nahrung. Sie sind wohl weit mehr als bloße Hausmeister.

REGENWALD
Eine Ausstellung der VERANSTALTUNGS+KONGRESS GmbH Rosenheim in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Naturwissenschaftlichen Sammlungen Bayerns und dem Museum Fünf Kontinente
Ausstellungszentrum Lokschuppen Rosenheim
Rathausstraße 24, 83022 Rosenheim
Öffnungszeiten: 20. März bis 29. November 2015
Mo – Fr von 09:00 – 18:00 Uhr I Sa, So u. Feiertag von 10:00 – 18:00 Uhr

Informationen und Buchung
Mo – Fr von 09:00 – 17:00 Uhr I Telefon: +49 (0) 80 31 / 3 65 90 36
Fax: +49 (0) 80 31 / 3 65 90 30 I E-mail: lokschuppen@vkr-rosenheim.de

 

Rainer Nitzsche

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