Überschäumende Freude beim Starkbieranstich der Priener Blaskapelle im König-Ludwig-Saal

Exakt und mit nur zwei Schlägen sowie trockenen Bodens konnte Bürgermeister Jürgen Seifert im König-Ludwig-Saal beim traditionellen Starkbierfest der Priener Blaskapelle den Besuchern zurufen „Ozapft is!“. Doch während noch das erste Prosit für das süffige Starkbier vom Hofbräuhaus Traunstein gespielt und genossen wurde,
kam das frisch angezapfte Fass zum Überschäumen und beim daraufhin veranlassten Abtransport sorgte der Überdruck auch noch zum Verlust des Wechsels, so dass der Gerstensaft in vollem Strahl sich zum Teil auf die vorderen Sitzreihen und auf den Boden ergoss. Ausschank-Routinier Anton Harntasch vom Trachtenverein Atzing eilte herbei und verhalf der Sicherung des Restbieres. Dies war der erste Höhepunkt eines gemütlichen, geselligen und unterhaltsamen Blasmusikabends.

Den Auftakt im voll besetzten König-Ludwig-Saal machte die Priener Jugendblaskapelle, die zudem unter der Leitung ihres Dirigenten Josef Steiner auch ein gemeinsames Stück mit den Erwachsenen spielte. Der neue Vorstand des frisch eingetragenen Blasmusikvereins Stefan Hackenberg freute sich in seiner Begrüßung, dass sich unter den Besuchern Kaplan Joshy und Pfarrer Wackerbarth einfanden, weitere Ehrengäste waren Ehrenbürger Michael Anner senior, die Bürgermeister Jürgen Seifert und Hans-Jürgen Schuster mit vielen Gemeinderäten, die Ortsvereine, Mitgllieder der Musikkapelle Wildenwart, Kabarettist Uli Bauer sowie eine Delegation aus der Partnerstadt Valdagno, mit der Prien seit nunmehr 30 Jahren freundschaftlich verbunden ist. Ein Extra-Dank galt dem Bewirtungsteam von Klaus und Sabine Löhmann von der Schlosswirtschaft Herrenchiemsee, die zusammen mit Rudi Lutz vom Hofbräuhaus für Speis und Trank sorgten. Märsche und Solo-Stücke der Blasmusik unter der Leitung von Stefan Fußeder waren ein erster Programmteil.

Alsdann folgten zwei Auftritte von Johannes Dreikorn als Bruder Johannes. Mit seinem ersten „Salve“ hieß er Landtagsabgeordneten Klaus Stöttner willkommen, den er bat, schon bald die Wiedereröffnung des Inseldomes mit der Wiederinbetriebnahme der Insel-Brauerei zu verbinden, damit die dortige Schlosswirtschaft unabhängig von der Festlandversorgung wird. „Liebe Mitglieder und liebe Mitgliederinnen“ – so hatte der scheidende Priener Feuerwehrvorstand Hans Wöhrer bei seiner jüngsten Jahresversammlung seine Begrüßung begonnen – aus diesem Grund bat der Fastenredner zum ersten gemeinsamen Trinken mit den Worten „Liebe Bierkrüger und Bierkrügerinnen“. Ein erstes Thema von Bruder Johannes zielte in Richtung Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth, der er bat, das heurige „Spaltungs-Jubiläum“ zu einem Ökumene-Vorbild werden zu lassen. „Neue Wege gehen und Berge versetzen“ – dies sollte auch für die CSU in Bayern gelten, doch – so der Prediger- bislang wurde nur der Nockherberg in München erklommen. Ausführlich beschäftigte sich Bruder Johannes mit dem Alten Rathaus, dessen Galerie-Umbau an einen Schildbürgerstreich erinnerten und dessen Kostenmehrung eigentlich in das Steuerverschwendungs-Schwarzbuch eingetragen werden müssten. Der „Äthiopische Kreisel“ in Bruck, die dort gebotene Vorsicht wegen „Steinschlag-Gefahr“, das Mit- bzw. Durcheinander bei den Raumaufteilungen der Kommunalen und Staatlichen Realschule („Gut geplant ist halb gewonnen“ – so zu den weiten und umständlichen Wegen der Schüler bis zu ihrem Lehrerzimmer) und auch die Musikapelle selbst waren weiter im Visier des Fastenpredigers. Der Musik schlug er vor, die beengten Probenraumverhältnisse gemeinsam mit der Musikschule mit dem gleichen Schicksal ein „Haus der Musik“ zu bauen. „Vielleicht ergibt sich eine Möglichkeit, wenn das Wasserwerk in den neuen Bauhof umzieht, das hätte noch den Vorteil, dass der benachbart wohnende Vorsitzende vom Verein „Freunde der Blasmusik“, Michael Anner, regelmäßig Blasmusik hören könnte. Der auf den Schären in Prien-Stock dahinmorschende Chiemsee-Renner und das vom Rosenheimer Lokschuppen erworbene Wikingerschiff leiteten „Wasser-Themen“ ein. Hierzu gehörte auch das „Wettrüsten“ um die schnellsten Einsatzboote von Feuerwehr, Polizei und Wasserwacht. „Da kann Bürgermeister Jürgen Seifert mit seinem Elektroboot nicht mithalten, mit dem er zuweilen auf Insel-Klausur fährt“, so Johannes Dreikorn. Abschließend gab er noch bekannt, dass alle Besucher im Internet namentlich aufgelistet sind, zu finden auf der Seite www.wer-war-denn-ois.do.de. Rosi Hell, eine Hälfte der Priener Ratschkathl aus Leiten, die schon des öfteren mit dem Starkbier-Derblecken bei der Priener Blasmusik erheiterte, wurde mit den Worten zitiert: „Woher soll ich wissen, was ich denke, bevor ich höre, was ich sage“. Zu den Priener Veranstaltungen äußerte sich Dreikorn lobend über den Faschingszug mit der Einlage von Bibern, die allerdings nicht schuld an den jüngsten Baumfällungen an der Prien in Richtung Gries waren. Vorausblickend lud der Redner zum Jubiläum der Königlich Privilegierten Feuerschützen ein („Die Begegnungen vor 400 Jahren mit den Türken am Inn waren die ersten EU-Verhandlungen“) sowie zum „Fest der Feste“, dem Gautrachtenfest nach Atzing ein („Eine Teermaschine haben die Atzinger schon angeschafft, falls die Straßenmeisterei nicht tätig wird“). Abschließend drückte Dreikorn seine Bedenken über die Geschwindigkeit des Bahnhofsvorplatzes aus und zugleich rühmte er die Übernahme des Wieningerkellers („Wirthaus ist fast wichtiger wie Rathaus“) durch Wolfgang Kirner. In seiner Prognose, dass Prien weiter wachsen, aber auch Markt bleiben wird bat Bruder Johannes, alle Gäste, Zuzügler und Neu-Niedergelassene nicht nur zu integrieren, sondern sich auch an sie zu gewöhnen.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom Starkbierfest der Priener Blaskapelle im König-Ludwig-Saal

Nähere Informationen: www.prien.de

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg