Tracht des Jahres 2016 ist die Hinterskirchener Holzlandtracht

Höhepunkt des Deutschen Trachtentages war sicherlich zum 11. Male die Vergabe des Prädikates „Tracht des Jahres“. Für das Jahr 2016 wurde die „Hinterskirchener Holzlandtracht“ als Tracht des Jahres 2016 ausgezeichnet. Der Trachtenverein Hinterskirchen konnte die Auszeichnung aus den Händen des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer entgegennehmen. Der 1947 gegründete Trachtenverein Hinterskirchen bemüht sich seit 1950 um die historische Bauerntracht. Auf  Bauernhöfen der Region waren Trachten vorhanden, die wohl auf die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts datiert werden können. Diese Kleiderstücke und Landberichte dienten 1958 dem Verein bei der kompletten Umstellung auf die Volkstracht als Vorlagen für die neu anzufertigenden Trachten. Im Trachtenverein Hinterskirchen  werden Trachten für Kinder, Unverheiratete und Verheiratete unterschieden.

Die bäuerlichen Festtagstrachten des Erdinger Holzlandes zeugen von Wohlstand durch Land-und Forstwirtschaft. Das Holzland ist ein traditionelles, bäuerliches geprägtes Siedlungs- und Kulturland, geprägt von einer weitgehend intakten Land-und Forstwirtschaft. 1998 wurden anlässlich des historischen Trachtenfestes in Grassau erstmals wieder 10 Paare in den alten Trachten eingekleidet.

 Altüberlieferte Frauentracht aus dem Vilstal

Nach einem noch vorhandenen Stück und angelehnt an die Ausführungen in den Landbeschreibungen aus den Jahren 1846‑1851 entstand die aus folgenden Teilen bestehende Frauentracht, die aus brombeerfarbigem oder blauem Seidenstoff gearbeitet ist. Der Rock ist in 6 Bahnen geschnitten, der Rocksaum mit rotem ca.10 cm breitem Stoffbesatz (sprich Kittelblech) und schwarzer Besenborte verarbeitet. Die darauf getragene Schürze ist aus farblich abgestimmten, meist blauem Seidenstoff. Sie ist in 3 Bahnen geschnitten und rundum mit ca.4 cm breiten, schwarzen Spitzenabschluss verarbeitet. Als Bänder erhält die Schürze schwarze Taftbänder die rückwärts gebunden werden.

Das Oberteil (sprich Spencer) ist aus gleichem Stoff wie der Rock. Es ist stark auf Figur gearbeitet und schließt mit einem weitschwingenden Schößchen ab.

Der Ärmel ist gereiht eingesetzt und am unteren Abschluss mit einem Aufschlag versehen. Der etwas hohe Stehkragen ist mit einer weißen Spitze ausgeziert. Auffallend ist auch das aus schwarzer Spitze gefertigte Tabluo das vom Stehkragen bis zur Brust reicht. Über diesen Spencer wird das schwarze, meist goldbestickte Mieder mit Silberschnürung getragen. Das goldfarbene, gemusterte Schultertuch sowie die Brosche am Hals vervollständigen die Tracht.

Aufgesteckte Haare mit Silbernadeln – Grandl oder Riegelhaube verschönern das ganze.

Ebenso werden handgestickte Strümpfe (weiß – blau), weißer Unterrock, schwarze Halbschuhe mit Silberschnalle zur alten Frauentracht getragen.

Historische Männertracht

Seit dem Jahr 2006 tragen nun auch eine Gruppe Männer die zur altüberlieferten Frauentracht passenden Röcke (Gehröcke oder Gvatterröcke genannt).

Der Name Gvatterrock hat seinen Ursprung in der Tatsache, dass ein junger Mann dieses Kleidungsstück in der Regel entweder von seinem Vater oder aber auch von seinem Paten (Gvatersmann) zu seiner Hochzeit als Hochzeitsgwand bekam.

Nach einem alten aufgefundenen Stück wurden nun diese neuen Gehröcke gearbeitet.

Das Oberteil wird möglichst eng an den Körper gearbeitet, der untere so genannte Schoßteil ist sehr weit und glockig geschnitten. In einer der hinteren Schoßteilfalten ist wie bei dem alten Stück eine so genannte Schoßtasche eingearbeitet. Dies diente in früheren Zeiten zur Aufbewahrung von verschiedenen Sachen, die der Mann bei sich hatte. (Geld-Papiere-usw)

Erfreulicher Weise hat sich die Vereinsführung entschlossen die Gehröcke je nach Geschmack des Trägers in verschiedenen Farben anfertigen zu lasse. So sind jetzt drei Farben an Gehröcken vorhanden. Es sind dies die Farben schwarz- dunkelblau und dunkelbraun.

Nun werden bei allen festlichen Anlässen aber auch bei Tanzaufführungen diese Gehröcke als Vereinskleidung getragen.

Im Jahre 1950 wurde im Trachtenverein Hinterskirchen die erste Volkstrachtengruppe gegründet. Ein Großteil der Trachten wurde aus Beständen alter Bauernhäuser zusammengetragen.

Bei der kompletten Umstellung des Vereins auf Volkstracht im Jahre 1958 wurde insbesondere die Dirndltracht etwas erneuert. Die Burschentracht blieb weitgehend unverändert.

Männer und Burschentracht:

Lange, bis zum Knöchel reichend enganliegende Lederhose (Hirsch- oder Bockleder), am Hosentaschenansatz je zwei Silberknöpfe, Farbe: schwarz.

Weste bis zum Hemdkragen reichend, hochgeschlossen, mit      14 – 16 Silberknöpfen, zweireihig. Samt kann in verschiedenen Farben sein.

Seidenhalstuch mit Silberbrosche, Farbe zur Weste passend. Janker aus feinstem schwarzen oder braunen Tuch mit Paspel eingesäumt, 12 – 14 Silberrosenknöpfe. Machart kurz und wird offen getragen, so dass man die zwei Reihen Silberknöpfe der Weste sehen kann.

Silberne Uhrkette mit Taler.

Schwarzer, mit dunkelbraunem Band versehener Velorhut, die Hutkrempe ist dunkelbraun eingesäumt.

Schwarze Faltenstiefel, achteckig und  mit sechs Falten.

Erneuerte Frauen und Mädchentracht:

Schwarzer, angereihter Rock mit Besenlitzensaum, dazu kirschrote, gemusterte Seidenschürze.

Weiße Leinenbluse, hochgeschlossen, mit langen Ärmeln. Schwarzes oder goldgesticktes Mieder mit Silberkette und Miederstecker.

Goldfarbenes, gemustertes Seidenschultertuch mit Fransen sowie einer Brosche an Tuch und Bluse.

Aufgesteckte Haare mit Zopf, Silberhaarnadeln und Grandl oder Riegelhaube.

Weißblaue handgestrickte Strümpfe sowie ein Spitzenunterrock. Schwarze Halbschuhe mit Silberschließe als Verzierung.

Im Sommer 1998 wurden anlässlich des historischen Trachtenfestes in Grassau erstmals wieder 10 Paare  in der alten Tracht eingekleidet.

Inzwischen ist unsere Historische Gruppe auf 20 Paare angewachsen.

Als Erdinger Holzland wird das wald- und hügelreiches Gebiet östlich von Erding bezeichnet. Es umfasst Gebiete im Landkreis Erding und im östlich angrenzenden Landkreis Landshut, also in Ober- und Niederbayern. Neben der Großen und der Kleinen Vils ist das Gebiet von vielen kleinen und kleinsten Bächen durchzogen. Bis zum Landesausbau und den folgenden Rodungswellen war das Erdinger Holzland dicht bewaldet.

Das Erdinger Holzland ist ein traditionsreiches, bäuerlich geprägtes Siedlungs- und Kulturland, geprägt von einer weitgehend intakten Land- und Forstwirtschaft.

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg