Priener Ratschkathl´n und gute Blasmusik beim Starkbierfest in Prien

Ein ganzes Jahr passten die aus dem Bauernhof „Hansl in der Leit´n“ stammenden Schwestern Rosi Hell und Brigitte Sperger auf, was in Prien und nächster Umgebung so alles geschah. Ihre Notizen und Erkenntnisse gaben sie nunmehr beim Starkbierfest der Priener Blaskapelle im Großen Kursaal zum Besten – und hatten bei zwei Auftritten einen großen Lacherfolg. Verschont wurde dabei niemand: ob Pfarrer, Bürgermeister oder Vereine, für alle hatten die Ratschkathl´n etwas parat.„Himmel, ich danke Dir für das Zölibat!“ – mit diesem Stoßgebet wurde Pfarrer Klaus Hofstetter von den ratschenden Schwestern zitiert nachdem ihm bei der Wallfahrt der Priener Trachtler vor deren Gaufest beim Versuch, das Wort zu übernehmen selbiges von Rosi Hell abgeschnitten worden war. Das Gaufest der Priener Trachtler war natürlich ein besonderer Schwerpunkt bei den „Ratschereien“. So wurde Bürgermeister Jürgen Seifert ob seines schönen Trachtengewandes samt grauer Joppe und Chiemgauer Trachtenhut gelobt. „Gut, dass Sie von den Trachtlern so gut unterstützt worden sind!“ – so die Frauen, die dem Bürgermeister und auch dem Pfarrer ob ihrer stets korrekten Kleidung eine passende Modeberatung bescheinigten. Orientierungssuche bei Kleidung und auf Wegen war an diesem Abend immer wieder ein Thema. So kamen beim ersten Einsatz die beiden Frauen verunsichert in den Kursaal und suchten sich mit einem Kompass nur mühsam den Weg zum Rednerpult auf der Bühne. Dort angekommen ging das Mundfeuerwerk richtig los, unterbrochen wurde dieses nur durch reichlichen Zwischenbeifall. Verschont wurden dabei weder Ehrenbürger Michael Anner als Vorsitzender des Fördervereins für die Blaskapelle Prien, die Priener Geistlichkeit (neben Pfarrer Hofstetter auch noch Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth von der Evangelischen Kirchengemeinde und Andreas Sargant von der Neuapostolischen Kirche) noch die einzelnen Gemeinderäte. Deren Brotzeitverhalten bei den Sitzungen wurde besonders unter die Lupe genommen. Thomas Ganther – zum Beispiel – kommt gerne mit Rucksack, Gemüse und Nudelsalat und „vielleicht demnächst mit dem Camping-Kocher“ in den Sitzungssaal. Und die Gemeinderäte Werner Waap und Christoph Bach haben schon des öfteren von ihren Äpfeln Teile an den Bürgermeister aufgrund von dessen Obstgelüste während der Sitzung abgeben müssen (damit der Bürgermeister zukünftig selbst versorgt ist, bekam er ein Sackerl mit frischen Äpfeln). „Zukünftig gibt es keine Brotzeiten mehr, sondern eine gescheite Pause“, so Rosi Hell, die sich als Mitglied des Gemeinderats selbst nicht von ironischen Erinnerungen verschonte, zum Beispiel was die „Graffewand“ im Eichental anbelangt. „Die Hell redet manchmal auch nur, damit sich die Luft bewegt und sie ist eine würdige Nachfolgerin von Georg Fischer, der immer gegen alles war“. Bei der „Graffewand“ waren mehrere Gemeinderäte überrascht als diese enthüllt wurde, nachher kam es zu gedanklichen Kehrtwenden. „Aber ehrlich gesagt, ´manche Leute sollten besser daheim zusammenräumen bevor sie uns wegen diesem Kunstobjekt belehren!“ –so die Ratschkathln. „Schade um den geplanten Naturpark, jetzt bekommen wir keinen höheren Milchpreise und volle Ferienwohnungen, jetzt tümpeln wir touristisch weiter so dahin“, zu diesem Thema passte ein Schwenk auf die neue Geschäftsführerin der Prien Marketing GmbH Andrea Hübner, deren Idee von der Aktion „Wir warten auf den Osterhasen“ als eine von vielen neuen Marketing-Aktionen besonders gewürdigt wurde. Natürlich durften auch Großbaustellen wie das Bahnhofsumfeld, am Eglwieser oder zum Hochwasserschutz ebenso wenig fehlen wie die Chiemsee-Bahn (mit Gleis- und Kohlen-Hinweisen) sowie das Asyl-Thema. „Die Priener verstehen Andere, auch wenn sie eine andere Sprache sprechen, ein bestes Beispiel für die richtige Integration ist doch der aus Franken stammende Priener Bürgermeister“ so Rosi Hell und Brigitte Sperger. Gleichsam als zukünftige Grundausrüstung zur Bewältigung seiner Amtsgeschäfte bekam Bürgermeister Seifert noch den Starkbierfest-Kompass und eine kleine, eher wieselhaarige Fichte in einem Topf. Deren Daxen sollen im Falle einer Schirmherrschaft des Priener Bürgermeisters beim nächstjährigen Gautrachtenfest des Chiemgau-Alpenverbandes beim Trachtenverein „Daxenwinkler“ Atzing für den richtigen Hutschmuck sorgen.

Neben den beiden Ratschkathl´n stand noch die Priener Blaskapelle im Mittelpunkt des Starkbierabends im Großen Kursaal, der von den Wirts- und Serviceleuten des Schlosshotels Herrenchiemsee und der Mesnerstuben von Urschalling umsichtig bewirtet wurde. Die Blasmusik selbst unter der Leitung von Stefan Fußeder (ihm wurde noch herzlich zur Geburt eines Sohnes gratuliert) spielte in großer Besetzung mit Solisten-Einlagen zur Unterhaltung auf. Als Getränke gab es süffige Biere vom Hofbräuhaus Traunstein, das an diesem Tag von Bräu Bernhard Sailer und von Rudi Lutz vom Aussendienst vertreten war. Nach dem gelungenen Gaufest mit dem GTEV Prien war die Veranstaltung im Kursaal für das Hofbräuhaus fast schon ein Heimspiel – ebenso wie das Anzapfen von Bürgermeister Jürgen Seifert bereits große Routine zeigte. Nach nur zwei kräftigen Schlägen floss das Bier in die Maßkrüge und dem ersten Prosit auf die Starkbierzeit sowie einer Namenstags-Gratulation auf alle anwesenden Josefs und Josefines folgte ein genüsslicher Abend. Bekanntgegeben wurde noch, dass die Priener Blasmusik am Sonntag, 24. April ein Benefiz-Kirchenkonzert zugunsten des Kreuzweges nach St. Salvator geben wird.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom Starkbierfest im Großen Kursaal in Prien mit Rosi Hell und Brigitte Sperger als Ratschkathl´n und mit der Priener Blasmusik.
Nähere Informationen: www.prien.de

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg