Rarer Wessner Aufnacht am Samstag, 6. August in Unterwössen

125 Jahre jung ist der Trachtenverein D’Achentaler. Er wird sein Jubiläum am Samstag, 6. Augusts, 20 Uhr, mit einem einem einzigartigen Abend im Festzelt des 80 Gaufest des Chiemgau-Alpenverbandes feiern. Monatelang ist geplant, lange Nächte geprobt. Schon jetzt sind alle Beteiligten traurig, weil es diesen Abend nur ein Mal geben wird. Ein Abend, in dem sich der Verein in seiner ganzen Bandbreite beschreibt. Ein Abend, der mit mit Film und Bildern, mit Theaterspiel, Tanz und Musik weit in die Vereins- und Dorfgeschichte blickt.

Der Abend blickt in eine Geschichte, die der aus Erding stammende Wirtssohn Josef Meth zündete, als er die Idee zu einem Trachtenverein mitbrachte. Am 21. März 1891 gründeten die Unterwössner beim damaligen Schaffererwirt, dem späteren Hotel zur Post, den Trachtenverein. Sie wählten den Hinterwössner Stefan Entfellner zum Vorstand. Josef Meth wirkte als erster Vorplattler. Es war der erste Trachtenverein im Tal, so wählten die Gründungsmitglieder den Namen GTEV D‘Achentaler Unterwössen. Das Ziel gab die Gründungsurkunde vor: „die Gebirgstracht so gut wie möglich auch in hiesiger Gegend zu erhalten und zu verbreiten.“ Die war zunächst noch sehr vielfältig, wurde vom Geldbeutel und Geschmack geprägt. Die Gründungssatzung gab ein weiteres Ziel auf, „die oberbayerischen Nationaltänze hier und in nächster Umgebung zu erhalten und möglichst einzuführen.“ Damit war in erster Linie der Schuhplattler gemeint, denn Frauen konnten erst ab 1951 Vereinsmitglied werden.

Ein Jahr nach der Gründung wurden die Unterwössner Trachtler Mitglied im Gauverband I. 1897 bekam der Verein seine erste Fahne, Göd der Fahnenweihe war der GTEV Staudach. 1901 richteten die Unterwössner ihr erstes, das 11. Gaufest des Gaus, aus. Das laufende Gaufest ist das Vierte in Unterwössen. 1911 feierte das Tal das letzte Seeräuberspiel. Es dauerte bis 2001, dass es wieder aus der Taufe gehoben wurde. 1926 schieden die Unterwössner aus dem Gauverband aus und gründeten mit den Nachbarvereinen den Chiemgauer Alpenverband. Der ehemalige Unterwössner Vorstand Matthias Schrobenhauser leitete den Gau von 1926 bis 1958 mit kurzer Unterbrechung.

In den zwanziger Jahren war das Wirken des Vereins spürbar. Die Männer trugen jetzt einheitlich grüne Joppen, die Frauen das „Röcke“, welches es vor dem Ersten Weltkrieg noch nicht gab. Ende der 30er Jahre und während des Zweiten Weltkriegs kam das Vereinsleben völlig zum Erliegen. Doch in der schwierigen Nachkriegszeit war das Bedürfnis nach Gemeinsamkeit groß. Heimlich wurde während des Ausgangsverbots der Alliierten ab 1946 geprobt. Nachdem die Trachtenvereine von den Amerikanern schleppend genehmigt waren, hatten die GIs, die amerikanischen Soldaten, ihre Freude an Plattler und Steirer. Die Jugendlichen wurden mit Orangen, Schokolade und Kaugummi belohnt. Mit dem weiter voranschreitenden Fremdenverkehr erfuhr der Verein einen kräftigen Anschub Almtänze, Begrüßungsabende und Heimatsabende waren gefragt. Mit der historischen Gruppe konnten 1976 neue Mitglieder gewonnen werden. Die 1958 aufgelöste Theatergruppe wurde 1981 neu belebt. Unterwössner Trachtler zog es in die Welt. Sie traten in Paris und in Las Vegas auf. Eine Tournee führte sie durch Afrika. Sie hatten Termine in Moskau. Mit Auftritten bei den Olympischen Spielen 1972 und der Fußballweltmeisterschaft 1974 trugen den Ruf der Trachtensache in die Welt. Der fast 500 Mitglieder starke Verein war immer fester Bestandteil des Dorfes. Das hat ihm zum diesjährigen Gaufest tatkräftige Unterstützung aller Vereine und des ganzen Dorfes eingetragen.

Foto:  Der früh entstandene Trachtenverein D‘Achentaler Unterwössen übernahm Patenschaften für eine Reihe anderer Gründungen. 1919 stellten sich die Unterwössner beim Gründungsfest in Oberwössen dem Fotografen, 1921 übernahmen sie die Patenschaft bei den Rechlbergern.

Bericht und Repro: Ludwig Flug

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg