295. Martini-Ritt in Miltach beim Bayerischen Waldgau

In Miltach findet am 8. November wieder der traditionelle Martini-Ritt statt. Trotz aller gesellschaftlichen Veränderungen hat der Martini-Ritt aus Anlass des Pfarrpatroziniums noch eine herausragende Bedeutung im örtlichen Jahresablauf. Als gemeinsame Veranstalter der Feierlichkeiten treten die Pfarrgemeinde und die politische Gemeinde auf.

Im Wesentlichen wird der Umritt wieder nach bewährtem Ablauf durchgeführt. Die Zuschauer können sich über einen farbenfrohen Festzug mit herausgeputzten Pferden, Wagen, Gespannen und Fußgruppen freuen. Die Feuerwehren aus dem Gemeindebereich übernehmen die Ordnungs- und Sicherungsaufgaben, der Trachtenverein sämtliche Trägerdienste für Baldachin, Laternen und Figuren.
Für viele ist der Martini-Ritt ein Eckpfeiler der dörflichen Tradition. Ein festlich gestalteter Gottesdienst, der herkömmliche Umritt, Kirchweihgäste und vielleicht ein Besuch im Gasthaus prägen den Tag. An Gottesdienst und Fußprozession nehmen wieder die Ortsvereine mit ihren Fahnen teil.
Von Seiten der Gemeinde sind die Bürgermeister aus den Nachbargemeinden, Landrat Franz Löffler, die Bundes- und Landtagsabgeordneten Karl Holmeier und Dr. Gerhard Hopp und weitere Ehrengäste eingeladen. Die Gäste treffen sich um 8.15 Uhr am FFW-Haus und ziehen mit den Vereinen zur Pfarrkirche, wo um 8.30 Uhr der Festgottesdienst beginnt. Festprediger ist zum 20. Mal Pfarrer Gotthard Weiß aus Hofkirchen. Weitere klerikale Gäste sind BGR Johann Six (Haselbach), Pater John (Harrling), Kaplan Jürgen Eckl (Gangkofen) und Diakon Martin Peintinger (Altrandsberg).
Gegen 9.45 Uhr beginnt der Ritt zur Maria-Hilf-Kapelle an der Kötztinger Straße. Anschließend auf dem Kirchplatz werden die anwesenden Gläubigen mit dem Allerheiligsten gesegnet. Ebenso erfolgt die Segnung der Pferde und Reiter mit der Martinsreliquie. Bürgermeister Aumeier wird langjährige Rittteilnehmer ehren.
Bei der weltlichen Feier im Gasthaus Griesbeck werden die Gäste von den „Weiß-Blau-Königstreuen“ bis 17 Uhr mit Blasmusik unterhalten. Um 17.30 Uhr wird die Kindergruppe des Trachtenvereins ihr Erlerntes zum Besten geben. Ab 18 Uhr lädt der Trachtenverein „D’Regentaler“ mit den „Godl-Musikanten“ zum Kirtatanz ein – Eintritt frei. Nicht zu vergessen sind die leiblichen Genüsse: Gänsebraten und typisches Miltacher Kirta-Gebäck wie Küchl und Striezl zählen zu den Gaumenfreuden. Ab 14 Uhr verkauft der Verein im Griesbeck-Saal Kaffee und Kuchen zur Finanzierung der Musikkapelle.
Die Vereinsführung der „D’Regentaler“ Miltach unter Vorsitzendem Michael Iglhaut würde sich freuen, wenn der eine oder andere einen schönen Tag in Miltach beim Martini-Ritt und auch später auf der weltlichen Feier verbringen würde.

Ursprung und Entstehung des Martini-Rittes
Der Umritt wird seit 1968 alljährlich am nächstliegenden Samstag (jeweils vor oder nach dem 11. November) abgehalten, um auch den auswärtigen Reitern die Teilnahme am Martiniritt in Miltach zu ermöglichen.

• Die genaue Herkunft des Martiniritts Miltach liegt im Dunkeln und ist nicht genau bekannt.
• 1748: In alten Kirchenrechnungen wird von größeren Feierlichkeiten zum Kirchweihfest berichtet. Ob es sich dabei um den Martiniritt gehandelt hat ist allerdings nicht belegt.
• Auch Pfarrer Karl Holzgartner konnte in seinen handschriftlichen Beiträgen zur Expositurgeschichte Miltach (Juni 1916 – Februar 1924) nicht genau feststellen, wann der Umritt genau entstanden ist, da keine genauen schriftlichen Aufzeichnungen vorliegen, die soweit zurückreichen.
• In diesen Aufzeichnungen ist aufgeführt, dass der Ritt bereits seit der Gründung der Expositur Miltach im Jahr 1880 durchgeführt wurde, wobei damals der „Knecht des Pfarrers von Chamerau“ das Recht hatte, als Kreuzträger der Prozession voranzureiten (die Expositur Miltach gehörte damals zur Pfarrei Chamerau).
• Erst später ritt dann ein „Knecht der Brauerei Martin“ der Prozession als Kreuzträger voraus. Seit dieser Zeit bis heute reitet der Besitzer des „Anwesens Martin“ der Prozession als Kreuzträger voraus.
• 1916: Der damalige Pfarrer Karl Holzgartner stellte eine einheitliche Regelung für den Martiniritt in Miltach auf. Seit dieser Zeit liegen auch schriftliche Aufzeichnungen über die Zahl der Ritt-Teilnehmer vor.
• Vieles spricht jedoch dafür, dass der Miltacher Martiniritt zur Zeit einer „Viehseuche“ im 18. Jahrhundert gelobt oder erneuert worden ist und dass der Umritt erstmals seit dem Jahre 1720 durchgeführt wurde.

Bericht: Regina Pfeffer

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg