Offener Brief aus Bayern an Bundesministerin Hendricks

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Hendricks,

ich greife mit einem Offenen Brief zu einem Mittel, das unter Politikern nicht üblich ist und das auch nicht werden sollte. Mein Beweggrund dafür ist: Ich bin tief enttäuscht und verärgert. Mit Ihrer Kampagne, die ganz offensichtlich darauf abzielt, eine vor allem städtische Öffentlichkeit gegenüber der Landwirtschaft in Deutschland zu mobilisieren, verlassen Sie ein bisher unsere Gesellschaft tragendes Niveau politischer Auseinandersetzung und leisten einen gefährlichen Beitrag zu einer inneren Spaltung unserer Gesellschaft. Die von Ihnen ausdrücklich gebilligte Aktion Ihres Ministeriums geht bewusst und gezielt zu Lasten unserer ehrlich und hart arbeitenden Bäuerinnen und Bauern in unserem Land, die sich ein weiteres Mal von Ihnen und Ihrem Haus gedemütigt, ja verachtet fühlen. Diese Wirkung können Sie auch mit keinem Gegenargument abstreiten oder relativieren. Mit Ihrer Aktion zerschneiden Sie das Gesprächsband zwischen den Beteiligten und verhindern eine zielorientierte und ausgewogene Lösungsfindung.

Das ist nicht mein Verständnis von Politik, unabhängig davon, welcher politischen Partei man angehört. Deshalb gehen wir in Bayern auch einen anderen, einen besseren und erfolgreicheren Weg. Wir spalten nicht, wir versuchen Lösungen mit den Betroffenen und Beteiligten zu erreichen, indem wir miteinander sprechen, Meinungen, Vorstellungen und Ziele benennen und nach Möglichkeit gemeinsame Lösungen entwickeln. Dass dabei am Ende häufig Kompromisse stehen, ist ein wesentlicher Kern unserer politischen Verfassung und unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts in Deutschland. Dieses staatspolitische Grundverständnis verlassen Sie mit Ihrer Aktion. Sie setzen nicht auf Menschen und ihre positive Gestaltungskraft und auch nicht auf Anreize zum freiwilligen Mitmachen sondern auf Gängelung und jetzt sogar- ein neuer Tiefpunkt – auf Diskriminierung

Deshalb fordere ich Sie auf, von der geplanten Aktion abzulassen, zur Achtung aller Menschen und des bäuerlichen Berufsstandes zurückzukehren und so auch die Dialogfähigkeit mit unseren Land- und Forstwirten zurückzugewinnen.

Mit freundlichen Grüßen

Helmut Brunner, Bayerischer Staatsminister für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg

2 Antworten für Offener Brief aus Bayern an Bundesministerin Hendricks

  1. Waschin Gerhard 9. Februar 2017 at 20:29

    ich glaube nicht, dass sich die verantwortungsbewussten Bauern angesprochen fühlen !

  2. Waschin Gerhard 9. Februar 2017 at 20:35

    ….ja, stimmt denn das auch nicht ?