Kabarettistin Franziska Wanninger im Interview

Anton Hötzelsperger —  4. Oktober 2016

pressefoto2-franziska-wanninger1Wer Franziska Wanninger schon einmal auf der Bühne erlebt hat, weiß was für eine großartige Komödiantin die 34-jährige Bajuwarin ist. Mit ihrem ersten Soloprogramm „Just & Margit – Wo die Liebe hinfällt wachst koa Gros mehr“ eroberte sie die bayerischen Kabarettbühnen und diverse Heustadel.

Am Freitag, 14. Oktober um 20 Uhr präsentiert die junge Wahl-Münchnerin ihr aktuelles Programm „AHOIbe – Guad is guad gnua“ im Chiemsee Saal, Alte Rathausstraße 11.

Frau Wanninger, Sie sind auf einem Einödhof im Landkreis Altötting aufgewachsen. Wie kommt man da auf die Idee, Kabarett zu machen?

Ich finde eine bessere Voraussetzung gibt es gar nicht. Wenn man so abgeschieden von den Freunden entfernt wohnt, dann ist einem als Kind und Jugendlicher unfassbar oft langweilig. Und das ist die beste Voraussetzung, um ein guter Beobachter zu werden und verrückte Geschichten zu spinnen, damit einem vielleicht nicht mehr ganz so langweilig ist.

In Regensburg haben Sie Deutsch und Englisch für das Gymnasiallehramt studiert. Ihre Zulassungsarbeit haben Sie über Gerhard Polt geschrieben. Was fasziniert Sie am meisten an diesem Mann?

Das kann ich nur ganz schwer auf eine Sache herunterbrechen. Seine Bühnenpräsenz, seine perfekten Pausen und sein hundertprozentiges Eintauchen in eine Figur. Die Texte sind freilich sowieso entlarvend und großartig.

Sie haben einige Jahre in Amerika gelebt und das Schauspielstudium an der Lee Strasberg Schauspielschule in Los Angeles absolviert. Was verbinden Sie mit dieser Zeit?

Viel! Es war eine wichtige Erfahrung mal woanders Ausländerin zu sein und die verschiedensten Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt kennenzulernen. Ich war ja auch nicht nur in Los Angeles, sondern auch lange in Oregon und in Salt Lake City. Das ist dann nochmal ein völlig anderes Amerika.

Sie hatten mehrere Theaterrollen. Sehen Sie sich eher als Schauspielerin oder Kabarettistin?

Ich glaube man darf auch beides sein. Momentan bin ich vor allem Kabarettistin mit großem Spielanteil.

Ganz ohne Maske und Kostüm schaffen Sie es allein durch Gestik, Mimik und Wort die verschiedensten Charaktere darzustellen. Hatten Sie diese Begabung schon immer?

Meine Familie sagt ja. Am liebsten habe ich die Verwandten parodiert, sobald die wieder heimgefahren sind. Das kam bei meinen Geschwistern immer saugut an.

Wie ist Ihr erstes Kabarettprogramm entstanden?

Ich hatte eine Drehbuchidee und die einem engen Freund, der als Autor arbeitet, erzählt. Der meinte dann, es wäre viel einfacher wenn ich einfach ein Bühnenprogramm draus machen würde. Und zack! war ich Kabarettistin.

Was ist das für ein Gefühl ein selbstgeschriebenes Stück einem breiten Publikum zu präsentieren?

Jetzt ist es vor allem sehr aufregend. Wie reagieren die Leute, lachen die an den Stellen, die ich auch lustig finde etc. Aber wenn man das zum allerallerersten Mal macht muss man sehr sehr mutig sein. Denn wenn der Tag der Premiere gekommen ist, will man sich am liebsten für diesen Mut eine Watschen geben. Aber dann kann man Gottseidank nicht mehr zurück.

Sie haben in den letzten Jahren diverse Auszeichnungen für Ihr komödiantisches und schauspielerisches Talent erhalten. Welcher Preis hat Ihnen am meisten bedeutet?

Jeder Preis freut einen natürlich. Am wichtigsten für meine Karriere war aber wohl der Thurn- und Taxis Kabarettpreis. Den habe ich 2012 zu einer Zeit gewonnen, in der ich nicht immer sicher war, ob das der richtige Weg ist. Wer weiß, was ich heute machen würde, hätte mich diese Anerkennung damals nicht dranbleiben lassen.

Oft schlüpfen Sie in Ihrer Kleinkunst in Hosenrollen und erschaffen skurrile Persönlichkeiten wie beispielsweise den Bürgermeister von Schnecklreit. Er gewinnt bei den Thermomixabenden nicht nur die Wählerherzen sondern bringt auch noch die Dorfdamen zum „brumma“. Wie entsteht so eine Figur und ist es für Sie schwieriger einen männlichen Charakter authentisch wiederzugeben als einen weiblichen?

Nein! Ich liebe die Männer in meinem Programm! Wo sonst darf man als Frau so derb und tabulos sein, als in einer Männerfigur? Oft höre ich irgendwo am Stammtisch oder im Vorbeigehen einen guten Satz und spinne dann eine Geschichte draus. Gut dass mir als Kind immer so oft langweilig war.

Worum geht es in Ihrem aktuellen Programm „AHOIbe – Guad is guad gnua“? Können Sie schon ein wenig darüber verraten?

Freilich. Es geht drum, dass man immerzu Angst hat nicht gut genug zu sein. Darum, dass die Gesellschaft in allen großen und kleinen Facetten einen so oft klein machen möchte und es an uns ist, dass wir an uns selbst glauben. Das Ganze ist freilich bildhaft illustriert anhand der bissigen Tante Elfriede, dem immer unzufriedenen preußischen Manager und den vielen anderen Widrigkeiten und Figuren, die man im Leben in die Spur geworfen bekommt.

Erst kürzlich haben Sie die Rede über den Oktoberfest-Krug im Bräurosl gehalten. Darin imitieren Sie die einzelnen Wiesncharaktere, von der schnackenden Klodame über die Live-Style-Henna bis hin zum grantelnden Münchner. Wie lange dauert es bis Sie eine Figur so treffend wieder geben können? Und wie viele Wiesnbesuche waren in den letzten Jahren nötig?

Ich glaube, entweder ich hab die Figur gleich oder ich kann es auch bleiben lassen. Dialekte muss ich natürlich schon ein bisschen verfeinern und mehrmals durchlesen bis ich es richtig drauf habe. Ich habe halt viel über die Wiesn gelesen und recherchiert. Aber durch die eigenen Erlebnisse hat so eine Figur dann erst richtig Fleisch. Ich war immer schon ein Volksfestfan, von dem her ist es mir nicht so schwer gefallen.

Wer steckt hinter all diesen Charakterköpfen – verraten Sie etwas über Ihr Privatleben?

Unbedingt! Es muss ja authentisch sein, daher ist in jedem Text was von mir drin. Oft sogar recht viel, aber was genau wissen Gottseidank nur die, die mich gut kennen.

Gibt es ein Projekt, an dem Sie derzeit arbeiten?

Ich wurschtle immer so dahin. Gerade sammle ich schon fleißig Anekdoten fürs neue Programm, da sind die Vorpremieren im Herbst 2017.

 

Liebe Frau Wanninger, herzlichen Dank für das Gespräch.

Von Lisa Morgenstern, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Prien Marketing GmbH

 

Kartenbestellung und Reservierung im Ticketbüro Prien, Alte Rathausstraße 11 unter Telefon +49 8051 965660 oder ticketservice@tourismus.prien.de sowie an allen München Ticket Verkaufsstellen.

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg