50. Bartholomäus-Kirchweih am Großen Arber

„So stelle ich mir die Bergpredigt vor.“, offenbarte Diözesanbischof Prof. Dr. Rudolf Voderholzer, als er bei der traditionellen Bartholomäus-Kirchweih am Großen Arber seinen Blick über die gekommene Gottesdienstgemeinde schweifen ließ. Viel habe er schon gehört und gelesen über die Arberkirchweih, aber das, was er heute erleben dürfe, übertreffe all seine Erwartungen und Vorstellungen. Man möge das heutige geeignete Wetter als ein Geschenk des Himmels zu dieser Jubiläumsfeier annehmen. Einer wahren Völkerwanderung gleich zogen Bergwanderer, Trachtler, Mitglieder der zahlreichen Sektionen des Bayerischen Waldvereins und auch zahlreiche Bergsportler zu Fuß oder auf dem Mountainbike zum Gipfel, unter dem sich die kleine, ehemals steinerne Arberkapelle im neuen schmucken Lärchenschindel-Kleid präsentierte. Sie wurde nun mit einem Holz-Vorbau versehen, so dass die Zelebranten auch bei schlechtem Wetter unter Dach sind. Außerdem erhielt es einen Glockenturm, auf den ein örtlicher Schmied ein schönes Kreuz setzte. „Seither gehen viel mehr Leute zur Kapelle, haben wir beobachtet“, freute sich der Bergbahn-Betriebsleiter Thomas Liebl.
Schätzungen des Veranstalters nach suchten rund 10 000 Besucher die Bergeshöhe, um zusammen mit Diözesanbischof Prof. Dr. Rudolf Voderholzer und Arberpfarrer Dr. V. Emeka Ndukaihe den Gottesdienst zur 50. Kirchweih seit Wiedereinführung im Jahre 1965 zu feiern. Unüberschaubar groß war die Menschenmenge, die sich rund um die Kapelle auf dem Arberplateau und den Felsen des Gipfels platziert hatte – ein Ansturm wie nie zuvor.
Gauvorsitzender Andreas Tax erinnerte in seiner Begrüßung an die Einführung der Kirchweih im Jahr 1806, als die Adelige Maria Elisabeth von Hafenbrädl die erste kleine Kirche am Arbergipfel errichten ließ. „Die Anzahl der Jahre ist jubiläumsverdächtig.“ Ein herzliches Grüß Gott entbot er auch Staatsminister Helmut Brunner (gleichzeitig Vorsitzender des Bayerischen Waldvereins) und den Vorstandsmitgliedern, dem Nachbargau Dreiflüssegau Passau mit Walter Söldner an der Spitze sowie den 20 Fahnenabordnungen der Waldgau-Vereine. Zusammen mit der Lamer Bergwacht, die von der Arberebene aus das Kreuz mit großem Gefolge herauftrug, machten sie sich betend auf den Weg zur Gipfelkapelle. Ein weiterer Dank gebührte Betriebsleiter Thomas Liebl von der Arber-Bergbahn für die Neugestaltung der Kapelle, Heinz Feigl und Eugen Sterl für die Organisation, Hilde Herzog und Sepp Seidl für die Altargestaltung, sowie der „Tittlinger Tanzbodnmusi“ und den „Distelberg-Sängern“ mit der „Waldler Stubnmusi“ aus Viechtach für die Gottesdienstgestaltung.
Arberpfarrer Dr. V. Emeka Ndukaihe hieß alle Ehrengäste, Organisatoren und Mitbeter aus nah und fern herzlich willkommen. Die Anwesenheit des Diözesanbischofs verleihe der Feier einen besonderen Glanz, meinte er. Auf das Tagesevangelium bezogen wähnte der Geistliche auch die Kirche der heutigen Zeit in einer derzeit herrschenden Glaubenskrise. Das Wort stamme aus dem Griechischen und bedeute Entscheidung bzw. entscheidende Wende. „Eine Krise kann auch heilsam sein, sie fragt nach Fundament und Richtung, verlangt Entschiedenheit und fordert eine klare gereifte Entscheidung.“ Die Christen sollen sich auf das Fundament ihres Glaubens besinnen.
In den Mittelpunkt seiner Predigt stellte der Hauptzelebrant, Diözesanbischof Voderholzer, die derzeit herrschende Krise in der Kirche. In der seit letzter Woche wieder laufenden Bundesliga komme es auf den Erfolg an, der Zuschauer und Einschaltquoten bringe. Auch im Kino oder den sozialen Netzwerken auf dem Handy komme es auf Akzeptanz und möglichst viele Anhänger an. Wenn die Zuschauer ausbleiben, müsse etwas getan werden, um das Ruder wieder herumzureißen. Mit einem Rückgang der Zahlen und Akzeptanzproblemen habe auch die Kirche in Mitteleuropa zu kämpfen, im Gegensatz zur Heimat des Arberpfarrers (Nigeria), Afrika und Indien. Die sogenannte „galiläische Krise“ habe schon zu Lebzeiten Jesu dazu geführt, dass ihn sogar viele seiner Jünger verlassen hätten. „Wollt auch ihr gehen?“, provozierte Jesus damals seine engsten Anhänger bis zum letzten. Petrus brachte es auf den Punkt: „Wohin sollen wir gehen? Du allein hast Worte des ewigen Lebens.“ Allein im Kreuz liege der wahre Weg und Sinn des Lebens, der in Tod und Auferstehung gründe. Gegen den Mitgliederschwund der Kirche helfe nicht eine gewiefte Werbestrategie oder die Verdünnung der Botschaft gemäß dem Motto „Alles light und kalorienreduziert“. Es gehe darum, sich ganz und gar auf Jesus einzulassen, um zu spüren, dass der Glaube Kraft gebe, das oft unerträgliche Leben zu ertragen. „Er hilft mir die Last des Lebens zu tragen und gibt meinem Leben Sinn und Richtung. Wer dies verinnerlicht, hat nicht auf Sand gebaut.“ Jesus sei es auch wert, für die Arberkirchweih einen langen und strapaziösen Weg hinzunehmen und im Alltag seinen Kopf dafür hinzuhalten, so Bischof Voderholzer abschließend.
Nach seiner zu Herzen gehenden Ansprache gab der Diözesanbischof der neugestalteten Arberkapelle seinen Segen. Fortan wird sie auch den Tag und den Abend anläuten. Gleich einem tausendfachen Chor stimmten die anwesenden Besucher in die Gesänge der Waldlermesse mit ein. Die von Heinz Feigl vorgetragenen und unter Musikbegleitung der Stubenmusik gesprochenen Fürbitten ersuchten um Schutz und Frieden für die Heimat, um Hilfe in Zweifel und Krise, um Zusammenhalt und Freundschaft untereinander, um Offenheit für andere Menschen, Beistand für Arme und Kranke, Frieden auf der Welt sowie Dankbarkeit und Hochachtung für die Verstorbenen. Die Lesung übernahm die junge Magdalena Pfrogner aus Bayerisch Eisenstein. Eine große Anzahl der Mitfeiernden nahm die Gelegenheit des Empfangs der heiligen Kommunion wahr.
Am Ende der Bergmesse nach dem feierlichen Te Deum verabschiedeten die anwesenden Besucher mit einem kräftigen Applaus den scheidenden Arberpfarrer Ndukaihe, der ab 1. September die Pfarrei Christkönig in Straubing übernehmen wird. Seine Nachfolge wird Pfarrer Bogdan Bogdanovski aus Polen übernehmen. „Wie werden diese ganzen Menschenmassen nur satt? Ich verfüge nicht über die Gabe der Brotvermehrung.“, bekannte der Bischof humorvoll und hatte damit die Sympathien der Pilger einmal mehr auf seiner Seite. Die Gastronomie am Arber und auf der Arberebene aber hatte dafür alle Vorkehrungen getroffen. Ob bei einer Einkehr in den Gasthäusern oder bei einer Rast auf der Wiese mit der mitgebrachten Brotzeit – niemand brauchte hungrig ins Tal zurückkehren. Musikalisch verwöhnte die „Tittlinger Tanzbodnmusi“ das Verweilen der Besucher rund um Arberschutzhaus und die Eisensteiner Hütte.

Bild 1: Rund 10 000 Menschen wollten die Jubiläumskirchweih mitfeiern.
Bild 2: Die Waldgau-Standarte führte den Zug der 20 Fahnenabordnungen an.
Bild 3: Beim Weg zur Kapelle musste Diözesanbischof Prof. Dr. Rudolf Voderholzer aus Regensburg viele Hände schütteln und Kinder segnen.
Bild 4: Hauptzelebrant und Prediger war Diözesanbischof Prof. Dr. Rudolf Voderholzer aus Regensburg.
Bild 5: Die neugestaltete Arberkapelle durfte sich über den bischöflichen Segen freuen.
Bild 6: Zusammen mit dem scheidenden Arberpfarrer Dr. V. Emeka Ndukaihe gestaltete der Bischof den Gottesdienst.
Bild 7: Für stimmungsvolle Begleitmusik der Eucharistiefeier sorgten die „Distelberg-Sänger“ und die „Waldler-Stubenmusi“ aus Viechtach.
Bild 8: Bischof Voderholzer rief zur Einheit im Glauben auf.
Bild 9: Bei der Einkehr im Arberschutzhaus: (v. li.) Haymo Richter vom Waldverein, Bürgermeister Georg „Charly“ Bauer aus Bayerisch Eisenstein, Diözesanbischof Voderholzer, Arberpfarrer Ndukaihe und Thomas Liebl von der Arber-Bergbahn.
Bild 10: Erstmals rief die Glocke der neuen Arberkapelle die Gläubigen zum Gottesdienst.
Bild 11/12: Die Fahnen kämpften sich den Weg durch die Menschenmassen.
Bild 13: Gerne nahmen die anwesenden Gläubigen den Kommunionempfang aus der Hand des Bischofs in Anspruch.

Bericht und Bilder: Regina Pfeffer

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg