Reise- und Liebeserklärung an Aserbeidschan

Aserbaidschan – das „Land des Feuers“…..oder das „geheimnisvolle unbekannte Land“ am Kaspischen Meer und die EUROPASPIELE – ein leidenschaftlicher Reise-Bericht von Uschi Lang.Klingt für mich beinahe wie ein Auszug aus dem Märchen „1.000 und eine Nacht“…..All das war ein Grund, eine Reise nach Aserbaidschan zu wagen, um sich über ein etwas fremd klingendes Land, durch das ein Teil der Seidenstraße verlief, Leute, Kultur, Flora, Fauna, Küche und respektive über die Europaspiele, von denen „keiner Genaues wußte oder je gehört hat“, zu informieren.
Im Vorfeld versuchte ich mich schon etwas schlau zu machen, zumal das nicht ganz einfach war, gibt es doch kaum Reiseinfos dazu…..schlußendlich wurde ich fündig….
Die Republik Aserbaidschan ist ein Binnenstaat, liegt am Südkaukasus und hat eine östlich gelegene Küstenlinie von 800 km am Kaspischen Meer sowie neun Klimazonen. Sie grenzt im Süden an den Iran und die Türkei, im Norden an Rußland und Georgien und im Westen an Armenien. Hier leben 9,4 Millionen Menschen auf 86.600 km2 – davon drei Millionen in der Hauptstadt Baku; übrigens werden die Aserbaidschaner auch als „Turkvolk“ bezeichnet.
Das Land ist reich an Bodenschätzen u.a. Erdöl, Erdgas, Zink, Kupfer und Marmor. Wichtige Exportgüter sind Erdöl, Erdgas aber auch Aluminium oder Eisenerz.
Der wichtigste Wirtschaftsbereich ist die Erdöl- und Erdgasindustrie. Der zweitgrößte Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft mit Getreide, Gemüse, Früchte (Granatapfel, Dattelpflaumen, Feigen, Kastanien und Safran), Reis, Tee, Tabak, Schaf-, Rinder- und Seidenraupenzucht.
Die Landschaft ist vielfältig: Sandwüsten, Gletscher, Steppen, tropische Wälder, Schlammvulkane, Salzböden, Ölbaumplantagen, Weinberge, Baumwollfelder, das Meer und die Hochgebirgsseen; ebenso Fauna zB. Leoparde, Kropfgazellen, Stachelschweine, Pelikane, Rosaflamingos, Robben, Kaviar, Zeburinder oder Schakale und Flora wie Eichen, Buchen, Oliven- und Maulbeerbäume.
Der höchste Berg Aserbaidschan`s ist der Bazar-Dyuzi (4.480 m), der zweithöchste Berggipfel der Schachdag (4.243 m). Im NW schließen an die Bergketten des Großkaukasus das Vorgebirge eines Steppenplateaus und im Osten Gobustan (eine der ältesten Siedlungen der Menschheit) mit seinen vielen Schlammvulkanen an.
93 % der Bevölkerung haben islamischen Glauben, 5 % sind Christen und 2 % der Rest. Amtssprache ist Aserbaidschanisch. Die Verschmelzung verschiedener Nationalitäten führt dazu, dass das Land zu Recht als eines der ältesten Weltkulturzentren angesehen wird. Kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion, erlangte Aserbaidschan im Jahre 1991 seine Unabhängigkeit wieder und wurde als neuer Staat von der internationalen Gemeinschaft anerkannt.
Die Küche Aserbaidschan’s ist bekannt und berühmt. Vereinen sich hier doch orientalische mit kaukasischen Besonderheiten. Sie ist aber auch leicht, typisch landesüblich und schmeckt lecker…beispielsweise Piti, Hammelfleischeintopf mit Kichererbsen, Hühnchen, Lavas, Dogva eine nach Koriander schmeckende Suppe aus Joghurt, Dolma Weinblätter mit Faschiertem und Reis, Plow ist in Aserbaidschan weit verbreitet und besteht aus Fleisch, Fisch, Gemüse oder auch Trockenobst. Diese werden beliebig und je nach Geschmack miteinander kombiniert. Je nach Zutaten erhält Plow seinen Namen (süß oder pikant) weiters Kebab = Schaschlyk, frische Kräuter oder Fisch. Ein beliebtes Erfrischungsgetränk ist Schärbät besteht aus Milch, Minze und Früchten, Kompotte oder Granatapfel in allen möglichen Variationen und last but not least der berühmte Chai.
Anmerkung am Rande: man braucht in diesem Land auch kein „Schnapserl im Vorfeld“ zu trinken, Magen und Darm fühlen sich hier wohl!

Die „Stadt der Winde“ – Baku
Lag im Mittelalter im Herrschaftsgebiet der Schirwanschahs und wurde im 12. Jahrhundert zu seiner Hauptstadt, nachdem Schemacha durch ein Erdbeben zerstört wurde. Selten habe ich eine modernere Großstadt gesehen. Sie macht den Eindruck als würde sich Architektur- und Lichtelite einen gnadenlosen Konkurrenzkampf liefern.
Das neue Baku wird dabei, ohne eine Wertigkeit vornehmen zu wollen von den dominierenden und überall sichtbaren Flame Towers – futuristisch anmutende Büro- und Wohntürme – und der Stadtlandschaft im Fluß – dem Heydar Aliyev Center von Architektin Zaha Hadid (gewann 2004 als erste Frau den Pritzker Preis dh. den Nobelpreis) überstrahlt; diese „Skulptur“ beinhaltet ein Kulturzentrum, das neue Nationalmuseum, eine Bibliothek, sowie Konzert- und Konferenzsäle. Zusammen mit dem Vorplatz bildet das Gebäude eine weiß fließende eckenfreie Einheit.
Das alte Baku wirkt idyllisch und man hat das Gefühl sich in einem orientalischen Gassen-Labyrinth zu befinden; bekannt ist es aber vor allem durch die imposante Befestigungsanlage und dem 29,5m hohen, sagenumwobenen Jungfrauenturm (17m Durchmesser). Er hat acht Stockwerke, die mit steinernen Gewölben überspannt sind. Durch Treppen in der Wand gelangt man von Stockwerk zu Stockwerk. Innerhalb des Turmes befindet sich ein 21m tiefer Trinkwasser-Brunnen. Dieses rätselhafte Bollwerk ist Aserbaidschans Wahrzeichen, um das sich viele Legenden ragen.
Heute ist der Turm ein Museum und man hat von ihm (im fünften Stock) einen atemberaubenden Blick auf Baku und seine Bucht. Offensichtlich zwischen dem 6. und 12. Jahrhundert erbaut, fühlt sich (fast) jeder Aserbaidschaner mit dem Jungfrauenturm verbunden. Man vermutet, dass er der Verteidigung diente oder Observatorium war, keiner weiß es wirklich genau. Ein 500 Jahre alter Bazar sowie Reste einer Moschee wurden vor dem Jungfrauenturm entdeckt.
Aus dem 17. Jahrhundert stammen die Kasumbek-Moschee und Kasumbek-Karawanserei. Die Mohammed Moschee mit dem Synyk-Kala-Minarett stellt das älteste unter den zahlreichen muslimischen Gotteshäuser in der Altstadt dar. Im Zentrum liegt auf der Spitze des Hügels der Palast der Schwirwanschahs, ein Komplex mittelalterlicher Paläste, Mausoleum, Grabmal, Moschee, Murad Tor und das Badehaus.
Das war auch mit ein Grund, warum wir etwas mehr über Baku’s Altstadt wissen wollten und statteten der Stadtverwaltung einen Besuch ab. Gerne nahm sich Stadtdirektor Samir Nuriyev Zeit und erzählte uns viel über seine Stadt: „Die Innenstadt ist autofrei, nur Anrainer und offene Elektrotaxis halten den Zubringerverkehr aufrecht; Busse dürfen nicht hineinfahren; Ein- und Ausfahrt nur nur mit ecards möglich. Die Stadt hat 5.000 Einwohner und diesen wollen wir eine angenehme Wohnsituation ermöglichen. Seit 2000 ist die Stadt UNESCO-Weltkulturerbe und hat 450 historische Denkmäler.
Übrigens ein Niederösterreichisches Unternehmen restauriert den Jungfrauenturm und die Mohammed Moschee. Mir ist diese Firma in Wien aufgefallen, sie hat den Stefl restauriert – dh. kenne und liebe ich Österreich resp. Wien; hier habe ich auch das professionelle Arbeiten österreichischer Unternehmen kennengelernt“, erklärt uns Dir. Nuriyev. Wir freuten uns über ein derartiges Lob. Und ja, jemand kennt Österreich…..!?
Besucht man Baku sollte man an der Märtyrerallee – Friedhof und Gedenkstätte – entlanggehen: sie ist ein Mahnmahl und gedenkt der Opfer der Tragödie vom 20. Jänner 1990, jener Tag an dem Moskau mit Panzern gegen die Aufständischen vorging sowie des Krieges zwischen Armenien und Aserbaidschan um die aserbaidschanische Region Berg Karabach. An diese Toten erinnert eine von Marmorplatten gesäumte Allee, an deren Ende sich das Mahnmal „Ewiges Feuer“ befindet.

Der Berater:
Im Präsidentenpalast hatten wir ein hochinteressantes Gespräch mit Prof. Dr. Ali Hasanov, dem Berater des Präsidenten für gesellschaftlich-politische Fragen. Dr. Hasanov erklärte uns die Ziele der Republik Aserbaidschan im Sportbereich: da sind die zur Zeit laufenden Europaspiele, der Formel 1 GP 2016 rund um die Altstadt und die islamischen Spiele 2017.
Der Transport des Erdöls, aber vor allem der Ausbau des Fremdenverkehrs. Die Erweiterung der U-Bahn-Stationen, der Ausbau der Eisenbahn- und Straßenverkehrsanbindungen nach Russland, Europa und China zählen für den Präsidentenberater zu den vordringlichen Aufgaben. Übrigens auch Prof. Hasanov kennt Österreich und seine idyllischen Weinorte.

Der Sportler:
Mit Großevents will die Erdölmetropole verstärkt in die Internationalen Sportszene aufsteigen und es wird der Republik auch gelingen. Beispielsweise die stattgefundenen Europaspiele (1st European Games); mit dieser olympische Idee wollte das IOC die Lücke in den Spielterminen (Asien, Amerika) schließen. Als Organisator der Spiele hatte Aserbaidschan COO Simon Clegg verpflichtet – ein Brite mit einer exzellenten militärisch und sportlichen Laufbahn – der Unwahrscheinliches vollbrachte: die europaweiten Spiele in nur drei Jahren zu organisieren.
Simon Clegg: „Baku 2015 war nur möglich, weil Präsident Ilham Aliyev, der auch seit langem Präsident des Nationalen Olympischen Komitees in Aserbaidschan ist, sich für die Spiele stark machte. 20 Sportarten waren vertreten: davon 16 olympische und vier (Karate, Sambo, Basketball 3 gegen 3, Beach Soccer) nicht olympische. Es kamen 6.000 Athleten aus 50 Nationen, die in einem eigens für sie errichteten Athletendorf wohnten. 11 Sportarten halten direkte oder indirekte Qualifikationsmöglichkeiten für Rio bereit. Die Spiele wurden u.a. im neuen Nationalstadion und in der National Gymnastics Arena ausgetragen“.
Für Österreich starteten 143 Sportler u.a. Andreas Scherhaufer, der älteste ÖOC Teilnehmer“ (Fahnenträger).

Die Höhepunkte
Was muss man sich in Aserbaidschan unbedingt ansehen?
Die achtspurige Chaussee vom Flughafen in die Stadt und zwar in der Nacht. Man hat das Gefühl durch „Little Vegas“ chauffiert zu werden – ein Lichtermeer ohnes gleichen empfängt die Besucher. Ebenfalls nachts, ein Besuch der Flame Towers – ein unvergeßlicher, überaus beeindruckender Licht(An)blick.
Das Ausstellungszentrum Heydar Aliyev wurde ja schon erwähnt, weitere Pflichttermine sind die gepflegte Uferpromenade, eine Gondelfahrt durch die künstlich angelegte venezianische Wasserstraße, die Innenstadt und das Teppichmuseum.
Ein Highlight in Ateschgah ist der Feuertempel (Hort des Feuers); das Feuer wurde durch das natürlich austretende Erdöl gespeist. Hier fanden hinduistische Rituale statt. Als Klosteranlage im 18. Jahrhundert erbaut, wurde diese aber 1883 aufgrund der Inbetriebnahme von Ölförderanlagen in unmittelbarer Nähe geschlossen. Seit 1975 ist der Komplex ein Museum. Eigentlich deutet der Name auf einen Feuertempel des Zoroastrismus hin;
weiters das Erdölmuseum samt der Villa Petrolea – das Haus der Nobel Brüder und das 44 km2 staatlich historisch-künstlerische Schutzgebiet Qobustan Nationalpark – seit 1966. 1930 wurden über 6.000 steinzeitlichen Felszeichnungen entdeckt. Somit hat der Park die weltweit größte Sammlung. Der berühmte norwegische Forscher Thor Heyerdahl untersuchte die Bootfels-Zeichnungen und kam zum Schluß, daß die Vorfahren der Skandinavier Aserbaidschaner waren.
Eine Steinplatte mit einer lateinischen Inschrift aus dem ersten Jahrhundert ist der Magnet im Park. Man vermutet, daß dieser Stein von der römischen Legion Kaiser Domitian stammt, die einst hier durchmaschierte. Qobustan Nationalpark ist UNESCO Weltkulturerbe seit 2007.
Wenn genügend Zeit zur Verfügung steht, sollte man noch eine Fahrt ins 220 km entfernte Gabala einplanen. Hier entsteht der erste Skizirkus Aserbaidschans mit zwei bereits in Betrieb befindliche Umlaufgondelbahnen, einem Hotel und Restaurant.
Das Sportschützenzentrum, in dem u .a. Österreichs Sportschützen ihre WM-Vorbereitung abhalten, der niederländischer Klavierbauer Beltmann mit seinen handgefertigten Pianos, das technisch hochmoderne Getränke- und Kartoffelchips-Unternehmen Gilan, das stilvolle Regierungsgebäude und „Klein Venedig“, eine künstliche Wasserstrasse, die ins Zentrum führt, runden das Besichtigungsangebot in Gabala ab.
Der letzte Tag der Reise führte uns schon lange vor Abflug auf den Airport Baku, modernste Architektur, aktuellste Fluggeräte, eine Shopping Mall zum Verlieben, und eine Vielzahl internationale Anbindungen nach Europa, in den Fernen Osten und an den Persischen Golf stehen auf dem Portfolio.
Fazit: Die Zukunftsregion Aserbaidschan ist eine Reise wert und – nicht nur durch die Widersprüche Europa:Asien sondern auch durch das Außergewöhnliche, das man hier findet: Badetourismus Kaspisches Meer, Winter- und Sommersport, Mineral-, Salz- und (Erd)Ölkur-Tourismus, großartige Sportevents, unglaublich viele Sehenswürdigkeiten, teilweise fast unberührte Natur – so auch in Form von Nationalparks – damit perfekte Gegebenheiten für die Pflanzen- und Tierwelt.
Toleranz: man ist in der Republik Aserbaidschan als Gast herzlich willkommen – ich hatte, obwohl größtenteils islamisch – niemals das Gefühl, irgendwie bedrängt zu werden oder ungewollt zu sein; ich fühlte mich sehr sicher auch als Alleinreisende; das Land ist einfach einzigartig und kultiviert und sehr zuvorkommend zu Europäern!
Aserbaidschan kann man auf alle Fälle jedem empfehlen, der das BESONDERE sucht in punkto Reiseerlebnis. Das gilt auch für mich, ich komme gerne wieder – zumal auch meine Neugierde und der Entdeckergeist aufs Positivste gestillt wurde.
Unbedingt erwähnenswert: die Sauberkeit der Stadt/Land ist einzigartig- es wird den ganzen Tag über gekehrt und geputzt und zwar händisch – hier könnten sich so manche Länder was Abschauen.
Reiseinfos:
beste Reisezeit: April bis Juni dann wieder ab Herbst
Sprache: man sollte die Landessprache aserbaidschanisch, russisch oder türkisch – zumindest einige Sätze davon – sprechen können….
Geldwechsel: am Flughafen oder in den vielen Wechselstuben der Stadt – Manat (AZN) ist die Währung: entspricht ungefähr ca. 1:1 (1 Manat ist 1.- Euro)
Zeit: + 3 Stunden MEZ
Bevölkerung ist sehr zugänglich und freut sich über jeder Art der Kommunikation
Abflug ab Österreich: Wien – Baku direkt oder Wien – Frankfurt – Baku
Einreise: man benötigt ein Visum: hier hilft die aserbaidschanische Botschaft in Wien; ich habe selten so eine hilfsbereite Botschaft kennengelernt – außerdem wird hier DEUTSCH gesprochen! zeugt von Respekt unserem Land gegenüber!!!

www.azembassy.at
Tel. +43 (0)1-40313220/A-1130 Wien

Fotos: Eindrücke von Aserbeidschan – fotocredit: ifpa/AB

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg