Novelle des Bundeswaldgesetzes nicht zustande gekommen

Die Novelle des Bundeswaldgesetzes ist nicht zustande gekommen. Anlässlich dessen forderte Philipp Freiherr zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, die Landesregierungen auf, jetzt die nötigen Reformen einzuleiten.

Es müssten jetzt kartellrechtskonforme Strukturen geschaffen werden, damit die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder gerade im Kleinprivatwald weiterhin gewährleistet wird. „Alle Akteure sind aufgerufen, zusammen Lösungen zu finden. Dabei kann es keine maßgeschneiderte Antwort auf Bundesebene geben, da sich die Strukturen in den Ländern zu stark unterscheiden.“ Aufgabe der Bundesregierung, so zu Guttenberg, sei es, gerade im Hinblick auf die Förderung sichere und verlässliche Rahmenbedingungen zu bieten, innerhalb derer die Forstbetriebe wirtschaften können. „Für uns steht die Stärkung des Kleinprivatwaldes im Fokus“, sagte der AGDW-Präsident. „Dieser ist eine zentrale Säule der Waldwirtschaft in Deutschland. Daher müssen die Zusammenschlüsse der Kleinprivatwaldbesitzer gestärkt werden.“ 

In Deutschland ist der große Teil der Kleinprivatwaldeigentümer in Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüssen, vor allem in Forstbetriebsgemeinschaften, organisiert. Für viele Eigentümer von Flächen mit kleinen Hektarzahlen ist die Mitgliedschaft in einer gut organisierten Gemeinschaft die beste Möglichkeit, den Wald nachhaltig und professionell zu bewirtschaften. „Die Stärkung dieser Zusammenschlüsse ist in vielen Regionen jedoch kein Selbstläufer. Daher brauchen wir eine gute und konstruktive Zusammenarbeit zwischen Staat und Waldeigentümern, um funktionierende privatrechtliche Organisationsstrukturen zu etablieren und die bereits existierenden zu stärken“, sagte zu Guttenberg.

Dazu sei der Übergang von der indirekten zur direkten und damit effektiven Förderung notwendig.  Zu Guttenberg: „Maßgeblich ist die Hilfe zur Selbsthilfe. Daher müssen wir auch auf Bundesebene neue Wege finden, mittels derer die Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse effektiv gefördert werden.“

In diesem Zusammenhang wies zu Guttenberg die geplanten Kürzungen für die forstliche Förderung im Bund-Länder-Programm „Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes“ (GAK) entschieden zurück. „Jegliche Kürzungen sind Stolpersteine für unsere Branche“, so der AGDW-Präsident, „zumal dieses Programm auf die Stärkung des ländlichen Raumes und die Stabilisierung unserer nachhaltigen Forstwirtschaft ausgerichtet ist.“ Zudem forderte er, dass die zuständigen Ressorts der Landesregierungen weitere Möglichkeiten ausloten, die Strukturen der Kleinprivatwaldbesitzer zu unterstützen. „Dies darf aber nicht hinter geschlossenen Türen stattfinden. Wir wollen keinen ‚closed shop‘ – alle beteiligten Akteure müssen dazu an einen Tisch“, forderte zu Guttenberg.

Der Präsident verwies außerdem auf die bereits bestehenden gut organisierten und erfolgreichen Zusammenschlüsse. „Auf deren Erfahrung und Wissen können jene Zusammenschlüsse zurückgreifen, die sich professionalisieren wollen“, sagte zu Guttenberg. Ein Teil von ihnen hat sich unter dem Dach der AGDW in einem Initiativkreis zusammengeschlossen, der Hilfe und Unterstützung mit einer Fülle von „Best-Practice-Beispielen“ aus der nachhaltigen Waldbewirtschaftung bietet. Auch der Bundeskongress für die Führungskräfte der Forstwirtschaftlichen Zusammenschlüsse (BUKO), der jedes Jahr stattfindet, ist eine zentrale Plattform für deren Professionalisierung und die Schaffung leistungsfähiger Strukturen. Zu Guttenberg: „Die jahrzehntelange Vorarbeit bietet einen wertvollen Fundus und Erfahrungsschatz, mit dem das Rad nicht immer neu erfunden werden muss.“

Weitere Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter www.waldeigentuemer.de

Hintergrund zur Waldwirtschaft:

  • Die Waldeigentümer:
    • Von den 11,4 Millionen Hektar Wald in Deutschland sind 67 Prozent Privatwald sowie Kommunal- und Körperschaftswald.
    • Fast die Hälfte (48 Prozent) der 11,4 Millionen Hektar sind Privatwald. Er überwiegt häufig in den dünner besiedelten ländlichen Regionen.
    • Der Privatwald in Deutschland ist überwiegend klein strukturiert und zersplittert. Rund die Hälfte der Privatwaldfläche teilen sich Betriebe mit weniger als 20 Hektar.
    • Nur 13 Prozent des Privatwaldes gehören zu Betrieben mit einer Größe über 1.000 Hektar.
    • Die Klein- und Kleinstwaldflächen in Privatbesitz sind vielfach im Zuge der historischen bäuerlichen Besiedelung oder durch Erbteilung, Teilung der Allmende oder Aufforstung landwirtschaftlicher Flächen entstanden.
  • Der Kleinprivatwald:
    • Die durchschnittliche Familienforstwirtschaft hat eine Größe von rund 2,7 Hektar
    • Besonders niedrig ist der Durchschnitt in Rheinland-Pfalz mit 0,7 Hektar und in Thüringen mit rund 1 Hektar, in Bayern und Baden-Württemberg liegt er bei gut 2 Hektar.

Foto: Hötzelsperger – Starke Eiche im Spreewald

 

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg