Volkstrauertag Bernau – ein Tag des Gedenkens mit äußerst aktuellem Hintergrund

Bei einer Feierstunde am Kriegerdenkmal gedachte am Volkstrauertag die Bevölkerung von Bernau den toten, gefallenen und vermissten Soldaten der beiden Weltkriege sowie den Opfern von Terror und Gewalt. Aufgrund der Terroranschläge von Paris erhielt dieser Tag leider einen sehr aktuellen Bezug.Den Gottesdienst, der von Vertretern der politischen Gemeinde und vielen Ortsvereinen mit ihren Fahnenabordnungen mitgefeiert wurde, zelebrierte der kath. Pfarrer Klaus Wernberger. Die evang. Pfarrerin Hannah von Schroeders hielt ihre Predigt anders, als sie eigentlich geplant hatte. Für sie stellt sich bei den Ereignissen von Paris die Frage nach dem „Warum?“. So ein Handeln hat nichts mit Gott zu tun und ist ein Missbrauch des Namen Gottes, in welcher Sprache oder Religion dies auch immer geschieht. Für sie seien es verblendete Menschen, die so handeln; egal ob im Nazideutschland gegen die Juden und Andersdenkenden oder aktuell der IS gegen die angeblich Ungläubigen. Nicht nur die Trauer und die Bestürzung ist groß, sondern auch die Angst. Trotz dieser Angst dürfen wir uns aber nicht die Freiheit nehmen lassen. Im November, am Ende des Kirchenjahres, gedenkt man den Toten und überdenkt das Ende der Zeit. Hierauf folgt aber mit dem Advent ein Neubeginn, der alle hoffen lässt.
Auch Bürgermeister Philipp Bernhofer griff nach der Kranzniederlegung in seiner Ansprache am Kriegerdenkmal die aktuellen Geschehnisse auf. Das Zitat von Altbundeskanzler Konrad Adenauer „Frieden und Freiheit, das sind die Grundlage jeder menschenwürdigen Existenz“ stelle er in den Mittelpunkt seiner Gedanken. Nach der schlimmsten Zeit deutscher Geschichte erinnere sich auch Bernau der vielen Gefallenen und ermordeten Juden. Gerade in dieser Stunde des Innehaltens kämpfen in vielen anderen Ländern auf der Welt Menschen um ihr Leben, werden Opfer von Gewalttaten oder sind auf der Flucht. Die Anschläge von Paris erschüttern auch Bernau und viele empfinden großes Mitgefühl. Keine Ideologie, sei es die von Regierenden oder von fanatischen Religionsangehörigen, darf Menschen zu einer Masse erklären, die nicht lebenswert sei. „Immer wenn der einzelne Mensch, das Individuum, nichts mehr zählt, immer wenn durch eine Ideologie einzelne Menschen einer Rasse, einem Volk oder einer Religion zugeordnet werden, dann wird es gefährlich. Menschen werden dann zu Mördern und unterstützen Massenmorde“, so Bernhofer. Ihm zufolge müssen wir aber heute aufpassen, alle Moslems in den islamistischen Topf zu werfen. Der diesjährige Volkstrauertag zwingt uns, nach vorne zu denken. Es gab Zeiten, da galt der Islam als die toleranteste Religion. Heute muss unser Appell an die muslimischen Mitbürger gehen, Stellung zu beziehen gegen den terroristischen Islam, gegen Gewalt und Intoleranz und einzutreten für die Menschenrechte. Nach Bernhofer muss uns klar sein, dass jeder einzelne Mensch zählt und jeder für sich und sein Handeln verantwortlich ist. Das Grundgesetz der BRD hat für Frieden und Freiheit gesorgt, worauf unsere Überzeugungen ruhen, die man verteidigen und vorleben sollte.
Kränze legten anschließend noch VDK-Ortsvorsitzender Alexander Herkner sowie Günther Frey, Vorstand des Soldaten- und Kriegervereins Bernau nieder. Mit drei Ehrensaluten begleitet von der Melodie des „Guten Kameraden“, gespielt von der Musikkapelle Bernau, endete die Gedenkfeier.

Bericht und Bilder: Georg Leidel

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg