Tierische Raritäten am Sonntag, 24. April in Glentleiten

Am kommenden Sonntag, 24. April wird das Blöken und Muhen groß sein im Freilichtmuseum Glentleiten. Hierzu werden  rund 70 Murnau-Werdenfelser Rinder und 100 Farbige Bergschafe erwartet. Seltene historische Nutztierrassen gehören im Freilichtmuseum Glentleiten seit langer Zeit zum Präsentationskonzept. Sie spielen bei der Vermittlung historischer Zusammenhänge eine wichtige Rolle, sind sie doch für die Agrar- und Landschaftsgeschichte von großer Bedeutung. Am Sonntag, 24. April, stehen die im Bestand gefährdeten Murnau-Werdenfelser Rinder und die seltenen Braunen, Schwarzen und Gescheckten Bergschafe im Mittelpunkt. Bei den einst im Bayerischen Oberland weit verbreiteten Rindern ist es sogar die erste „Rasseschau“ seit über 50 Jahren, sodass der bayerische Landwirtschaftsminister Helmut Brunner die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernommen hat.

Erste „Rasseschau“ seit über 50 Jahren

Für die „Rasseschau“ der Murnau-Werdenfelser Rinder, veranstaltet vom Zuchtverband Weilheim, haben 34 landwirtschaftliche Betriebe und Züchter rund 70 Tiere angemeldet. Sie werden in neun Kategorien gerichtet (weibliche Jungrinder bis zum Alter von 2 Jahren, Kalbinnen über 2 Jahre, Jungkühe mit einer Kalbung, Kühe mit 2 Kalbungen, Kühe mit 3-4 Kalbungen, Kühe mit 5-8 Kalbungen, Mutterkühe mit Kalb (unter einem halben Jahr), Familien (Kuh mit 2 Nachkommen), Ochsen und Stiere). Aus diesen Siegertieren werden die besten vier ausgewählt – sie erhalten zwei staatliche Züchtermedaillen, die ein Vertreter des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten überreichen wird, und zwei Züchtermedaillen von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Rinderzüchter.

Die Murnau-Werdenfelser Rinder waren vor der Mechanisierung der Landwirtschaft bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein im Gebiet rund um Garmisch-Partenkirchen und Mittenwald, im Ammertal und bis ins Murnauer Moos beliebt, weil sie sowohl gut an Sumpf- und Moorlandschaften angepasst waren, sich aber auch in steilem Gelände zurechtfinden. Sie kamen als typische Dreinutzungsrasse zum Einsatz, man verwendete also sowohl ihr Fleisch als auch ihre Milchleistung und bediente sich ihrer Arbeitskraft als Zugtiere.

Prämierung seltener Bergschafe

Die Arbeitsgemeinschaft Farbiges Bergschaf (ARGE), die sich um den Erhalt der im Bestand gefährdeten Braunen, Schwarzen und Gescheckten Bergschafe bemüht, zeichnet ebenfalls ihre besten Paarhufer aus. Es werden ca. 100 Tiere von 20 Züchtern beim „Großen Auftrieb“ erwartet. Die Farbigen Schafe wurden immer mehr zurückgedrängt, weil ihre Wolle schwierig zu färben war. Dass  ihr Fell jedoch etwas ganz Besonderes ist, möchte  die ARGE  betonen, indem sie z.B. auch einen „Wollsieger“ kürt. Weitere Preise erhalten die jeweils besten Braunen, Schwarzen und Gescheckten Lämmer, Mutterschafe, Böcke und Jungschafe sowie Gruppen bestehend aus einem Bock mit zwei Mutterschafen. Wie ihre weißen Artgenossen zeichnen sich die Farbigen Bergschafe durch harte Klauen, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit aus, was sie befähigt, Hochalmflächen noch bis zur Schneegrenze zu nutzen.

Rahmenprogramm

Neben der Auszeichnung der besten Tiere findet beim „Großen Auftrieb“ ein buntes Rahmenprogramm statt. Die Besucher können bei der Schafschur zuschauen, sehen, wie Wolle zu Garn versponnen wird, an einer Tombola teilnehmen, kulinarische Spezialitäten von Schaf und Rind probieren und Produkte der beiden Tierarten erstehen – von der fein gesponnenen Wolle bis zur schmackhaft geräucherten Wurst. Für Kinder gibt es eine offene Filzwerkstatt, in der sie Wolle mit Hilfe von Wasser und Seife zu Blumen, Schnüren und Bällen formen können. Die Veranstaltung findet bei jedem Wetter statt. Weitere Informationen unter www.glentleiten.de/veranstaltungen.

 

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg