Weihnachtsüberraschung für Josef Aiblinger aus Frasdorf nach Kriegs-Heimkehr

Eine ganz besondere Weihnachtsüberraschung erhielt Josef Aiblinger aus Frasdorf vor zehn Jahren: zum ersten Mal nach über 60 Jahren hielt er sein Soldbuch in der Hand, das ihm am 16.Januar 1945 in den Ardennen von amerikanischen Soldaten abgenommen worden war.

Michel Guidi, ein französischer Feuerwehroffizier aus Cagnes sur Mer in Südfrankreich übergab Aiblinger bei einem Festakt in Passau die alte abgeschabte braune Lederbrieftasche mit dem Soldbuch, dem Militärführerschein und einem Ausweis für ein Postsparbuch. Auch eine Kinokarte des Apollo-Theaters in Prag und ein paar private Bilder haben die letzten 60 Jahre darin unbeschadet überstanden. Eines dieser Bilder, das Aiblinger in der Uniform der gepanzerten Truppen zeigt, hängt mit der Widmung „Meiner lieben Mutter“ auch seit über 60 Jahren in der Wohnstube.
Immer wieder betrachtet Josef Aiblinger sein Soldbuch, liest die Eintragungen nach, im Ausweis ist das Bild eines jungen Soldaten mit knapp 19 Jahren in Wehrmachtsuniform. Mit den Papieren, den Bildern und der Brieftasche kommt die Erinnerung an die Tage im Januar 1945 wieder hoch. Als Fahrer eines Jagdpanzers „Hetzer“ war der junge Gefreite mit seiner Kompanie bei der Ardennenoffensive seit Weihnachten 1944 im Einsatz. Auf der vereisten Vormarschstraße geriet der Panzer in den Straßengraben und konnte mit eigenen Mitteln nicht wieder flott gemacht werden. Ein paar Tage blieb die Besatzung bei ihrem Geschütz und wartete auf die versprochene Bergung, doch dann fluteten schon die deutschen Truppen nach dem Scheitern der Offensive zurück, am Schadpanzer vorbei. Ohne einen Schuss abgegeben zu haben, wurde das Fahrzeug schließlich gesprengt; doch die Besatzung hatte zu lange gewartet und den Anschluss an die eigene Truppe verloren. So ergaben sie sich den vorrückenden Amerikanern. Bei einer ersten Filzung nahm einer der amerikanischen Soldaten Josef Aiblinger die Brieftasche und das Soldbuch ab, achtlos flog beides nach einer kurzen Durchsicht in den Schnee. Josef Aiblinger kam als Kriegsgefangener wegen einer Verwundung zuerst ins Lazarett nach Paris und danach nach Nordfrankreich zum Minenräumen in die Normandie. 18 Lager im Raum Cherbourg durchlief er, bis er am 20.Oktober 1948 wieder nach Frasdorf in die Heimat zurückkehren durfte.
Die Brieftasche tauchte ein paar Wochen im März 1945 tausend Kilometer entfernt von den Ardennen in Südfrankreich auf, bis heute weiß niemand, wer sie im Raum Bastogne aufgehoben und mitgenommen hat. In den Ardennen kämpften ganz andere amerikanische Verbände, wie im Raum Südfrankreich. Prospere Guidi, damals Dolmetscher für die amerikanischen Einheiten im Raum Authion-Massiv, fand die Brieftasche und nahm sie mit nach Hause. Mehr als 30 Jahre später versuchte sein Sohn Michel 1977 den Eigentümer über das deutsche Konsulat in Marseille ausfindig zu machen, allerdings vergeblich, das Konsulat konnte Josef Aiblinger nicht finden. „Dann habe ich die Dokumente im Zuge eines Umzuges verlegt“, erzählte Colonel Michel Guidi in Passau, „viel später fand ich sie unter allerlei Papieren wieder“. Da die Stadt Cagnes sur Mer eine Städtepartnerschaft mit der bayerischen Stadt Passau pflegt, wandte er sich für weitere Nachforschungen an das Komitee der Städtepartnerschaft. Dann ging alles ganz schnell: im Soldbuch war der Name Aiblinger aus Frasdorf angegeben und so hatte Heinz Bauer von der Stadtverwaltung Passau bereits mit dem zweiten Anruf mit Josef Aiblinger aus Frasdorf den Eigentümer des Soldbuches und der Brieftasche am Apparat. Ein bisschen seltsam war ihm schon zu Mute, so Aiblinger, als er zum ersten Mal nach über 60 Jahren sein Eigentum in Händen hielt, das Soldbuch, den Führerschein, die Bilder und auch die Kinokarte aus Prag. Längst verschüttete Erinnerungen wurden plötzlich wieder in ihm wach, die Situation bei der Gefangennahme in den Wäldern bei Bastogne und die Erinnerung an die Kameraden von damals wurde plötzlich wieder gegenwärtig.
Bei einer großen Feier in Passau gab Michel Guidi die weitgereiste Brieftasche mit ihrem Inhalt an Josef Aiblinger zurück, die französischen Zeitungen in Cagnes sur Mer berichteten ausführlich über diesen weiteren Schritt zur Vertiefung der Städtepartnerschaft mit Passau.

Bilder und Bericht: Heinrich Rehberg

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg