Wildenwarter Feuerwehr feiert ab 27. Mai

Gemeinsam mit dem Schützenverein Wildenwart feiert die örtliche Feuerwehr ab 27. Mai im Festzelt ihren 140. Geburtstag. Höhepunkt der FFW-Festlichkeiten ist der Festsonntag, 29. Mai – ein Blick in die Geschichte. Die Freiwillige Feuerwehr von Wildenwart wurde 1876 gegründet. Bei der Fahnenweihe und 50 Jahrfeier am 2.Mai 1926 erklärte Kommandant Florian Bauer, dass die Gründung auf die Initiative des Erzherzoges Franz V. von Modena-Este zurückgehe. 1862 erwarb der Erzherzog Schloß Wildenwart, ließ es in den folgenden Jahren durchgreifend restaurieren und erbaute die Exzellenzhäuser. Es ist nur verständlich, dass er zum Schutze der Bauten vor den häufigen Schadensfeuern der damaligen Zeit die Bildung einer Feuerwehr in der Gemeinde anregte. Wenn man die Zeiten und Wege für die Alarmierung der Wehren in den Nachbarorten rechnet, ohne die Hilfe von Telefon oder Sirene, die örtliche Alarmierung der Löschmannschaften und die langen Anmarschwege, so kann auf eine eigene Feuerwehrorganisation im Ort nicht mehr verzichtet werden.

1904 gibt es in Wildenwart plötzlich zwei Feuerwehren, der kgl. bayer. Kreisfeuerwehrvertreter Josef Haggemüller erklärt, dass „die Bildung einer zweiten selbständigen Feuerwehr in der Gemeinde Wildenwart ein dringendes Bedürfnis zur Erhaltung des Friedens in der genannten Gemeinde geworden ist, der auch höchst wünschenswert für Verbesserung des Feuerschutzes für die Gemeinde und Umgebung sich erweist“. So gibt es seit 1904 auf dem Gebiet der Gemeinde Wildenwart zwei selbständige Feuerwehren nebeneinander

1907 wird von den Bürgern und Steuerzahlern der Bau eines Feuerwehrrequisitenhauses beschlossen. Den notwendigen Grund stellt der Schmiedmeister Peter Anner von Wildenwart für 30 Mark zur Verfügung. Für insgesamt 965 Mark wird das Gebäude gebaut. 1911 beschließt der Verein eine neue Feuerspritze zu beschaffen. Die neue Löschmaschine stellt einen erheblichen Fortschritt gegenüber dem alten Modell dar: sie saugt das Wasser selbständig an.

Bei der Generalversammlung 1925 beantragt Vorstand Josef Bohrer anläßlich des 50 jährigen Jubiläums eine Fahne für den Verein zu beschaffen. Am 2.Mai 1926 ist der große Tag der Fahnenweihe: Pfarrer Georg Rupp aus Prien nimmt die Weihe der Fahne beim Festgottesdienst vor. Fahnenbraut Maria Hefter übergibt dem Fähnrich die neue Fahne und befestigt ihr Erinnerungsband daran, ebenso Fahnenmutter Zenzi Prankl.

Nach dem Feuerwehrgesetz von 1936 werden die bisherigen Ortfeuerwehren zu Gemeindefeuerwehren zusammengefaßt. Damit ist die FFW Atzing der Gemeindefeuerwehr Wildenwart wieder unterstellt. 1943 wird die erste Motorspritze angeschafft, sie löst die handbetriebene Spritze von 1911 ab. Nach dem Krieg beginnt der Wiederaufbau der Wildenwarter Feuerwehr nur langsam.

1956 erhält die Feuerwehr eine neue Metz-Motorspritze; bei einer Übung wird sie dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit vorgestellt. Der Erwerb dieser neuen Spritze erhöht die Schlagkraft der Wildenwarter Wehr erheblich.

1965 erfüllen erstmals zwei Gruppen die Bedingungen für das Leistungsabzeichens. Aus eigenen Mitteln kauft der Verein 1966 das erste Feuerwehrauto in der Gemeinde. Ein gebrauchtes Löschgruppenfahrzeug verrichtet in den nächsten sieben Jahren Dienst in der Wildenwarter Wehr.

Ein Ford Transit löst 1974den betagten Mercedes LKW ab. Er ermöglicht es der Wildenwarter Wehr schnell alle Einsatzorte zu erreichen und bietet Platz für sechs sowie die gesamte zum Einsatz notwendige Ausrüstung. 1975 wird beschlossen, das 100 jährige Gründungsjubiläum im kleinen Kreis zu feiern. Mit der Feier soll die Weihe einer neuen Fahne verbunden werden. Als Patenverein wird der Nachbarsverein Atzing ausgewählt. Pfarrer Johann Zeilhofer nimmt 23. Mai 1976 die Weihe der Fahne in der Christkönigskirche vor. Fahnenbraut Marianne Huber, Fahnenmutter Annemarie Stiebler, Trauermutter Maria Loferer und die Festdirndl Christa Pertl, Rosi Bohrer, Susi Höhensteiger und Irmgard Voggenauer überreichen ihre Bänder an die neue Fahne. Großes Interesse erregt die alte Spritze, die im Festzug mitgeführt wird, kaum glaublich, dass sie bis vor 33 Jahren das einzige Mittel der Wildenwarter Feuerwehr zur Bekämpfung aller Brände war.

Bei der Gebietsreform 1978 wird die alte Gemeinde Wildenwart in der Mitte geteilt; der südliche Teil mit Wildenwart fällt an Frasdorf, der Nordteil geht nach Prien. Die Gebiete decken sich fast völlig mit den Einzugsgebieten der beiden örtlichen Feuerwehren. Am 10.November 1985 wird erstmals mit den Kameraden der FFW Atzing der Feuerwehrjahrtag begangen. Die neue Pumpe TS 8/8, Fabrikat „Rosenbauer“ für die FFW Wildenwart wird am 2.Februar 1991 geliefert. Die Kosten betragen 16400 Mark. Am 8.Mai 1994 wird die Kirche Sankt Florian festlich wiedereingeweiht. Die FFW Wildenwart leistete unentgeltlich viele Arbeitsstunden beim Ausbau und der Renovierung, damit dieses Kleinod in der Gemeinde wieder in neuem Glanz erstrahlen kann.

Das Jahr 1996 ist vollkommen mit dem Bau des neuen Feuerwehrhauses und den Bemühungen ein neues Feuerwehrfahrzeug zu bekommen ausgefüllt. Am 22. Juni 1997 weiht Pfarrer Max Steinmeier das Feuerwehrhaus feierlich ein. „Die Baustelle des neuen Gerätehauses wurde für viele Feuerwehrler in den letzten 15 Monaten zur zweiten Heimat, aber was lange währt, wird endlich gut“, spielt Bürgermeister Benno Voggenauer in seiner Rede auf die achtjährige Planungs- und Bauzeit an. Im Beisein zahlreicher Ehrengäste übergab er die Schlüssel des neuen Gerätehauses an den ersten Kommandanten von Wildenwart Stefan Kronast. Die gesamte Dorfgemeinschaft habe sich um den Bau verdient gemacht, ohne die Arbeit der einzelnen Vereinsmitglieder sei ein solcher Bau undenkbar. 706000 Mark habe die Gemeinde bisher für die Baumaßnahmen aufgewendet, aber jeder könne es sehen, es hat sich gelohnt. Besonders bedankt er sich bei Herzog Max in Bayern für die unentgeltliche Überlassung des Bauplatzes an die Gemeinde. Vorstand Ewald Reich dankt allen Mitgliedern für fast 3000 Stunden ehrenamtliche Arbeit auf der Baustelle. Die Bürger von Wildenwart hätten für den Bau ihres Feuerwehrhauses spontan 43000 Mark und 65 Kubikmeter Bauholz gestiftet.

1999 beschafft die Gemeinde Frasdorf ein neues Löschfahrzeug LF 8/6 der Firma Iveco, die Kosten betragen rund 268.000 Mark, 36 Prozent davon übernahm der Staat. 2004 kauft die Feuerwehr einen Anhänger für den Materialtransport, 2010 wird eine zusätzliche Garage dafür angebaut. Ein neues Einsatzleitfahrzeug Wildenwart 11/1 verstärkt seit 2011 die drei Feuerwehren im Gemeindebereich Frasdorf, es ist in Wildenwart stationiert.

Viel hat sich in den vergangenen 140 Jahren bei der Feuerwehr getan, die verantwortlichen Gemeinden stellten den Feuerwehrleuten im Rahmen ihrer Möglichkeiten stets geeignete Fahrzeuge und das beste Material für ihren Einsatz zur Verfügung. 41 Feuerwehrleute und 13 Anwärter sind in Wildenwart derzeit aktiv im Brandschutz für die Gemeinde und die Gemeinschaft tätig. Der gesamte Feuerwehrverein umfasst 286 Mitglieder, darunter über 40 Frauen getreu dem Wahlspruch:

Einer für alle – alle für einen.

Bericht: Heinrich Rehberg – Foto: Hötzelsperger – Feuerwehrfest in Wildenwart vor 15 Jahren

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg