Kräuterseminar des Donaugau-Trachtenverbandes

Thierhaupten (rix) Zu einem eintägigen Kräuterseminar hatte der Donaugau-Trachtenverband die Jugendleiter und Brauchtumswarte nach Thierhaupten eingeladen. Die Sachgebietsleiterin für Mundart, Laienspiel und Brauchtum Gisela Haußner und Jugendvertreterin Waltraud Betz konnten 41 Teilnehmerinnen und Teilnehmer in den Räumlichkeiten des ortsansässigen Heimat- und Trachtenvereins Thierhaupten mit seinem Vorsitzenden Karl Haag begrüßen.
Auch Bürgermeister Toni Brugger versäumte es nicht, die Seminarteilnehmer in der 3.800 Einwohner zählenden Marktgemeinde Thierhaupten willkommen zu heißen, und stellte zu Beginn der Veranstaltung das positive Gefühl, das sich mit dem Begriff Heimat und der Liebe zur Heimat verbindet, in den Vordergrund. Als Seminarleiterin konnte die Kräuterpädagogin und Volksheilkundlerin Sophie Bösl gewonnen werden, die in Marianne Meyer, ebenfalls Kräuterpädagogin, tatkräftige Unterstützung fand. Das Wissen über Bestandteile und Wirkungsweise der unterschiedlichsten Kräuter und auch Unkräuter war Schwerpunktthema des Tages. Die Heilkraft der Natur machten sich Generationen unserer Vorfahren zum Nutzen. Unzählige Hausmittel brachten Linderung bei allen möglichen Krankheiten und trugen zum Heilungsprozess bei. Und das, obwohl die Wirkungsweise vieler Pflanzen weder erforscht noch wissenschaftlich belegt war. Die Menschen früherer Generationen hatten gelernt zu beobachten und lernten im Laufe der Jahrhunderte, die Pflanzenwirkstoffe gezielt als Essenz, Sirup, Tee, Auflage oder Salbe zur Wundheilung, Schmerzlinderung oder nicht selten zu Stimulierung oder Kräftigung anzuwenden. Längst vergessene Rezepturen werden wiederentdeckt und kommen heute vermehrt in der Volksheilkunde, im homöopathischen Bereich, in der Alternativmedizin und in der modernen Küche zum Einsatz. Und so gelangen auch Unkräuter zu neuen Ehren und werden heute wie vor hunderten von Jahren auf vielerlei Art und Weise genutzt.

Nach einem theoretischen Teil tauchten die Seminarteilnehmer mit Sophie Bösl und Marianne Meyer im weiteren Verlauf in die schier unendlichen Tiefen der Fachpraxis ein. Eine gute Basis bot der alte Baumbestand des Klosters, der in früheren Zeiten vom zeitigen Frühjahr bis in den Spätherbst die Basis für vielerlei Tinkturen und Aufgüsse bis hin zu Wundauflagen bot und auch in der Gerichtbarkeit zum Einsatz kam. Rate- und Baumerkennungsspiele, bei denen vor allem Umschreibungsvermögen und Tastsinn gefragt waren, und die Herstellung von Baumgeisterl, die der Phantasie keine Grenzen setzte, bildeten den Auftakt für die praxisorientierte Ausbildung. In deren Verlauf wurde beispielsweise ein Gedächtnisöl angesetzt, dessen Hauptbestandteil die Brennnessel war. Sie lindert nachweislich Arthrose, Arthritis, Prostatabeschwerden und Blasenprobleme und beeinflusst positiv entzündliche Darmerkrankungen. Zudem wird der Brennnessel die Stärkung der Manneskraft nachgesagt, was in früheren Zeiten häufig dazu führte, dass ihre Verwendung in Männerklöstern untersagt war. Weiter wurden Kräuterteebesen und Duftsackerl hergestellt sowie Schneckenhäuschen mit verschiedenen Arten der Hauswurz bepflanzt, deren kühlende, schmerzstillende, entzündungshemmende und wundheilende Wirkung bekannt ist. Sophie Bösl und Marianne Meyer hatten zudem zahlreiches Anschauungsmaterial mitgebracht und verrieten auch die Rezepturen ihres Holunderbalsamicos und des aus den noch grünen Früchten hergestellten Walnusslikörs.

Die kräuterbegeistere Teilnehmergruppe kam in der sanierten Klosteranlage Thierhaupten, in der mehrere Organisationen, Einrichtungen und Vereine sowie das Bayerische Bauarchiv und die Abteilung für Vor- und Frühgeschichte in Schwaben des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege untergebracht sind, voll auf ihre Kosten. Der klösterliche Baumbestand mit Linden, Rotbuchen, Ebereschen und Eichen wurde erkundet, ebenso wie der so genannte Mühlenweg, der im Jahr 1999 angelegt und beginnend am Nordtor des ehemaligen Klosters entlang der Friedberger Ach, vorbei am Lehr- und Schulgarten des örtlichen Gartenbauvereins, bis zur ehemaligen Papiermühle im Norden von Thierhaupten führt. Diese beherbergt heute das Klostermühlenmuseum, in dem für die Seminarteilnehmer das Hadernstampfwerk in Bewegung gesetzt und gezeigt wurde, wie vor Jahrhunderten Lumpen zerstampft und zur Papierherstellung verwendet wurden. Nachdem in früheren Zeiten die häufig entlegenen Mühlen durch ihr ständiges und auch während der Nacht andauerndes Klappern und Stampfen einen eher unheimlichen Charakter hatten, war es nicht weiter verwunderlich, dass sich um sie viele Geschichten, Märchen und unheimliche Sagen rankten. Im Mühlenstadel ging mit einer kleiner Märchenstunde, in der Mühlengeister, Kräuterhexen und viele andere aufregende Gestalten für kurze Zeit zum Leben erwachen durften, ein informativer, interessanter und vor allem äußerst kurzweiliger Seminartag zu Ende.

Holunderbalsamico
750 ml dunkler Balsamicoessig
350 g Zucker
750 g reife Holunderbeeren
Gewürzsackerl mit Vanille, Zimt, Nelken und Sternanis
Zucker im Balsamico durch langsames Erhitzen auflösen und die Holunderbeeren mit dem Gewürzsackerl dazugeben. Ca. 15 Minuten leise köcheln, abkühlen lassen und abseihen.

Walnusslikör
10 grüne Walnüsse in Scheiben geschnitten
150 g Zucker
2 Nelken
1 Zimtstange
½ Zitrone in Scheiben geschnitten
375 ml Obstler
Alle Zutaten in ein großes Gefäß füll3n und mit dem Obstler übergießen. Gefäß verschließen und einmal wöchentlich kräftig schütteln. Nach 60 Tagen abseihen und in schöne Fläschchen füllen. Je länger der fertige Likör steht, umso vollmundiger wird der Geschmack.

Bericht und Fotos: Edith Rixner

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg