Kabarettistin Luise Kinseher brachte Samerberger zum Lachen

„Ich stelle heute Abend überhaupt keine Anforderungen an Sie“ beginnt Luise Kinseher ihr sechstes Solo-Programm „Ruhe bewahren“, wichtig sei ihr am Ende nur, dass „g’lacht word’n is“: und dazu hatten die Gäste im ausverkauften Gasthaus Maurer am Samerberg reichlich Gelegenheit.Die Rahmengeschichte besteht darin, dass Kinseher als 46-jährige, einsame Singlefrau im Fahrstuhl einen Mann kennengelernt hat, auf dessen Anruf sie nun den ganzen Abend lang wartet und mit ihr – teils mitfühlend, teils amüsiert – das gesamte Publikum. 

Die Warterei bietet ihr die Möglichkeit, sich in drei verschiedenen Frauenrollen über kleine und große, leichte und schwere, gesellschaftliche und politische Themen auszulassen. 

Da wäre zum einen die dauerbeschwipste „Mary aus Bavary“ im geblümten Morgenmantel, die, umgeben von Yogawütigen Freundinnen am liebsten ihre Zeit beim „stüberln“ verbringt, aber auch vor einer Erklärung der Quantenphysik und philosophischen Ergüssen – „Alles was ist, ist eigentlich Vergangenheit“ – nicht Halt macht.

Und natürlich Helga im beigen Staubmantel, eine etwas ältere Dame, die schon über 50 Jahre mit dem immer dementer werdenden Heinz verheiratet ist, was ihr allerlei problematische Gedanken vor Augen führt: „Wer früher stirbt, ist billiger“.

Kritik an den Absurditäten der Moderne in Form von Google-Brille und Apple-Watch, Spitzen gegen mit „Emotionskillern“ vollgepumpte Politiker, die sie sich in Ihrer Eigenschaft als Bußpredigerin beim Nockherberg nicht verkneifen kann, Sinnieren über die Gentrifizierung ihres geliebten Münchens und über den Klimanwandel…dabei heißt es immer wieder „Ruhe bewahren“. Als sie dann letztlich doch noch  einen Anruf ihrer Fahrstuhlbekanntschaft erhält, hat es Luise Kinseher plötzlich jedoch ganz eilig…

Eine ungeheure Spontanität der Kabarettistin, die sich in der Einbeziehung des Publikums eindrücklich äußerte, tiefsinniger Humor und gekonnt überzeichnete Charakterdarstellungen haben diesen Abend zu einem ganz besonderen kabarettistischen Schmankerl werden lassen.

Nähere Informationen: www.kultouren-events.de

Fotos: Rainer Nitzsche

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg