Trachtler-Gespräch mit Herzog Franz von Bayern

Der Heimat- und Trachtenbote, der zweimal monatlich für Trachtler und Brauchtums-Interessierte erscheint (und unter 0861-4619 abonniert werden kann), führte ein Interview mit Herzog Franz von Bayern, dem Schirmherrn des Trachtenkulturzentrums des Bayerischen Trachtenverbandes in Holzhausen.„Grüß Gott“, Königliche Hoheit und nochmals nachträglich alles Gute und beste Gesundheit zu Ihrem 80. Geburtstag. Vielen Dank auch dafür, dass Trachtler aus den Reihen des Bayerischen Trachtenverbandes bei den Feierlichkeiten im Schloss Schleißheim und im Prinz-Carl-Palais dabei sein durften!

Königliche Hoheit, können Sie den Trachtlerinnen und Trachtlern Bayerns Ihre persönlichen Aufgaben und die Aufgaben des Hauses Wittelsbach etwas erläutern?

Als Familienchef sehe ich mich vor allem vor zwei Aufgaben gestellt: Eine betrifft die inneren Angelegenheiten der Familie, den Frieden und den Zusammenhalt aller Mitglieder. Die zweite Aufgabe besteht darin, das Leben und die Mitarbeit des Hauses Wittelsbach in unserem heutigen Bayern und damit vor allem auch die vielfältigen Verbindungen und freundschaftlichen Beziehungen über das ganze Land zu pflegen und zu erhalten. Den Menschen in Bayern ist der Bezug zur Geschichte unseres Landes und zu unseren bayerischen Traditionen eine wichtige Grundlage ihrer Identifikation. Das gilt genau so auch für meine Familie. Den daraus gewachsenen, gegenseitigen Respekt aufrecht zu erhalten, betrachte ich als eine der wichtigsten Aufgaben als Chef des Hauses Wittelsbach.

Das Haus Wittelsbach sowie die Trachten- und Heimatpflege sind ja traditionsreiche Partner. Können Sie uns ein paar Beispiele aus Ihrer Sicht und aus der langen, gemeinsamen Geschichte nennen?

Die geschichtliche Verbindung meiner Familie mit den Trachtenbewegungen in Bayern besteht seit den Zeiten König Max I. von Bayern. Darüber ist ja schon viel geschrieben und gesagt worden. Wichtig für uns alle ist, dass diese Verbindung auch in unserer jetzigen Zeit lebendig und kreativ bleibt. So habe ich z. B. mit Freude vor ein paar Jahren die Schirmherrschaft über das neue  Trachtenkulturzentrum übernommen, das in Holzhausen mit sehr viel Eigeninitiative der Mitglieder der Bayerischen Trachtenvereine entsteht. So können im Museum inzwischen schon Sonderausstellungen gezeigt werden, aber der Aufbau des  gesamten Zentrums ist noch nicht ganz abgeschlossen. Dabei freut es mich in gleicher Weise, dass ein so großes Projekt durch das Engagement und die Mitarbeit so vieler lebt, aber auch, dass die historische Verbindung zu unserer Familie auch hier weiter besteht. Eine andere große Freude war für mich, dass sich bei meiner Geburtstagsfeier am 22. Juli letzten Jahres in Schloss Schleißheim so viele Trachtlerinnen und Trachtler aus ganz Bayern an dem prachtvollen Ehrenzug beteiligt haben. Auch da wurde wieder der gegenseitige Respekt und die enge Freundschaft sichtbar.

Wie würden Sie die Bedeutung der Trachtler in der heutigen Zeit für die gesamte Gesellschaft bezeichnen?

Der Bayerische Trachtenverband hat etwa 180.000 Mitglieder. Das ist eine sehr beeindruckende Zahl, denn unsere Mitbürger haben heute vielfältige Möglichkeiten, sich in soziale Netzwerke einzubringen und ihre Zugehörigkeit zu unserem Land sichtbar auszudrücken. Eine aktive Mitgliedschaft in einem Trachtenverein bedeutet aber wesentlich mehr Einsatz. Es werden finanzielle Opfer gebracht, es wird tatkräftige Mitarbeit geleistet und man muss mit dem Herzen dabei sein. In diesem persönlichen Einsatz liegt die wirkliche Bedeutung. Sie ist für unser Land heute ebenso wie gestern und auch morgen prägend und wichtig. Die Bewahrung von Traditionen und festlichen Formen gehören dazu.

Welche Wünsche wollen Sie den Verantwortlichen des Bayerischen Trachtenverbandes und auch den einzelnen Trachtlern und Trachtlerinnen für die weitere Zeit geben?

Dem Bayerischen Trachtenverband und seinen Mitgliedern wünsche ich weiterhin viel Energie und auch Spaß an ihrem Engagement  für die bayerische Trachtenkultur, damit die Trachten weiterhin ein unverwechselbarer Teil unserer Identität bleiben und auch in Zukunft zum positiven Bild Bayerns in der Welt beitragen.

Sie sind bekannt für Ihren hohen Kunstsinn. Welche bayerischen Einrichtungen würden Sie zum Besuch besonders empfehlen?

Ich würde allen empfehlen, mit offenen Augen durch unser Land zu fahren und mit „unser Land“ meine ich alle Regionen Bayerns, die alle einen großen Reichtum an landschaftlicher Schönheit, an schönen Städtebildern, an wunderbarer Architektur und herrlichen, besonders kirchlichen Innenräumen bieten. Genauso vielfältig ist unser Reichtum an großen wie kleinen Museen, auch die über das ganze Land gestreut und mit Themen für jedes Interesse und jeden Geschmack. Daneben gibt es freilich noch die großen musealen Sammlungen von Weltrang, die vor allem in größeren Städten zu sehen sind, von Würzburg über Bamberg, Coburg, Nürnberg, Regensburg bis Passau und Augsburg, um nur einige zu nennen, und in besonderer Dichte natürlich die Museen unserer Landeshauptstadt München.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin eine gute Gesundheit sowie viel Freude und Erfolg bei der Ausübung all Ihrer vielfältigen Aufgaben.

Das Gespräch führte Anton Hötzelsperger

 

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg