„Sing mar a weng“ zum 125. Geburtstag von Ferdinand Neumaier

Er war ein großer Komponist und Liedtexter und dabei stilprägend für viele Volksmusiker, geehrt mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Gotteszeller Volkspreis, der Bürgermedaille der Stadt Landshut und dem Zwieseler Fink in Gold: Ferdinand Neumaier, vor 125 Jahren in Kirchberg im Wald geboren. Ihm zu Ehren lud der Heimat und Volkstrachtenverein „Gotthardsbergler“ zu einem Ferdinand“-Neumaier-Gedächtnissingen in die Aula der Grund- und Mittelschule ein.

Dass Volksmusik in Kirchberg eine Tradition hat, konnte Max Schiller, der Vorsitzende der „Gotthardsbergler“ bei der Begrüßung feststellen. Die Aula war fast bis auf den letzten Platz besetzt. Lang war auch die Liste mit Ehrengästen: Aus Passau war Landtagsabgeordneter Bernhard Roos angereist. Den Landkreis vertrat der stellvertretende Landrat Erich Muhr, die Gemeinde Bürgermeister Wenig und zahlreiche Gemeinderäte. Als weitere Ehrengäste hieß Schiller willkommen: Pater Slawomir Olech, Diakon Alfons Kopp, Kirchenpfleger Manfred Kufner, von der Schule Rektorin Ulrike Killinger und Konrektor Franz Stumpf, den Volksmusikbeauftragten des Landkreises Hans Pongratz und Andreas Tax, den Vorstand des Waldgaus. Besonders freute sich der Trachtler-Vorstand über das Kommen von Neumaier- Enkelin Margit Leib, die als Kind viel Zeit beim Opa verbracht hatte.

Wie das von Ferdinand Neumaier verfasste Liederbuch „Sing mar a weng“ lautete der Einladungsspruch. Im Gegensatz dazu versprachcc aber das Programm eine Menge. Fast drei Stunden boten vier Gruppen Volksmusik vom Feinsten. Bei der Auswahl waren die Programmgestalter mit Bedacht vorgegangen. Die Heimat Ferdinand Neumaiers vertrat der Kirchberger Männergesangsverein. In dem 1927 gegründeten Chor sang auch Ferdinand Neumaier schon mit. Kein Wunder, dass das Liedgut von Ferdinand Neumaier zum ständigen Repertoire des Männerchors gehört.

Aus dem Lamer Winkel vom Fuße des Osser waren die mit zwei Finken-Preisen ausgezeichneten Eggersberger Sänger über den Arber nach Kirchberg gekommen. Das versierte Gesangstrio mit den gestandenen Mannsbildern Richard Wellisch, Sepp Aschenbrenner und Ernst Hupf ergänzte der 12-jährige Konzertdebütant Simon Aschenbrenner als Begleiter mit tadellosem Harmonika-Spiel. Trotz ihrer langen Musiker-Laufbahn merkte man mit welcher Hingabe sie immer noch den unvergänglichen Liedern Neumaiers anhängen.

Einen nicht nur musikalischen Kontrapunkt dazu setzte der „Frauengsang Pomp-A-Dur“. Die Sängerinnen aus Ortenburg und Umgebung demonstrierten, dass die Lieder Neumaiers auch „drenterhoi“ der Donau verstanden werden und so gefühlvoll und ausdruckstark wie von echten Waidler-Musikern interpretiert werden können. Mit dem meisterlichen Begleiter an der diatonischen Harmonika und der Gitarre Florian Kasberger bildeten Hildegard Roitner, Simone Schoder und und Mariele Bernkopf ein wundervolles Interpreten-Quartett Neumaier‘scher Lieder.

Mucksmäuserlstaad wurde es, wenn die zehnjährigen Kinder Jasmin und Florian mit ihrem Papa Walter von der Familienmusi Weiderer anfingen eines der zahllosen Neumaier Lieder zweistimmig zu singen. Anerkennendes Kopfnicken von den arrivierten Musiker- und Sängerkollegen und rauschender Beifall vom Publikum waren für den hoch konzentrierten Auftritt der jungen Finkenpreisträger zu vernehmen. Sie meisterten im Zwiegesang auch die schwierigsten Stellen und ließen spüren, dass sie Neumaiers Lieder nachempfinden können und mit Herzblut bei der Sache sind.

Für die Ansage und Moderation hätten die Gotthardsbergler kaum einen besseren finden können als den Großneffen von Ferdinand Neumeier den Redaktionsleiter beim Bayerischen Rundfunk Nikolaus Neumaier. Authentisch und informativ leitete er zu den einzelnen musikalischen Beiträgen über, erzählte von der Kinderzeit des Großonkels vom schulischen  und beruflichen Werdegang und seiner Tätigkeit als Komponist und Liedtexter. Zur Entstehung der Waidlermesse merkte der Moderator an, dass der ursprüngliche Text von Eugen Hubrich vom Komponisten Neumaier „entschärft“ wurde. Hubrichs Sprache habe nämlich noch etliche Anklänge an die zurückliegende NS-Zeit gehabt. Kritik an manchen Metaphern sei aber unangebracht, so Nikolaus Neumaier: „Wer auf den Höhen des windumtosten Arbers steht, der hat eben das Gefühl, eine Windorgel spielt hier auf“. Für den Waidler sei eine derartige Ausdrucksweise, wie sie auch in der Waldlermesse zum Vorschein kommt, stimmig, meinte Neumaier.

Auch optisch wurde Hervorragendes geboten: Erinnerungen an vergangene Zeiten weckten die meisterlichen Schwarz-Weiß-Fotos des verstorbenen Kirchberger Fotografen Ernst Pfeffer, ergänzt mit Fotos aus dem Fundus der Familie Neumaier und dem Archiv von Bernd Schulz.

Nachdem Waldgau-Ehrenmitglied Sepp Schiller in Gedichtform zur Bewahrung der Heimat aufgerufen hatte, bedankte sich Max Schiller bei den Mitwirkenden, dem Publikum und ganz besonders bei Elfriede Dannerbauer und Herbert Eder, die als Organisatoren die Hauptlast bei den Vorbereitungen getragen hatten.

Seiner Heimat Kirchberg gab Nikolaus Neumaier schließlich eine Empfehlung mit auf dem Weg: „Kultur ist sinnstiftend und kann einer Gemeinde neue Impulse geben.“ Für eine Ausstellung wie die ‚Sängerwald´-Ausstellung wäre Kirchberg ein idealer Ort gewesen. Mit einem Wunsch als Frage und Auftrag zugleich formuliert verabschiedete sich der Moderator:“ Vielleicht aber bemüht ihr euch um ein Museum für Volksmusik.“

Mit der von Mitwirkenden und Besuchern gemeinsam gesungenen Hymne des Bayerischen Waldes „Mia san vom Woid dahoam“ endete das mit großem Beifall bedachte Ferdinand-Neumaier-Gedächtnissingen.

Bericht von Regina Pfeffer mit freundlicher Genehmigung von Johann Probst/Bayerwaldbote Red. Regen

Andrea Aschauer

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