Milchkrise: Brunner fordert vom Handel Neuverhandlungen

Der Milchpreis beginnt wieder zu steigen, aber viele Bauern haben nichts davon. Sie können von der sich abzeichnenden Erholung auf dem Milchmarkt über Monate hinweg nicht profitieren, weil sie durch langfristige Verträge gebunden sind, die in der Tiefpreisphase ausgehandelt worden waren. Deshalb hat Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner angesichts der schon in den kommenden Tagen zu erwartenden Anhebung des Butterpreises im Lebensmitteleinzelhandel an die Branchenriesen Aldi, Lidl, Edeka und Rewe appelliert, ihre laufenden Lieferverträge rasch zugunsten der Erzeuger nachzubessern. „Namhafte Vertreter des Lebensmitteleinzelhandels haben mir mehrfach signalisiert, dass sie sich ihrer Verantwortung gegenüber den Milcherzeugern bewusst sind. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen, um dieser Verantwortung gerecht zu werden“, heißt es in dem Schreiben des Ministers und: „Mit der Nachverhandlung leisten Sie einen wichtigen Beitrag, um die schwierige Situation unserer Milcherzeuger sofort und nachhaltig zu verbessern.“ Laut Brunner muss es auch im Interesse des Handels liegen, die bäuerliche Milchviehhaltung, wie sie gerade Bayern idealtypisch repräsentiert, in ihrer ganzen Vielfalt zu erhalten. Denn wenn das anhaltende Tief der Erzeugerpreise immer mehr Milchbauern zum Aufgeben zwinge, würden auch die von den Verbrauchern immer stärker nachgefragten Lebensmittel aus regionaler Produktion immer knapper.

Nach Aussage des Ministers weisen die nationalen und internationalen Preisindizes seit kurzem auf eine punktuell beginnende Erholung des Milchmarkts hin, insbesondere bei Milchfett und Milchpulver. Der Lebensmitteleinzelhandel hat darauf bereits mit einer deutlichen Anhebung des Butterpreises für die ab Juli laufenden Kontrakte reagiert. Bei Milch, Joghurt und Käse laufen die schon im Frühjahr ausgehandelten Kontrakte noch bis Herbst.

 

Anton Hötzelsperger

Nachrichten

Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg