Wildenwarter gedenken der Kriegsopfer

„Das Kriegerdenkmal ist der Versuch der Allgemeinheit, den trauernden Angehörigen mit einem leeren Grab und einem Gedenkstein einen Ort der Trauer und des Gedenkens zu geben, an dem sie ihre ganz persönliche Trauer, ihre Gefühle und ihr Gedenken pflegen können. Abschied nehmen zu können, einen Ort der Erinnerung zu haben – dies sind tiefe menschliche Grundbedürfnisse. Trauer ist etwas ganz persönliches und setzt eine persönliche Bindung voraus“, so der Vorstand des Veteranen- und Kriegervereins Wildenwart Heinrich Rehberg bei der Ansprache zum Volkstrauertag an der Wildenwarter Kriegergedächtniskapelle. „Daher trauern wir hier und heute um die Gefallenen, Vermissten und Verstorbenen von Wildenwart, sie sind uns vertraut, ihre Namen sind auch heute noch im Dorf präsent. Sie waren Söhne, Brüder, Ehemänner und Väter, die auch 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch Lücken im Dorf und in der Familie hinterlassen haben. Viele der Namen, die hier auf den Tafeln zu beiden Kriegen in Prutdorf stehen, sind uns allen auch heute noch vertraut, Söhne, Neffen und Enkel tragen die Namen der Gefallenen und Vermissten auch noch in der zweiten und dritten Generation. In den großen Städten hat man derzeit nur wenig Verständnis für alles, was mit Soldaten, mit Krieg oder mit Erinnerungsstätten und Gräbern zu tun hat, die Begriffe Trauer und Betroffenheit werden geradezu inflationär verwendet. Alles wird miteinander vermischt und gerade im Bereich der Erinnerungskultur wird eifrig dem Zeitgeist und einer allgemeinen undefinierten Friedenssehnsucht gehuldigt
Das Dorf aber hat ein langes Gedächtnis, deshalb kann keiner sagen: Es ist genug, es wird nicht mehr getrauert, es wird kein Gedenken mehr abgehalten. Eine Kulturnation ehrt die Gefallenen des Gegners, wie die eigenen. An allen Gedenktagen erinnern wir über unsere eigenen Toten hinaus auch an die Opfer anderer Völker und die der einstigen Kriegsgegner, über die Gräber hinweg sind alle gleich. Wir erinnern an sie – aber wir trauern nicht um sie, denn Trauer erfordert die persönliche Bindung“.
„Wir gedenken der Opfer aller Kriege“ so der dritte Bürgermeister aus Prien Alfred Schelhas. Er erinnerte am Wildenwarter Kriegerdenkmal an die ungezählten Opfer der Kriege des letzten Jahrhunderts und an die aktuellen Konflikte, die anscheinend alle weit von unserer Heimat entfernt sind. „Fast 70 Jahre gab es für Deutschland keinen direkten Krieg, sogar der Krieg in Afghanistan mit seinen Schrecken war weit von uns entfernt. Aber der Krieg hat uns eingeholt, Krieg ist allgegenwärtig und auch nach Europa zurückgekommen: die Mordtaten von Paris sind uns allen im Gedächtnis.“
Beim Gedenkgottesdienst in der Wildenwarter Christkönigskirche und beim Libera an der Kriegergedächtniskapelle gedachte Pfarrer Walter Kronast der Toten aller Kriege im Gebet. Zum Abschluss der Feierstunde am Kriegerdenkmal legten Bürgermeister Alfred Schelhas und Veteranenvorstand Heinrich Rehberg Kränze für die Opfer der Kriege und Gewalt, von Flucht und Vertreibung nieder. Die Gedenkveranstaltung, umrahmt von der Blaskapelle Wildenwart unter der Leitung von Sebastian Graf, endete mit dem Kanonensalut und dem Lied vom Guten Kameraden.

Bericht und Fotos: Rehberg

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg