Lebenswerk der Künstlerin Elisabeth Kronseder auf dem Samerberg zu sehen

Eine liebevolle Betrachtung eines Lebenswerkes kann man zurzeit in Oberschöffau am Samerberg bewundern. 125 Jahre alt wäre „Mamu“ heuer geworden, für ihre Familie, die noch heute im Peterhof in Friesing/Samerberg lebt, ein gewichtiger Anlass, viele Bilder und Plastiken an den Ort ihres Wirkens zurückzuholen, auf den Samerberg, wo Elisabeth Kronseder bis zu ihrem 100. Geburtstag gelebt und gearbeitet hat. Auf den Samerberg kam sie 1928 mit ihrem Mann Dr. Otto Kronseder, den sie auf einer Zugfahrt kennenlernte. Der fast 30 Jahre ältere Ehemann verfügte als Philologe und Historiker sowie Direktor eines Rosenheimer Gymnasiums über ein festes Einkommen, seine Frau Elisabeth konnte sich ganz der Kunst widmen. Drei Kinder bekamen die beiden, nebenbei führte sie das Kinderheim im „Peterhof“, die Familie Kronseder selbst lebte mit den Kindern im „Zuhäusl“. 17 Jahre war sie alt, als sie ihren Mann kennen lernte. Sie brachte von ihrem Elternhaus in Braunschweig eine profunde künstlerische und musikalische Ausbildung mit, der Grundstock für ihr ganzes Leben. Immer hatte sie aber Lehrer, die sie weiterbrachten, eine Kunstakademie hat sie nicht besucht. Ihre Enkelin und Erbin des künstlerischen Nachlasses, Stefanie Varena-Hermann, beschreibt Elisabeth Kronseder, ihre „Mamu“, als lebensfreudige und eigenwillige, im heutigen Sinne als lässige Frau. So könne sie sich noch daran erinnern, als anlässlich ihres 95. Geburtstages der Bayerische Rundfunk auf den Peterhof kam, um ein Portrait über die betagte Künstlerin zu machen. „Mamu“, so die Enkelin, fand das gänzlich überflüssig und machte dem Team vom BR das Leben entsprechend schwer. Trotzdem gibt die Dokumentation, die nun auch schon 30 Jahre alt ist, einen tiefen Einblick in die Welt der Elisabeth Kronseder, als Künstlerin und als Mensch. Über ihre Arbeiten, so die Enkelin, habe sie sich nie geäußert, Abstraktion war für sie absurd und ein „Vergehen gegen die Schöpfung“. Davon zeugen ihre vielen lebensfröhlichen Blumensträuße, die sie bis zu ihrem Lebensende gemalt hat. Doch sie schreckte auch vor anderen Techniken nicht zurück: Schnitzerei, Bildhauerei, Metallguss und sogar Stickerei. Insgesamt beläuft sich ihr Werk auf ca. 4000 Arbeiten. Darunter viele sakrale Auftragswerke, unter anderem ein überdimensionales geschnitztes Holzkreuz, das in Bernau steht. Es besteht quasi aus zehn Einzeltafeln, die das Leben Jesu beschreiben. In späten Jahren reiste sie oft nach USA, hier entstanden großformatige Wandteppiche in einem ganz eigenwilligen Stickstil, der den Stücken echte Tiefe verleiht. Die 1890 geborene Elisabeth Kronseder verfolgte unbeirrbar von zwei Weltkriegen ihren ganz eigenen Kunstweg, war aber auch der Mittelpunkt ihrer Familie und die Kinder vom Peterhof, die sie betreute. Ihnen las sie vor und spielte Kasperltheater mit selbst entworfenen Bühnenbildern. Ihre frühen Werke waren oft einfache Tuschzeichnungen, doch schon hier zeigte sie eine großartige Ausdruckskraft, besonders in den Portraits. Einige ihrer Arbeiten wurden beim Brand des Glaspalastes in München 1931 zerstört. In der Presse wurde der Verlust in einem Satz mit denen von Caspar David Friedrich genannt. In vielen Kirchen Deutschlands finden sich ihre Werke, manche Plätze und Wegkreuzungen werden von ihren von ihren Arbeiten geschmückt, sie finden sich in Kirchen aber auch privaten Sammlungen, so die Enkelin Stefanie Varena-Hermann. Dass viele ihrer Werke auf den Samerberg in den Ausstellungsraum von Anna Stuffer in Oberschöffau zurückgeholt wurden, ist ein Geschenk. Die Ausstellung hat noch dieses Wochenende, Freitag, Samstag und Sonntag von 14 – 18 Uhr geöffnet. Außerhalb der Öffnungszeiten kann man die Ausstellung nach persönlicher Voranmeldung unter 08025/3241 oder 08032/7110 besuchen. Wenn man Glück hat, kann man hier ein spektakuläres Abendrot bei Sonnenuntergang bewundern, vielleicht eine der Inspirationsquellen von Elisabeth Kronseder.
Martina Poll / pom

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg