Regisseur Hans Steinbichler aus dem Chiemgau drehte Film „Eine unerhörte Frau“

EINE UNERHÖRTE FRAU – so lautet ein Drama nach einer wahren Begebenheit, das vom Chiemgauer Hans Steinbichler als Regisseur verfilmt wurde. Kino-Start ist am 6. Oktober. KURZINHALT

Was, wenn einem niemand glauben will. Schon als Kind keiner so richtig glauben wollte. Hanni, Bäuerin und dreifache Mutter, macht sich Sorgen um ihre jüngste Tochter Magdalena. Das Mädchen ist kleiner als die anderen, empfindlicher, bricht oft, sieht immer schlechter. Bestimmt die Psyche, sagen die Ärzte, die Lehrerin und auch die Familie. Eine Brille mit Fensterglas wird sicher helfen. Aber Hanni ist Magdalenas Mutter und sie spürt, dass eine Brille nichts ändern wird, dass es um mehr geht. Selbst geplagt von einer unerhörten Jugenderinnerung beginnt sie, unbeirrt und unaufhaltsam, um das Leben ihrer Tochter zu kämpfen und setzt dabei nicht nur das Familienglück und ihre Existenz aufs Spiel, sondern schreckt am Ende auch vor der bayerischen Justiz nicht zurück.

Rosalie Thomass spielt Hanni so voll überzeugender Leidenschaft und Willenskraft, dass man gar nicht anders kann, als an sie zu glauben. Ein Familiendrama von zwingender Intensität, über den Kampf um Gerechtigkeit und die Hoffnung, die man nie aufgeben darf – erzählt nach einer wahren Begebenheit.

PRESSENOTIZ

Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt EINE UNERHÖRTE FRAU die Geschichte einer bayerischen Erin Brockovich, die um das Leben ihrer Tochter und gegen die Mühlen der Justiz für die Wahrheit kämpft. Unbequem, unbeirrt und unaufhaltsam.

Die Filmhandlung basiert durchgehend auf den biografischen Aufzeichnungen der realen Protagonistin Angelika Nachtmann, nach deren Vorlage die Autoren Angelika Schwarzhuber und Christian Lex das Drehbuch geschrieben haben. Der Regisseur Hans Steinbichler beweist dabei erneut sein filmisches Feingefühl für Stoffe, die nicht leicht wiegen. In seiner Umsetzung findet die Geschichte, die auf drei ineinander verwobenen Zeitebenen erzählt wird, eine beeindruckende Dichte und trifft dabei genau den richtigen Ton. EINE UNERHÖRTE FRAU zeigt in allen Facetten, was Film wirklich kann – Menschen bewegen und für seine Botschaft gewinnen. In diesem Fall, dass es das Wichtigste ist im Leben, nie aufzugeben.

Die Mischung aus Drama und Gerichtsfilm wurde in München und Umgebung sowie in New York gedreht und feierte auf dem Münchner Filmfest Premiere. Dort wurde der Film auch mit dem One-Future-Preis der Interfilm-Akademie sowie auf dem Fünf Seen Festival mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Auf dem Festival des Deutschen Films in Ludwigshafen wurde er als Offizieller Wettbewerbsbeitrag gezeigt (Preis für Casting) und lief auf dem Filmfestival Kitzbühel in der Official Selection.

INHALT

Hanni bewirtschaftet mit ihrem Mann Sepp, ihrer Schwiegermutter Erni sowie ihren beiden Kindern Johannes und Matthias einen Bauernhof im bayerischen Fünfseenland. Als sie erneut schwanger wird und ein Mädchen zur Welt bringt, scheint das Glück bis auf kleinere Auseinandersetzungen mit der Schwiegermutter perfekt. Doch Magdalena zeigt mit den Jahren rätselhafte Symptome in ihrer körperlichen Entwicklung. Sie ist nicht nur die Kleinste und Zierlichste in der Schule, ihr Wachstum stoppt mit neun Jahren sogar gänzlich und auch gesundheitlich nehmen die Beschwerden zu. Magdalena muss sich nachts regelmäßig übergeben, fühlt sich zunehmend kraftlos und sieht immer schlechter. Während die Ärzte, die Lehrerin und auch die Familie die Auffälligkeiten für Simulation und das Mädchen für psychisch labil halten, spürt Hanni, dass ihre Tochter ernsthaft krank ist. Und dass die Uhr tickt. Deshalb setzt die Mutter alles in Bewegung, um Magdalena zu helfen. Denn Hanni kennt das Gefühl nur zu gut, dass ihr keiner glaubt. Als sie so alt war wie ihre Tochter heute, wurde sie sexuell missbraucht. Nicht einmal ihre eigene Mutter wollte ihr damals zuhören, geschweige denn Glauben schenken. Erst ein Gerichtsprozess brachte die Wahrheit ans Licht. Zu spät für Hannis Vertrauen in ihre Eltern.

Verzweifelt sucht Hanni einen Arzt, der Magdalenas Symptome richtig deuten kann. Nachts studiert sie medizinische Fachbücher, tagsüber versucht sie dem Alltag auf dem Hof gerecht zu werden. Doch ihr Mann Sepp und die beiden älteren Söhne fühlen sich zunehmend vernachlässigt. Was Erni ausnutzt, um nun auch den Rest der Familie gegen die Schwiegertochter aufzubringen. Sepp flüchtet ins Wirtshaus und in die Arme einer anderen Frau, die Söhne wünschen sich ein Leben ohne die Schwester zurück. Die Familie droht zu zerbrechen.

Doch selbst davon lässt sich die junge Bäuerin nicht beirren und kämpft unaufhaltsam weiter dafür, eine Lösung für Magdalena zu finden, die immer schwächer wird. Schließlich erkennt die Endokrinologin Dr. Espach nach gründlichen Untersuchungen endlich die wahre Ursache, einen Tumor in Magdalenas Gehirn, Magdalena droht das Augenlicht zu verlieren. Doch kein Arzt in Deutschland ist bereit, in diesem fortgeschrittenen Stadium eine Operation zu riskieren. Nachdem das Mädchen nicht mehr transportfähig ist, reist Hanni selbst nach New York und überredet dort mit letzter Kraft in einer eindrücklichen Szene den Spezialisten Dr. Bergmann nach Deutschland zu kommen, um die hochriskante Operation durchzuführen. Die Chancen stehen schlecht, doch Hanni und Sepp glauben gemeinsam an ihre Tochter. Als Magdalena aus der OP erwacht, kann sie wieder sehen, der Tumor konnte entfernt werden.

In einem spektakulären Prozess vor dem Münchner Landgericht, gegen den Freistaat Bayern, der Hanni fast die finanzielle Existenz kostet, kann sie am Ende die jahrelange Fehldiagnose nachweisen und die schuldigen Ärzte endlich zur Verantwortung ziehen.

Foto: Regisseur Hans Steinbichler c Robert Bohlen für soulkino  –   Filmplakat

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg