Pfarrer Johann Krämer in Raiten – Erinnerungen und Predigt

Eine „Trachtlerische“ Predigt hielt der heurige Haupt-Zelebrant der 65. Trachtenwallfahrt des Chiemgau-Alpenverbandes Johann Krämmer aus Marquartstein in Raiten im Chiemgau. Eingangs gab er seine ganz persönliche Beziehungen zu Raiten und zum Trachtenwesen bekannt. „Am 26. April 1943 hielt Johannes Strobl aus Raiten hier seine Primiz, Strobl war dann Kooperator in Prien (und später Expositus und Pfarrer in Wildenwart). Da ich in Prien geboren bin und dort Ministrant wurde konnte ich mich eines freundschaftlichen Kontakts erfreuen, den Johann Strobl mit allen Ministranten pflegte. Letztlich war der Raitener Johann Strobl der ausschlaggebende Impulsgeber, dass ich Pfarrer geworden bin“ – so Johann Krämmer. Zum persönlichen Trachtenvereins-Erlebnis sagte er, dass er nach nur wenigen Plattlerproben als Bub in Prien wieder heimgeschickt wurde, „weil er gar so lange Haxn hatte“.

Seine Predigt begann Hanns Krämmer mit der Struwelpeter-Geschichte „Hans Guck in die Luft“ und er warnte der Geschichte zufolge, dass man vor lauter Himmel schauen schon nicht mehr sieht, was vor den Füßen liegt. „Jesus ist da und schwebt nicht in der Luft, wir dürfen nicht auf das Jenseits schielen, wenn wir gegenwärtig die Welt nicht sehen“, so der Geistliche der noch an den Theologen mit dem zum Feiertag Christi-Himmelfahrt passenden Zitat erinnerte: „Himmelfahrt haben nur die verstanden, welche in die Welt gehen und von Jesus Zeugnis ablegen“. Ein ehrliches „Vergelt´s Gott“ sagte Johann Krämmer den Trachtlern für ihre intensive Jugend-Ausbildung und in besonderer Weise für das Mitmachen und Mitgestalten bei kirchlichen Festen. „Ob Advent, Weihnachten, Palmsonntag, Ostern, Fronleichnam, Erntedank, Kirchweih oder Marien- und Heiligenfeste – Ihr gebt mit verschiedenen religiösen Bräuchen vielen Menschen Kraft und Orientierung, die heutige Wallfahrt ist ein ganz besonderes Zeugnis davon“, sagte Pfarrer Krämer und er lobte diesbezüglich in Anwesenheit von Landesvorsitzendem Max Bertl ganz besonders das neue Trachtenkulturzentrum in Holzhausen, weil dort der Dialog zwischen Kirche und Brauchtumspflege ernst genommen wird. Zugleich mahnte der Geistliche die Grenzen zu erkennen, die dort beginnen, wo der Sinn eines Brauches zerstört und kommerzialisiert wird. „Mißbräuchen dürft Ihr nicht tatenlos zuschauen!“ – so Johann Krämer, der abschließend noch sagte, dass das Tragen der Tracht nichts Rückständiges, sondern der Weg zu mehr Lebensfreude ist.

Fotos:  Hötzelsperger – Eindrücke von der 65. Trachtenwallfahrt in Raiten mit Pfarrer Johann Krämmer

Nähere Informationen: www.chiemgau-alpenverband.de

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg