Weihnachtsfreuden auf Frauenchiemsee

Weihnachten ist für die Gemeinschaft der Benediktinerinnen-Schwestern auf der Fraueninsel heuer schon ein paar Wochen früher gekommen. Eine Woche vor Beginn des Christkindlmarktes wurde für Äbtissin Johanna Mayer OSB ein langjähriger Wunsch erfüllt: nach drei Jahren der Planung und des Bauens und dank vieler Spender konnte die Chorkapelle ihr bisher eher dunkles Dasein verlassen und in eine neue und helle Zukunft wandeln. Die Segnung des Bauwerkes, das mit viel handwerklicher und klösterlicher Kunst geschaffen wurde, nahm Weihbischof Wolfgang Bischof vor.

Die Fraueninsel im Chiemsee gilt als das geistige Herz des Chiemgaus. Auf der Insel überragt der Turm des Klosters, der sogenannte Campanile, das Fischerdorf und innerhalb des Klosters gilt für die Gemeinschaft der Benedektinerinnen-Abtei Frauenwörth im Chiemsee die Chorkapelle als deren Herzstück. Die Kapelle ist Mittelpunkt des benediktinischen Lebensvollzugs und mehrmaliger Treffpunkt von der Früh bis zum Abend zum Gebet und für die Feier der Heiligen Messe für die Schwestern sowie für Gäste des Klosters. Mit viel Engagement hat sich die Schwesterngemeinschaft unter der Leitung ihrer Äbtissin Johanna Mayer OSB darum bemüht, die Chorkapelle zu renovieren. Lange Zeit wurde dieser Wunsch der Schwestern hintangestellt, weil es im Kloster in den letzten Jahrzehnten immer wieder dringendere Aufgaben gegeben hat. Insbesondere die Umgestaltung der vielen Räume zu zeitgemäßen Seminarbedingungen und die bauliche Instandsetzung des großen und sanierungsbedürftigen Gebäudekomplexes mit enormen Kosten waren in den letzten Jahren zu schultern. Doch vor drei Jahren wagten die Schwestern mit Architekt Helmut Birner aus Unterwössen einen Anlauf, um die bislang recht dunkle Chorkapelle zu erhellen. 50 Jahre lag die letzte Renovierung zurück, so dass sich eine Menge an Mängel, Wünschen, Plänen und erforderlichen Arbeiten angesammelt hatten. Der sanierungsbedürftige Raum einschließlich Fußbodenheizung, Elektrik und Belüftung musste komplett erneuert werden. Dazu kam auch die Überlegung, die Chorkapelle mit einer Orgel auszustatten. Diese wurde dem gesamten Raum mit viel Licht und Holz stilistisch angepasst. Mit ihren 10 Registern ist sie laut dem Orgelbaumeister Johann Pieringer aus der Stadt Haag in Österreich prädestiniert für die gregorianischen Chorgesänge. Die künstlerische Ausgestaltung der Chorkapelle lag in den Händen von Bruder Thomas Hessler OSB vom Europakloster Gut Aich in St. Gilgen am Wolfgangsee. Das theologische Konzept des Raumes basiert auf dem Prolog zum Johannesevangelium und auf dem Vers aus der Benediktsregel: „Stehen wir so beim Psalmensingen, dass Herz und stimme in Einklang sind“ (RB19,7 ). Seinen Ausdruck findet dieser Einklang in der Form des Kreises, der bei den einzelnen Ausstattungsgegenständen der Kapelle auftaucht.

Die künstlerischen Arbeiten in den verschiedenen Materialformen übernahmen die Kunstwerkstätten des Benediktiner-Klosters Gut Aich, das Zisterzienser-Kloster Schlierbach in Oberösterreich (Glasobjekte) und der für die Kunstwerkstätten des Klosters Gut Aich tätige Kunstschmied Rudolf Klingel vom Ammersee. Die hellen und feinen Holzarbeiten für das Chorgestühl und für die weitere räumliche Ausgestaltung übernahm die Schreinerei Kurfer aus Unterwössen. Bei der feierlichen Weihe des neuen „ZUHAUSE“ für die Benediktinerinnen auf Frauenchiemsee bedankte sich Äbtissin Johann Mayer OSB für die gelungene Stätte, um das Wort Gottes zu hören. Ihr besonderer Dank galt Architekt Helmut Birner für dessen Sorgfalt bei den vielen Abstimmungen in Planung und Ausführung.

Ein besonderer Bestandteil des Raumes ist die Tabernakelwand aus Bronze mit dem Christuscorpus im goldenen Kreis und die Darstellung des brennenden Dornbusches als Ausdruck des Daseins und der Nähe Gottes. Eine von der Chiemgaukünsterlin Christine Stadler geschaffene Skulptur, eine Schutzmantelmadonna, hat einen zentralen Platz auf der gegenüberliegenden Seite der  Tabernakelwand gefunden.

Weihbischof Wolfgang Bischof, der zu den Feierlichkeiten der Orgel-  und Altarweihe auf die Fraueninsel gekommen war, sprach von einer großen Freude, von einem wunderbaren Raum und überbrachte auch die Grüße von Erzbischof Reinhard Marx. Der Weihbischof erinnerte daran, dass die Selige Irmingard als Patronin der Menschen in diesem Raum, auf der Insel und in der gesamten Chiemgau-Region eine besondere Bedeutung hat. Wir Menschen neigen dazu, das Leben in Kategorien wie „quadratisch, praktisch, gut“ zu pressen, damit wird es für uns messbar und leichter fassbar. Im Raum des Glaubens geht diese Formel nicht auf. Glaube bleibt immer Geheimnis, schwer händelbar und kaum fassbar, wie der wiederkehrende Kreis in den Kunstobjekten. Menschen  haben vergeblich versucht, die Quadratur des Kreises oder Gott in mathematische Formeln zu bringen. „Als Glaubende gehen wir den Weg des Kreises und versuchen, den Sinn des Kreuzes zu verstehen“ – so der Weihbischof weiter.

Besonders eindrucksvoll sind die Fenster des Lichtkünstlers Thomas Stummer (nach dem Entwurf von Br. Thomas) aus der Glasmanifaktur des Stiftes Schlierbach; für deren Finanzierung konnten sich großherzige Spender finden und auch das Erzbischöfliche Ordinariat unterstützte die Baumaßnahme nach besten Kräften. Bei der feierlichen Einweihung wurden von Weihbischof Wolfgang Bischof die Orgel, das Chorgestühl, der Altar, der Tabernakel, das Ambo und die Mariensäule gesondert geweiht und gesegnet. Die Finanzierung der neuen Chorkapelle ist nach Aussagen der Äbtissin noch nicht abgeschlossen; für die Restfinanzierung sind Spenden sehr  erwünscht. Des weiteren ist vorgesehen, den Raumanteil für die Gäste des Klosters der neuen Chorkapelle noch baulich anzupassen. Auch hierfür sind noch finanzielle Mittel erforderlich, so dass diese Baumaßnahme vorerst noch zurückgestellt wurde.

Derzeit 20 Kloster-Frauen und wieder mehr Nachwuchs

Zum aktuellen Klosterleben berichtet Mutter Johanna Mayer OSB: „Wir sind 20 Frauen mit ewiger Profess. Das Jahr 2015 war ein gutes Jahr bezüglich Nachwuchs: im Januar haben wir eine Frau eingekleidet (Sr. Seraphina), im September ist eine Postulantin eingetreten und am 4. 10 haben wir die Ewige Profess von Sr. Franziska gefeiert und Sr. Gertrud ist im 3. Jahr ihrer zeitlichen Profess. Die Schwestern sind in der Seelsorge (Kirche, Gästehaus, geistliche Begleitung und Kurse, Kirchenführungen), im Seminarhaus, im Klostergarten und in Haus und Garten tätig. Das Gotteslob (wir versammeln uns vier Mal am Tag in der Chorkapelle und feiern dort auch Eucharistie) und die Fürbitte in allen Nöten der Welt ist Dreh- und Angelpunkt benediktinischen Lebens. Dazu kommt die Arbeit, mit der wir unseren Lebensunterhalt zu verdienen versuchen. Wir bilden eine Lebens- Arbeits- und Gebetsgemeinschaft. Anders ausgedrückt: wir üben eine Kultur der Unterbrechung (Gebet vier Mal am Tag – in einer Zeit der Hektik und des Leistungsdruckes), eine Kultur der Einfachheit und des Maßes, eine Kultur des Lebens in Gemeinschaft und des Teilens, eine Kultur der Achtsamkeit für die Schöpfung und zum Schutz des Lebens“.

Aktiver Förderverein

Die Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth im Chiemsee wird seit vielen Jahren nach einer gemeinsamen Initiative des vormaligen Priener Bürgermeisters Lorenz Kollmannsberger, des ehemaligen Münchner Messe-Chefs Gerd vom Hövel und des früheren Landtagspräsidenten sowie Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken Alois Glück tatkräftig und finanziell unterstützt. Der Mitgliedsbeitrag der derzeit ca. 950 Mitglieder und Veranstaltungserlöse kommen unmittelbar dem Klosterleben zugute. Die derzeitige Vorsitzende des Förderkreises, die langjährige Landesbäuerin und Landtagsabgeordnete Annemarie Biechl schreibt in einer kleinen Broschüre: „Es gibt für mich keinen vergleichbaren Ort, der sich in der Kombination von geistig spiritueller Kraftquelle, moderner Erwachsenenbildung und reizvoller, idyllischer Landschaft mit Frauenwörth im Chiemsee messen kann! Wenn auch Sie einen Beitrag zur Finanzierung zum Fortbestand des Klosters Frauenwörth leisten möchten, treten Sie dem Verein der Freunde der Benediktinerinnen-Abtei Frauenwörth im Chiemsee e.V. bei. Der Mitgliedsbeitrag beträgt derzeit 25 Euro im Jahr“. Auskünfte zum Förderverein gibt es bei Sr. Hanna Fahle OSB, Telefon 08054-9070, per email mit  freundeskreis@frauenwoerth.de oder im Internet unter www.frauenwoerth.de.

Anton Hötzelsperger

Nähere Informationen zum Kloster Frauenchiemsee und auch zum jüngst abgeschlossenen Projekt der Chorkapelle sind zu finden auf www.frauenwoerth.de

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke von der Weihe der neuen Chorkapelle und vom Kloster Frauenwörth im Chiemsee.

Andrea Aschauer

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