Neues von der Chiemgauer Rumänienhilfe – Weihnachtsaktion soll eingestellt werden

Seit 28 Jahren kümmert sich Hans Alt aus Reichertsheim um die Chiemgauer Rumänienhilfe. Ein Bestandteil davon ist die Weihnachtsaktion und diese will Hans Alt aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Nachfolgend der BRIEF.

Liebe Freunde, Helferinnen und Helfer, Ihr werdet euch vielleicht ein wenig über  diesen Brief wundern, doch den Grund dafür will ich gleich näher erklären. Vor 28 Jahren, es war Weihnachten 1989, als in Rumänien Ceausescu gestürzt wurde, machte ich mich zum ersten mal mit diversen Hilfsgütern, damals noch mit meinem Campingbus und einem Freund, auf den Weg nach Rumänien, ohne auch nur zu ahnen, was sich daraus entwickeln würde. Es war Winter, bitterkalt und ein nicht ganz einfaches Abenteuer. Seither hat sich vieles verändert, manches wurde unbestritten besser, doch leider ist Hilfe für die Bedürftigen Menschen immer noch wichtig und nötig, „Arme wird es immer unter euch geben“, so sagt es schon die Bibel.  Matth. 26,11.

Die Jahre vergingen, sehr viele Erlebnisse hatte ich in diesen Jahren, die schönen bleiben in der Erinnerung. Unser Freundeskreis konnte viel helfen, seien es arme Familien, Kinder, alte Menschen, Krankenhäuser, Kinder- und Altenheime und noch vieles mehr. Darüber hinaus  durfte ich auch, hier bei uns und in Rumänien, wirklich viele nette Leute kennenlernen. Daraus entstanden Freundschaften die ich nicht missen möchte. Jedoch  die Zeit ging auch  nicht spurlos vorbei, ja, man kann sagen, „der Zahn der Zeit nagt auch an mir“. Bald soll ich, kaum zu glauben, 78 Jahre hinter mir haben. Schon seit längerer Zeit meinte mein Hausarzt, dass ich etwas kürzer treten solle. Doch bisher fühlte ich selber das noch nicht so, um es ernst zu nehmen. Aber Mitte Mai hatte ich, ganz ohne Vorwarnung, Probleme mit der Gesundheit und wurde vom Hausarzt ins Inn-Salzach Klinikum Gabersee geschickt, wo mich die Ärzte etwas genauer angeschaut haben. Übrigens mein erster Aufenthalt im Krankenhaus. Zum Glück war es nun nicht wie anfänglich befürchtet etwas mit Herzinfarkt oder Schlaganfall, Gott sei Dank! Der Gleichgewichtssinn ist mir ein wenig durcheinander gekommen, angeblich eine Virusinfektion? Das ist jedoch auch nicht sehr angenehm. Mit Ergotherapie und etwas Zeit soll es besser werden und ohne bleibende Nachwirkungen wieder heilen, so hoffe ich.

In diesen Tagen im Bett hatte ich Zeit und Ruhe um nachzudenken, insbesondere über die Arbeit mit Rumänien. Kürzer trete ich schon seit einiger Zeit, nachdem wir keine Möbel mehr annehmen und das will ich auch ganz konsequent weiter so halten. Sehr viel Stress bedeutet jedoch jedes Jahr die „Weihnachtsaktion“ der Schulen für die Kinder. Das beginnt schon im September mit den Anschreiben an die Schulen und steigert sich im November mit den Sammeltouren und im Dezember mit der Fahrt nach Rumänien kurz vor Weihnachten, von der wir meist erst wenige Tage vor dem Fest zurück kommen. Auch hierbei durfte ich mit meinem Team wirklich so viele nette Leute kennenlernen. Ich bekam sehr viel Unterstützung von den Schulen und den vielen Helferinnen und Helfern, ohne die es nicht zu machen gewesen wäre. Dafür bin ich allen von ganzem Herzen dankbar. Ja, natürlich ist es eine große Freude, wenn man dann in die leuchtenden Kinderaugen schauen kann, das entschädigt für viele Strapazen.

Etwa 800.000 bis 900.000 Päckchen werden es wohl im Laufe der Jahre gewesen sein. Wer jemals in diesen Jahren mit dabei war wird sich gerne an die Freude der Kinder und auch an die dankbaren Eltern erinnern. Doch nach dieser „Warnung“ habe ich mich entschlossen, diese Aktion zu beenden um mehr Ruhe zu bekommen. Mir tut das wirklich sehr leid und ich hoffe, dass Ihr mich verstehen könnt. Die Gesundheit geht vor und mit Gottes Hilfe will ich auch noch weiterhin diesen Dienst am Nächsten tun, solange es die Gesundheit erlaubt.

 Mit Eurer Hilfe will ich die Kleidertransporte schon noch beibehalten, denn sie sind nach wie vor sehr begehrt.

Rosalie und Schwester Maria sowie Pfarrer Wagner und die anderen Partner freuen sich immer, wenn ein Transport kommt, denn unsere Sachen sind wirklich gut sortiert. Dass ich diesen Dienst leisten konnte und hoffentlich noch lange weiter leisten kann, verdanke ich natürlich den emsigen Sammlerinnen im Land und ganz besonders dem gesamten Team meiner Lademannschaft, das immer zur Stelle ist wenn ich Hilfe brauche, denn ohne diese großartigen Helfer würde das nicht funktionieren. Danke an Euch liebe Freundinnen und Freunde für die langjährige Treue. Auf das gemütliche Beisammensein nach getaner Arbeit würde ich auch nur ungern verzichten. Es ist einfach schön, gleichgesinnte Freunde an der Seite zu wissen.

Sehr wichtig ist auch, dass wir das Kinderheim in Dobreni weiterhin unterstützen. Besonders jetzt, nach dem Brandunglück sind die Heimeltern mit den Kindern um jede Hilfe, insbesondere Geldspenden für den Wiederaufbau so dankbar. Ebenso wichtig finde ich, dass die Kinder, gemeinsam mit noch anderen Kindern aus sehr armen Familien in den Sommerferien einige erholsame Tage in den Bergen oder am Meer verbringen dürfen. Mit Eurer Hilfe ist das sicher möglich.

Auch die Förderung von sehr begabten Schülern aus der nördlichen Bergregion des Landes ist eine wichtige Hilfe und vor allem ein Investition in die berufliche Zukunft dieser Kinder. Denn nur mit einer guten Schulbildung bekommen sie eine Lebensperspektive. Mit monatlich 50€ ermöglichen wir den Kindern, das weit entfernte Gymnasium zu besuchen.

Vielleicht gelingt es, das wäre mein ganz großer Wunsch, unsere Hilfe noch mehr auf Geldspenden, insbesondere Dauerspender einzustellen. Damit wäre es auch gut zu machen, dass unsere Freunde und Partner in Rumänien, wie schon öfters in den letzten Jahren, von uns Geld bekommen und damit vor Ort einkaufen, um Lebensmittelpakete zu packen die sie dann an die Bedürftigen verteilen. So könnte unsere Hilfe noch lange Zeit ganz gut zur Freude der Armen Leute und Kinder weitergehen.

Mit etwas Wehmut schrieb ich Euch, liebe Freunde, diesen Brief, doch ich hoffe auf Euer Verständnis und würde mich freuen, wenn Ihr unserer Rumänienhilfe weiterhin treu bleiben würdet. Einen schönen Sommer mit viel Sonne sowie erholsame Urlaubstage wünscht Euch

Euer Hans Alt – Pfarrer-Huber-Str. 22, 84437 Reichertsheim, Tel. 08072-3193 – email info@rumaenienhilfe-ramsau.de

Spendenkonto: Raiffeisenbank Haag, Hilfsfond der Franziskanerinnen, Kennwort Rumänienhilfe IBAN: DE 74701693880000427195  – BIC: GENODEF1HMA

Fotos: Eindrücke von der Arbeit der Chiemgauer Rumänienhihlfe

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg