Priener Ludwig-Thoma-Chor begeisterte in Bennoberg

Die Besucher, die am Dreikönigstag in so großer Zahl nach Bennoberg gekommen waren, dass die Kirche sie kaum fassen konnte, erlebten ein außerordentlich beeindruckendes Konzert, das vom ersten Einsatz des Chores eine Faszination ausübte, die bis zum Verklingen der letzten Zugabe anhielt und sich dann in lang anhaltendem Beifall löste.Sebastian Weyerer, der Gründer und Leiter des Ludwig-Thoma-Chores aus Prien, hatte dem Programm ein in sich stimmiges musikalisches, textliches, dramaturgisches Konzept zugrunde gelegt, das einfache, innige Volksweisen (im Frauen-Dreigesang) mit bekannten festlichen Chorsätzen (etwa „Machet die Tore weit“ von A. Hammerschmidt, „Heilige Nacht“ von J.F. Reichardt oder „Adeste fideles“ von C. Thiel) und seltener gehörten (wie Regers „Unser lieben Frauen Traum“ oder das „Ave Maria“ in altkirchenslawischer Sprache von S. Rachmaninov, vor allem aber das hier noch ganz unbekannte „Sanctus“ aus der Tassilo-Messe von S. Weyerer) miteinander zu einer überzeugenden Einheit verbunden hat.
Gegliedert war das Programm durch drei Lesetexte, die die hinreichend geläufigen Evangelienabschnitte von der Verkündigung an Maria, von der Geburt Jesu und vom Auftritt der sternkundigen Weisen beinhalteten. Aber man hatte sich für die sehr wortbewusste Übersetzung von Fridolin Stier entschieden, die in einer besonderen Weise zu- und aufhorchen ließ.
Die übers Programm verteilten Harfenstücke von Silke Katzenbach, das von Birgit Stöckl angestimmte Schlusslied und die Schwarzenstoaner Sängerinnen zeigten, dass auch ein vielfältiges solistisches Potential im Chor steckt.

Sebastian Weyerer hat mit dem Chor einen Klangkörper geschaffen, dem man die intensive A-capella-Schulung jeden Augenblick anhört und die sich in einer sehr textbezogen fein schattierten Dynamik zeigt, die vom fast ekstatisch strahlenden Fortissimo im „Hosanna“ der Tassilomesse bis zum kaum noch hörbar verhauchten Pianissimo-Schluss des „Bogoroditse Devo“ reicht. Und die außergewöhnlich reine Akustik des Bennoberger Kirchleins trug diese dynamischen Differenzierungen in ungebrochener Klarheit in den Raum.
Die Schwarzenstoaner Sängerinnen (Agnes und Anneliese Staber, Gabi Reiserer) intonieren absolut rein und in vollkommen transparenter Leichtigkeit, singen ihre Texte nicht nur ab, sondern legen sie dem Publikum sozusagen wie eine Botschaft ans Herz.

Das Konzert hatte begonnen mit dem Einzug des Chores, der schon draußen vor der Kirchentür einen schlichten Kanon anstimmte und schrittweise den Kirchenraum mit sich steigerndem Klang anfüllte. In spielerischem Übermut begleitete er den Aufmarsch mit dem Geläute der Ministrantenglocken.
Und auch der Schluss des Konzertes bestand aus einem „Aufmarsch“, nämlich dem der Hl. Drei Könige aus Carl Orffs Weihnachtsspiel, das S. Weyerer am Orgel-Portativ mit sichtlichem Vergnügen an der Orffschen Lautmalerei als „Rausschmeißer“ vortrug; aber nicht nur dabei, sondern auch in den anderen Orgel-Solo-Stücken des Programms zeigte sich seine virtuose technische Meisterschaft am Orgel-Portativ.

Wesentlichen Anteil am Gelingen des Konzerts hatten die Mesnerleute Niedermaier, die sich unermüdlich um alle technischen Details und die Dekoration gesorgt hatten.
Es war eine ausgesprochen aufmerksame Geste der Veranstalter, den Zuhörern schon zu Beginn wärmende Decken anzubieten, damit die Kälte sie nicht allzu sehr durchdringe.
Doch herzerwärmend waren allemal das musikalische Erlebnis und die Begeisterung, die die Besucher mit nach Hause nahmen.
Aus dem Erlös an freiwilligen Spenden konnte für die Renovierung der Kirche ein fast vierstelliger Eurobetrag übergeben werden.
Bericht: Rudi Auer

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg