Zwei Millionen Euro in Hochries-Gipfelhaus investiert – Feierliche Eröffnung

Es geht um die größte finanzielle Investition, die die DAV-Sektion Rosenheim in ihrer 138-jährigen Geschichte zu verantworten und zu meistern hatte – mit diesem Satz hielt DAV-Schatzmeister Dieter Vögele Rückschau auf eine imposante Baumaßnahme an nicht minder imposanter Stelle auf der Hochries.Und Vögele ergänzte: „Ein von der Mitgliederversammlung 2015 veranschlagter Kostenrahmen von zwei Millionen Euro für die Hochrieshütte wurde voll eingehalten und die Baumaßnahme durch ehrenamtliches Engagement und jahrelanges Sparen eigen finanziert.“

Stolz präsentieren wir ihnen heute die Hochrieshütte, weit grüßt sie ins Tal vom Rosenheimer Hausberg, ein Juwel in unseren heimatlichen Bergen – im Naherholungs- und Fremdenverkehrsgebiet Rosenheimer Land, im Wanderparadies Samerberg.

Die Rede von Dieter Vögele im Wortlaut:

In einer über 100 jährigen Geschichte reden wir von einer zeitgemäßen Weiterentwicklung einer 1914 als Skihütte errichteten Bergsteigerunterkunft. Ein kurzer Rückblick soll den Jahrzehntelangen Weg aufzeigen in dem die jeweils Verantwortlichen, der Sektion Rosenheim des Deutschen Alpenvereins, als Eigentümer der Hochrieshütte, zu ihrer Zeit immer versucht haben mit den ihnen gegebenen Mitteln und Möglichkeiten ihr Bestes zu geben.
Es begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert, zur  Zeit der Gründung des Alpenvereins (1869) mit dem Erschließen der Alpen, durch anlegen, markieren und instand halten von Bergwegen als Vereinszweck. Die Errichtung von Unterkunftshäusern in den Bergen, um den Bergbegeisterten die Bereisung der Alpen zu erleichtern kam dazu. So war es auch bei den Rosenheimer Bergfreunden, die nach der Gründung der Sektion Rosenheim 1877 in den heimatlichen Bergen mit dem Bau von Bergwegen begannen. Tatzelwurm, Wendelstein, Brünnstein und Hochries sind die Arbeitsgebiete. Nach dem ersten Anlegen der Zuwege dauerte es nicht mehr lange sich den Traum von einem eigenen Heim in den Bergen zu erfüllen. 1894 wurde das Brünnsteinhaus, die erste sektionseigene Hütte errichtet. Nach dem Erwerb der drei Seitenalmen (1903, 1906, 1912) an der Hochries als Sommerhütte wurde 1914 auf dem Gipfel eine Schihütte, nur für die Wintermonate und zunächst nur für Mitglieder der Sektion errichtet.

Ende des 19. Jh. war es auch durchaus noch üblich, unsere Vorberge mit einem Bergführer zu besteigen (z. b. 1882 Kranzhorn Führergebühr 3 Mark).

Die Bergsteigerbewegung kam weiter in Gang und entwickelte sich mit zunehmender Infrastruktur für jedermann rasant weiter (Z. B. Eröffnung der Bahnlinie nach Frasdorf 1914, 1936 Autobahn bis Achenmühle). Dazu kam die zunehmende Mobilität der Massen und die Natur- und Bewegungsbedürfnisse der Menschen in einer sich verstädternden Gesellschaft. Die Bergnatur wird zunehmend Freizeitpark, Sportliche Gründe wie Bergsteigen, Bergwandern, Skifahren, Schneeschuhgehen, Mountainbikern entwickelten sich zur Massenbewegung.

Die beibehaltene der  Bezeichnung Hütte drückt schon aus, dass es einfache Behausungen waren mit Plumpsklo, Lager mit Strohsäcken, Petroleumlicht und Kerzen und keine Bewirtung, meist nur Quell- oder Schnee- Wasser und keine Kanalisation. Es waren eben Schutzhütten,  alpine Stützpunkte die das bisherige Übernachten auf  primitiven Hirtenunterständen und Almen ablösten. Auflagen von Behörden gab es noch nicht.

Der Massentourismus mit der uns gegebenen Mobilität hat viele „Hütten“  in Frage gestellt. Sind sie noch Schutzhütten oder alpine Stützpunkte oder sind sie Ausflugsziele für Bergwanderer, Bergsteiger oder Naturgenießer in unserm Voralpengebiet geworden.  Der eigentliche Zweck der Hütten hat sich in vielen Fällen geändert,  vom spartanischen Schutzhaus für genügsame Alpinisten sind es  Ziele von Wanderern und Familien, Ausflüglern, auch Orte zum Feiern von persönlichen Ereignissen geworden.

Die in den 70er Jahren erfolgte Erschließung mit der Hochriesbahn als Wintersportgebiet brachte gewandelte Bedürfnisse und veränderte Mentalitäten mit sich. Dazu: Hat das Hochriesgebiet für die Gemeinden Frasdorf, Aschau und Samerberg im „Chiemsee Alpenland“  als Freizeit und Urlaubsregion einen hohen Stellenwert.

Auch die Hütten Versorgung hat sich geändert vom Tragen mit der Kraxe bis zum Hubschrauber.

Manche Leute wollen am Berg den gleichen Komfort wie daheim bzw. im Tal (volle Verköstigung, Zimmer, entsprechende Sanitäranlagen etc.)

Es war die letzten 100 Jahre ein ständiges Anpassen an die zeitlichen Anforderungen:

Es begann 1914 mit dem Bau der Hochries Skihütte, 1920 erste Erweiterung

1934 Neubau aus Holz damals errichtet durch Notstandsarbeiter

1958 Holzbau nicht mehr zu sanieren, Errichtung eines Neubaus aus   Stein – Verkauf der Grundstücke und Seitenalmen (134 Tagwerk für 58.000 DM) zur Finanzierung

1976 Nach dem Bau der Hochriesseilbahn erhält die Hochrieshütte Anschluss an das öffentliche Strom- und Wassernetz, vom  Plumps Klo zu Sanitäranlagen und Kläranlage

1980 Abbruch des Holzbaus, Neubau Rosenheimer Stube

1994 Erneuerung Gaststube und Küche

2006 Neubau Windfang

In den Jahren dazwischen immer wieder Instandhaltungen und technische Erneuerungen Solaranlage, Wärmepumpe, Lastenaufzug, Fettabscheider, Terrasse.

Nun war die Zeit gekommen, sich damit auseinander zu setzen wie es mit der Hochrieshütte weitergeht.

  • Klausenhütte (Baron Cramer Klett) geschlossen wegen Auflagen des Landes Tirol,
  • Riesenhütte (Sektion Oberland) geschlossen wegen hohem Instandhaltungsaufwand und Gewerbeaufsichtlicher Auflagen (2.4 Mio. €).
  • Hochriesbahn Bergstation Gaststätte geschlossen wegen Unwirtschaftlichkeit.

Ist Hochrieshütte eines Tages auch nicht mehr zu halten?

Als alpiner Stützpunkt hat die Hütte heute nicht mehr ihre frühere Bedeutung. Auch wenn mehr als die Hälfte der Hüttenbesucher zu Fuß kommen im Sommer ist es ein Seilbahnberg und im Winter das was sie immer war ein Skitourenziel.

Wirtschaftliche Rechenspiele gehen nicht auf. Im Rahmen Gemein-nützigkeit des Vereins  geht es die Vorgaben für begünstigten steuerlichen Zweckbetrieb bzw. Vermögensverwaltung zu beachten.

Franz Knarr als 1. Vorsitzender (sei 1988)  und ich als Schatzmeister(seit 1967)  mit wechselnden ehrenamtlichen Mitstreitern sind vor Jahrzehnten angetreten das Ererbte zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Am Beispiel Brünnsteinhaus ist viel gelungen. Aus einem Heim in den Bergen für die Sektionsmitglieder ist eine Alpenvereinshütte für Alle geworden.

Die Zukunft der Hochrieshütte ist für die Sektion zur Herausforderung der nächsten Jahre geworden.

Die einstige Schihütte auf der Hochries, heute die Hochrieshütte ist mehr als je zuvor Ziel von Bergwanderern, Schifahrern, Schneeschuhgeher, Mountainbikerin, Drachen und Gleitschirmfliegern, von Erholungssuchenden auch nicht Bergsteigern des Naherholungs- und Feriengebietes Rosenheimer Land.

Die Mitgliederversammlung der  9.500 Mitglieder zählenden  Alpenvereinssektion Rosenheim gab 2015 nach ausführlicher Begründung grünes Licht zum Erhalt der Hochrieshütte und einer zeitgemäße Weiterentwicklung „Projekt Hochrieshütte 2015 Folgejahre“.

Die heutige Infrastruktur der Hütte bedurfte um sie zu erhalten nicht nur dringender Erhaltungsmaßnahmen Dach- und Fassadensanierung, Wärmedämmung u. a.) sondern auch einer Weiterentwicklung.

Zimmerlager, Sanitärbereich Ausstattung, energetische Maßnahmen, Brandschutz, Arbeitsschutz, Hygienevorschriften, sowie Erfüllung Gewerbe auf sichtlicher Vorgaben verlangten rechtzeitiges Verantwortungsbewusstes Handeln. Dazu kommt, dass eine qualifizierte Verpachtung nur dann gegeben ist, wenn für Pächter und Personal Räumlichkeiten zur Verfügung stehen wie wir sie im Tal als selbstverständlich in Anspruch nehmen.

25 – 30000 Besucher, Groß und Klein, Jung und Alt hat die Hochries jährlich, davon kommen 2/3 zu Fuß und ein Drittel mit der Hochriesbahn. Es sind nicht nur Alpenvereinsmitglieder, die Mehrzahl sind Nicht AV-Mitglieder.

Nicht nur die sportlichen Ambitionen rund um die Hochries waren uns Anliegen, die ältere Generation – zu der ich nun auch gehöre – liegt uns sehr am Herzen.

Erwähnt sei auch, warum wir uns so für die zeitgemäße Weiterentwicklung der Hochrieshütte und den Erhalt der Hochriesbahn als Sommerbahn einsetzen. Eine hohe Zahl der Hüttenbesucher (Ca. 20 % der Alpenvereinsmitglieder) gehören der Generation 60 Plus an, haben ihr Leben lang Freude bei ihren bergsteigerischen Unternehmungen erlebt, und können diesen Naturgenuss mit der Bahn bis zum Lebensende aufrecht erhalten und auf einer Hütte übernachten, den Sonnenaufgang und Sonnenuntergang erleben, wie in früheren Zeiten zu Fuß.

Dass älteren Frauen und Männern kaum mehr zumutbar ist, z. B. als 70- Jährige in Massenlagern mit Massen-WC und Waschgelegenheit konfrontiert zu werden, dürfte nachvollziehbar sein.

Vor diesem Hintergrund sind in dem Massivholzbau mit Wärmedämmung und Kupferfassadenverkleidung 22 neue Betten in in drei und vierer Zimmerlagern mit WC und Waschbecken zu den im Bestandsbau vorhandenen 25 Betten hinzugekommen. Die Sanitäranlagen wurden von Grund auf erneuert, die Heizung auf Pellets umgestellt. Die Gasträume wurden um ein Salettl und ein Stüberl mit Panoramablick erweitert und neu gestaltet.  Lagerräume gab es dazu, eine neue Küche mit dazugehöriger Infrastruktur wurde eingerichtet. Umfangreiche Brandschutzauflagen und Hygienevorschriften waren zu erfüllen. Das Erscheinungsbild wird geprägt von der grünen Alpenvereinsfarbe und dem Edelweiß als Logo, Fotos aus der umgebenden Bergwelt schmücken die Wände.

Es war keine normale Baustelle wie im Tal sondern eine Herausforderung für alle Beteiligten. Man konnte nicht wie im Tal mit einem Fahrzeug zur Baustelle fahren, perfekte Logistik war erforderlich.

Dazu kam die Abhängigkeit vom Wetter, geht die Bahn, kann geflogen werden?

So wurden 453 Materialtransporte von Sonnbach aus geflogen. Als Beispiel: Im Tal fährt der Betonmischer zur Baustelle, der cbm Beton kostet unter 100 Euro, am Berg kommen 3 Flüge mit ca. 600 Euro dazu – 1cbm Beton an der Baustelle rd. 700 Euro.- rd. 100.000 Euro nur Flugkosten.

Da weiß man wo das Geld hingekommen ist.

Das Werk ist vollbracht. Nun steht sie da die neu gestaltete Hochrieshütte, nach einjähriger Bauzeit (Baubeginn war der 25. Juni 2015) gilt es Dank zu sagen all jenen die an diesem Bauwerk beteiligt waren.

An erster Stelle, den14 Handwerksbetrieben aus der Region mit den Männern vom Bau mit statistisch 21453 Arbeitsstunden den  Planern und sich ehrenamtlich engagierenden,

  • dem Bodenverband Moserbodenstraße,
  • Peter Wiesholzer als Grundstückseigentümer fürs Parken an der MS
  • der Hochriesbahn und ihren Mitarbeitern

für Personenbeförderung und Materialtransport

Danke den Gemeinden Frasdorf, Frau Bürgermeisterin Steindlmüller  und Samerberg Herrn Bürgermeister Huber jeweils mit ihren Gemeinderäten dem Landratsamt Rosenheim als Genehmigungsbehörden,

den Grundstücksnachbarn:

  • Baron Cramer Klett,
  • Frau Schnitzenbaumer-Dieterich,
  • Bayerischen Staatsforst

für ihre nachbarrechtliche Zustimmung

Ein besonderer Dank den Wirtsleuten, deren Personal und den Besuchern während der Bauphase  – es war nicht immer leicht Hüttenbetrieb und Bauablauf unter einen Hut zu bringen.

Es ist nichts passiert – Gott sei Dank, es alles gut gegangen.

Lassen sie mich zum Schluss kommen mit den Worten unseres Ende des 19. Jahrhunderts

  1. Vorsitzenden Dr. Julius Mayr

Erhebet das Glas und trinkt auf das Blühen und Gedeihen der Alpenvereins Sektion Rosenheim und seiner Hochrieshütte.

Ich danke ihnen.

Fotos: Rainer Nitzsche – weiterer Bericht folgt

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg