Vier Seelsorger bastelten eigene Krippe beim Krippenbauverein Bad Endorf

Pfarrer, Kapläne und Gemeindereferent aus den Pfarrverbänden Westliches Chiemseeufer und Bad Endorf hatten sich heuer gemeinsam zum Ziel gesetzt, eine eigene Krippe zu basteln – und das Ziel wurde nunmehr im Advent erreicht.

Advent als Zeit der Vorbereitungen auf die Geburt Jesu Christi in einem ärmlichen Stall in Nazareth ist voller Handlungen, die es nur während der Weihnachtsvorbereitungen gibt. Hierzu zählt auch das Herrichten von Stuben und christlichen Räumen mit Krippen, die die Szenen aus der Heiligen Schrift sichtbar machen. Zuweilen sind auch manche Leute kreativ und aktiv und basteln sich selbst eine eigene Haus- oder Wohnungskrippe. Und wer Glück hat, der kann sich dabei der lehrreichen Tipps eines Krippenbauvereins erfreuen. Einer dieser Vereine ist der Krippenbauverein von Bad Endorf, der bereits mehrere Krippenbaumeister in seinen Reihen weiß. Fachkönnen ist diesen zu eigen und Glück war dem Meister Peter Bichler heuer zugeflogen, als er im Sommer diesen Jahres eine „geistliche“ Anfrage erhielt. Vom Seelsorgeteam der beiden Pfarrverbände „Westliches Chiemseeufer“ und Bad Endorf meldete sich ein interessiertes Quartett von Seelsorgern, das sich vorstellen könnte, selbst mal für eine eigene Krippe Hand anzulegen. Das Quartett wurde angeführt von Pfarrer Klaus Hofstetter aus Prien, in seiner Begleitung waren die Kapläne Joshy George Vadakkekara und Stefan Leitenbacher sowie Gemeindereferent Werner Hofmann. Alle vier hatten den ehrgeizigen Plan, an zehn Abenden mit je vier Stunden gemeinsam einen Kurs zu belegen. Kursort sollte bei Peter Bichler in dessen Werkstatt in Teisenham bei Bad Endorf sein. Bichler sagte natürlich gleich zu und so konnte es im Sommer losgehen. Die Schwierigkeit, das handwerkliche Geschick zu haben, war nicht vordergründig. Eher komplizierter war es, den vier geistlichen Kursteilnehmern miteinander zehn gemeinsame Einträge in den Terminkalender abzugewinnen – doch der große Wille zur Tat obsiegte und es gelang. Die erste Zusammenkunft in der Werkstatt von Peter Bichler war richtig spannend und hausaufgabenträchtig.

Nach ersten grundsätzlichen Einführungen des Krippenbaumeisters gab es Fragen über Fragen, zum Beispiel, ob es eine alpenländische oder orientalische Krippe werden soll. Jeder konnte sich selbst entscheiden. Pfarrer Klaus Hofstetter brachte seine eigenen Kindergarten-Krippenfiguren mit, denen er weder heimatlich noch orientalisch, sondern nach eigenen Phantasien (unter anderem mit einer aus Italien mitgebrachten Pergula) ein Zuhause bauen wollte. Gemeindereferent Werner Hofmann entschied sich für eine Passionskrippe mit der Möglichkeit, diese jederzeit mit Szenen zum Letzten Abendmahl, mit einer Kreuzigungsgruppe oder mit dem Einzug beim Stadttor von Jerusalem zu erweitern. Eine Orientalische Krippe mit Höhlen, Gewölbe, Mauerbruch und Felsen hatte sich Kaplan Stefan Leitenbacher ausgesucht. Auch der aus Indien stammende Kaplan Joshy erwählte eine orientalische Form und dabei eine fast unauffällige Tür-Symbolik. „Eine Tür ist geschlossen, diese versinnbildlicht das Ende des Alten Testaments und eine Tür ist offen, diese ist mit der Geburt Christi der Beginn des Neuen Testaments“, so der Kaplan, der seine Wurzeln im Rahmen einer Wanderung auf die Kampenwand fand. Überhaupt galt es für alle vier Kursteilnehmer, sich nach dem ersten Einführungsabend selbst auf die Suche nach Material zu machen, mit noch mehr offenen Augen als bisher machten sich dann die Geistlichen auf den Weg. Fündig wurden sie dabei nicht nur in der Natur, sondern auch bei Freunden; Pfarrer Hofstetter zum Beispiel bekam von einem Mitbruder einen geweihten Bux aus Birkenstein und fand passendes Moos im Priener Eichental.

„Krippenbau ist kein Stress, sondern eine Konzentrationsfrage und macht auch Spaß, weil man sieht, was man mit eigenen Händen zu schaffen vermag“ – dies war die einhellige Erkenntnis aller vier Bastler, die ständig von Krippenbaumeister Peter Bichler Antworten auf ganz unterschiedliche Fragen bekamen. Für Bichler war dies nicht schwer, hatte er doch im Rahmen seiner vierjährigen Ausbildung in Tirol nicht nur Material- und Handwerks-, sondern auch Theologie-Inhalte erlernt. Der Krippenbauverein Bad Endorf hat derzeit vier Krippenbaumeister, der allererste war Adalbert Hartmannsberger, Mitglied Peter Ott wird nach erfolgreicher Prüfung 2017 der fünfte Meister im Krippenbau sein. „In der Meisterschule in Wörgl in Tirol lernt man je eine Woche und vier Jahre lang zuerst die Geländearten, dann die orientalischen Bauweisen, als Drittes die Heimatlichen Formen und im vierten Jahr gibt es eine Aufgabe nach Los“, so Peter Bichler, der 2011 seinen Meister machte. Als Meister kann er nunmehr innerhalb des rund 40 Mitglieder starken Krippenbauvereins Bad Endorf Kurse geben, dabei ist es immer wichtig, dass jeder Teilnehmer seine ganz persönliche Krippe bauen soll. Fortbildungen (zuletzt war drei Tage lang ein Referent aus Österreich für Hintergrundmalereien in Bad Endorf zu Gast) gehören zur ständigen Aufgabe, sowohl beim Malen als auch beim Basteln gibt es immer wieder neue Techniken, Materialien, Hilfsmittel und Tricks zu entdecken. Und wenn die Krippen dann wie in Teisenham nach dem zehnten Abend fertig sind, dann heißt es noch, diese mit Leben zu erfüllen. Auch dies geschieht wieder ganz individuell. Pfarrer Klaus Hofstetter hat seine einfachen Figuren platziert und Kaplan Stefan Leitenbacher bekam vor zwei Jahren zu seinem Abschied aus dem Berchtesgadener Land schön gekleidete Wachsfiguren, welche nunmehr eine Krippenheimat bekommen haben. Letztlich waren alle vier Geistlichen froh und stolz. Gemeinsam dankten sie Peter Bichler für dessen Weckens von Phantasien, denen keine Grenzen gesetzt sind. Schließlich – so der gelernte Elektriker – gibt es unzählige Vorlagen, Bücher, Ideen und Farbtöne für immer wieder neue Kreationen. Heuer kommen die vier neuen Krippen bei den Geistlichen zum privaten Einsatz, im nächsten Jahr werden sie mit vielen weiteren Krippen des Krippenbauvereins Bad Endorf im dortigen Pfarrheim dann öffentlich zu sehen sein. Ihren ersten „Segen“ bekamen die frisch fertiggestellten Werke traditionsgemäß mit einer Abschluss-Brotzeit und wie es dabei der Brauch ist, gab es hierzu wie bei den vielen derzeit im Advent angebotenen „Kripperl-Schauen“ ein Schnapserl; auf dieses „Gloriawasser“ wurde nicht mit „Prost“, sondern mit „Gloria“ angestoßen. Dabei sagte der Krippenbaumeister: „Es war wieder eine schöne Zeit mit netten Leuten und guten Gesprächen“.

Foto: Hötzelsperger – Eindrücke vom Krippenbaukurs der vier Geistlichen aus dem Pfarrverband Westliches Chiemseeufer – u.a. v.l.: Werner Hofmann, Klaus Hofstetter, Peter Bichler, Pater Joshy und Stefan Leitenbacher.
Nähere Informationen: Krippenbaumeister Peter Bichler, Tel. 0170-4455086

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg