ZDF wählt Bürgerbus Chiemsee als ehrenamtliches Vorzeigeprojekt aus

Der Bürgerbus Chiemsee ist europaweit berühmt. Schon vor zehn Jahren war der Bürgerbus Chiemsee bei „Unser Land“ im Bayerischen Fernsehen. Später drehte die Universität Chur aus der Schweiz einen Film über dieses vorbildliche Projekt am Chiemsee. Nun berichtet das ZDF am 20.11. davon.

Den Bürgerbussen in Oberbiberg und Zell am See haben die Akteure des Bürgerbusses Chiemsee durch Beratung Starthilfe gegeben. Im Herbst 2016 holte sich die Salzburger Agenda 21 in einem Filminterview Rat für ihr eigenes Projekt. Nicht zu vergessen ist die Passage über den Bürgerbus Chiemsee im Buch „Das Ende der EGO-Gesellschaft“ und die Ehrung durch Minister Ramsauer auf der Grünen Woche in Berlin. Nun wird das ZDF am 20.11.2016 um 18 Uhr eine Reportage über das Ehrenamt in Deutschland bringen, in der FahrerInnen des Bürgerbusses Chiemsee zu Wort kommen und aus ihrem Leben berichten. Das ZDF hat den Bürgerbus Chiemsee dafür aus zahlreichen ehrenamtlichen Projekten deutschlandweit ausgewählt.

Gute Gründe für den Bürgerbus Chiemsee
Im Gebiet nordöstlich des Chiemsees zwischen Amerang, Obing und Prien – dem Grenzgebiet zwischen den beiden Landkreisen Rosenheim und Traunstein – fehlen aus Kostengründen reguläre, landkreisüberschreitende Busverbindungen, obwohl ein erheblicher Bedarf dafür besteht. Wer zum Beispiel zur Chiemgau-Therme nach Bad Endorf fahren will, einen Einkauf oder Arztbesuch in Prien plant, einen Ausflug auf die Chiemsee-Inseln genießen will oder einen Anschluss zu den Zügen in Prien und Bad Endorf benötigt, ist deshalb mit dem Bürgerbus Chiemsee gut bedient, der viermal am Tag seine gesamte Tour fährt und 8 Fahrgastplätze aufweist.
Der Bürgerbus Chiemsee bringt für 10 Gemeinden in den Landkreisen Rosenheim (Prien, Amerang, Eggstätt, Bad Endorf, Rimsting, Gstadt, Breitbrunn) und Traunstein (Pittenhart, Obing, Seeon-Seebruck) eine erhebliche Verbesserung der ÖPNV-Situation. Seit Beginn des Projekts im Jahr 2003 nutzen jährlich ca. 5.500 Personen dieses Angebot und fahren damit ca. 65.000 km pro Jahr.

Wie der Bürgerbus Chiemsee funktioniert
Dieses Bürgerprojekt ist die einzige öffentliche Linie (Nr. 9480) in ganz Südbayern, die ausschließlich mit ehrenamtlichen FahrerInnen betrieben wird – und dies seit 13 Jahren mit vollem Erfolg. Das Herzstück des Bürgerbusses Chiemsee sind also die ca. 35 ehrenamtlichen Akteure. Jedoch für einen reibungslosen Ablauf, die Organisation im Hintergrund und die Bereitstellung der nötigen Gelder und Fahrzeuge sorgen seit Beginn des Projekts die drei öffentlichen Stellen RoVG (Rosenheimer Verkehrsgesellschaft), RVO (Regionalverkehr Oberbayern) und der AZV (Abwasser- und Umweltverband Chiemsee, ein Zusammenschluss der 10 Chiemsee-Gemeinden). Wenn Sie auch einer der ehrenamtlichen FahrerInnen werden möchten, freut sich das Bürgerbusteam auf Sie. Rufen Sie einfach Hans Zagler vom RoVG unter Tel. 08031-35 49 511 an.

Aus dem Alltag einer Bürgerbusfahrerin
„Morgens gehe ich spätestens um 8 Uhr aus dem Haus und fahre mit dem Auto nach Amerang zum Startplatz des Bürgerbusses“, erzählt Hildegard Strell aus Obing, die seit 2003 Bürgerbusfahrerin ist und bereits über 200 Fahreinsätze vorzuweisen hat. „Vor der Fahrt prüfe ich die Reifen und schaue auch im Inneren des Busses nach dem Rechten.“ Nachdem sie den Kilometerstand und die Uhrzeit ins Fahrtenbuch eingetragen hat, geht die Fahrt um 8.25 Uhr Richtung Bad Endorf und Prien los. Eine Vormittagsschicht dauert viereinhalb Stunden, mit einer Pause von etwa 45 Minuten. Auf die Frage, was die 68-Jährige an diesem Ehrenamt hält, berichtet Frau Strell begeistert: „Erstens, weil ich gerne unter Menschen bin, sehr gerne Auto fahre und die schöne Gegend dabei sehe. Zweitens, weil ich mich sozial engagieren möchte und mir das Lob, das von den Fahrgästen kommt, gut tut.“ Dabei stört es sie nicht, dass sie wie jeder Bürgerbusfahrer die Fahrgasterlaubnis zur Personenbeförderung alle fünf Jahre erneuern muss.

Doppelter Gewinn als Busfahrer und Fahrgast
„Das Schöne daran, dass man ehrenamtlich fährt, ist, dass man es freiwillig macht“, stellt der Bürgerbusfahrer Tilo Teply aus Amerang fest. Er ist ebenfalls seit März 2003 dabei und nimmt sich bis heute gerne Zeit dafür, weil er dadurch „jede Menge schöner Begegnungen mit interessanten Menschen hat“, so der 45-Jährige. Auch als Fahrgäste haben Tilo Teply und seine Familie den Bürgerbus Chiemsee schätzen gelernt. Mit dem öffentlichen Kleinbus sind er und seine vier Kinder mobil, auch wenn kein Auto zur Verfügung steht. „Schon als kleine Kinder konnten sie zu ihrer Omi, die in Bad Endorf zur Kur war, alleine fahren, da der Bürgerbus auch Kindersitze hat“, berichtet der Familienvater.

Die Ehrenamtlichen, die im Hintergrund wirken
Rolf Mitzkeit, Diplom-Bauingenieur, war beruflich lange Zeit bei der Berliner Bauverwaltung tätig. Schon in den 90er Jahren war er in der Agenda 21 in Berlin ehrenamtlich aktiv als Umweltbeauftragter eines Berliner Segelvereins. „Als ich im Jahr 2001 an den Chiemsee zog“, erzählt der 80-jährige Pensionär aus Prien, „wurde ich gleich Mitglied im Arbeitskreis „Verkehr“ der Chiemseeagenda, da mich dieses Thema besonders interessiert. In diesem Kreis entstand die Idee des Bürgerbusses Chiemsee, der 2003 ins Leben gerufen wurde. Da ich schon damals fit am Computer war, übernahm ich von Anfang an das Erstellen der Dienstpläne für die BusfahrerInnen sowie deren Versand“. Dieses Ehrenamt übt er bis heute engagiert aus. Und nicht nur das. Herr Mitzkeit kümmert sich um den Raum und die Getränke für die FahrerInnen-Sitzungen, die vierteljährlich im LKZ Prien stattfinden. Die Protokolle dazu schreibt die Ehrenamtliche Gudrun Steinack. „Gerne dokumentiere ich auch die Veranstaltungen fotografisch“, fügt Herr Mitzkeit hinzu, „und leite die Bilder an Claus Linke weiter, der die Webseite www.buergerbus-chiemsee.de und www.chiemseeagenda.de von Beginn an in professioneller Qualität ehrenamtlich konzipiert und pflegt.“ Herr Linke, der 77-jährige Diplom-Ingenieur und Ruheständler aus Prien, erstellt auch mit Liebe zum Detail die Faltblätter, Broschüren und Plakate für den Bürgerbus Chiemsee, so zum Beispiel die Broschüre „Wanderungen im nördlichen Chiemgau, mit Anschluss an den Bürgerbus Chiemsee“. Den Text dieses Werks, das zur Broschürenreihe der Chiemseeagenda „Natur.Erlebnis.Chiemsee“ zählt, verfasste zum größten Teil Gerhard Märkl, ein Rentner aus Rottau, ebenfalls ehrenamtlich … und damit alles sauber bleibt, reinigt Jakob Kaindl, ein Rentner aus Amerang, nach Bedarf innen und außen gründlich den Bürgerbus.

Autorin: Alexandra Nawroth, Umweltbeauftragte des Abwasser- und Umweltverbands Chiemsee

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg