Jubiläumsabend der Trachtler im Festzelt – viele Priener Geschichten

„Schön, Schön – Wunderschön!“ – dies soll der Überlieferung nach Prinzregent Luitpold bei seinem Besuch in Prien immer wieder gesagt haben, als ihn dort die örtlichen Honorationen und vor allem auch eine Abordnung der Trachtler empfangen hatten. „Schön“, das war dann letztlich auch immer wieder die passende Bemerkung für den Priener Jubiläumsabend, den der Trachtenverein anlässlich seines 120. Geburtstages unter dem Motto „Auf geht´s, dass si wos riard“ innerhalb von zwei Jahren vorbereitet und nunmehr im ausverkauften Festzelt durchgeführt hatte.

„Wir sind überwältigt, über Besuch, Zuspruch und das narrische Mitmachen aller Vereinsmitglieder“, so begann Vereinsvorstand Klaus Löhmann seine Begrüßung und er fügte hinzu, dass viele Leute bzw. Puzzles zum bisherigen Erfolg beigetragen haben. „Warum sind wir derzeit so stark und zahlreich?“ – diese Frage stellte sich Klaus Löhmann schon öfters und er beantwortete diese mit den Faktoren „Gemeinsame Freude“, „Bau des Trachtenheims“ und „Erfüllung der Aufgaben mit Herzblut“. Sein Stellvertreter Sepp Furtner war es dann, der verantwortlich zeichntete, um für das bis zuletzt als Geheimnis gehütete Programm auf der Bühne zu sorgen. Um Priener Geschichte und Geschichten darzustellen kamen den Trachtlern die engen Verbindungen zum Bauerntheater und auch die eigenen theatralischen Fähigkeiten entgegen. Die mit trachtlerischen Auftritten der Kinder-, Jugend- und Aktivengruppe garnierten und zusammen mit der Festmusikkapelle Prien einstudierten Theaterstücke begannen im ersten Teil mit dem Besuch von König Ludwig II am Chiemsee. Die Priener hatten sich wohl für einen Empfang vorbereitet, doch der König kam nicht nach Prien, sondern er kam (nur) nach Rimsting. Michael Posawec als bekanntes Priener König-Ludwig-II-Double zog zur Veranschaulichung dieser Episode zwar durch das Zelt, aber er kam nicht auf der Bühne an. Die nächste Szene galt dem Königlich-Bayerischen-Amtsgericht. Dort wurde gegen die beiden Priener Dorfratschn (Rosi Hell und Brigitte Sperger) vom Hansl an der Leitn verhandelt, weil sie die Ankunft des Königs willentlich falsch unter das Volk brachten. Ihre Gier nach Freibier und Brotzeiten –was es im Falle einer Königs-Ankunft gegeben hätte- wurde mit 40 Stunden gemeinnütziger Arbeit im Sinne einer Sauberhaltung des Priener Bahnhofs und des Eichentals bestraft. Festlich begrüßt wurde der Prinzregent, dargestellt von Peter Dangl und vorgestellt vom Königlich Bayerischen Abgeordneten Josef Filser. Angesichts des triumphalen Empfangs der Priener sagte der Prinzregent immer wieder „Schön, Schön – Wunderschön“. Die für ihn vorbereitete Enthüllung eines Denkmals geriet allerdings zu einem Fiasko, wie schon Ludwig Thoma in seinen Erinnerungen festhielt. Die „Priener Duttenfeiler“ sind seither ein Begriff.

Im zweiten Teil erinnerten die von einem himmlischen Stammtisch aus moderierenden Gründungsväter des Vereins an die Odyssee des Priener Trachtenvereins bei den Probenräumlichkeiten. Ehe es vor fast 30 Jahren zum Bau des Trachtenheims kam, pendelten die Priener Trachtler bei ihren Proben u.a. zwischen Großen Kursaal, Hotel Wagner, Pfarrheim, Ludwig-Thoma-Haus, Hausgang bei der Familie Messerer und Haus des Gastes. Diese Umstände sorgten dafür, dass die Kinder immer weniger wurden und auch die Bereitschaft zur Übernahme eines Amtes immer mehr nachließ. Dank des Engagements der damaligen Vorstände Peter Donauer und Sebastian Fischer konnte ein Vereinshaus erstellt werden, das nunmehr Probenmöglichkeiten allein für 80 Dirndl und Buam der Kinder- und Jugendgruppe möglich macht. Anfangs der Planungen wurde von Kritikern von einem „Lederhosenhäusl“ gesprochen, inzwischen ist das Trachtenheim ein wichtiger Bestandteil für Verein, Gemeinde und Gesellschaft. Baustellen-Anekdoten fanden sich wieder in einer Theatereinlage. Auch der Blick durchs Wohnzimmerfenster bei der Familie Messerer, wenn sich drei Generationen gleichzeitig für den Besuch eines Trachtenfestes anziehen und anschicken, den Bus nicht zu versäumen, war eine köstliche Bühnenpräsentation. Den Abschluss bildete der mit 20 Aktiven-Paaren neu einstudierte Seerosen-Tanz, bei dem die Dirndl einen Stern und die Buam einen Bogen hatten. Voll des Lobes ob des Abends und der gesamten Festwoche waren die Gratulanten. Den Anfang machte Schirmherr und Bürgermeister Jürgen Seifert, der von einem Traum-Trachtenfest sprach und für den Nachwuchs einen Scheck über 1.500 Euro überreichte. Gauvorstand Miche Huber dankte für das gute Miteinander mit dem Chiemgau-Alpenverband. Die fünf Göd- und Patenvereine Atzing, Breitbrunn, Hohenaschau, München-Chiemgau und Reit im Winkl überbrachten gemeinsam die Glückwünsche. Sie schenkten dem Priener Trachtennachwuchs einen Erlebnis-Tag im Priental, was durch eine schöne Urkunde von Ernst Reiter dokumentiert und von fünf Jugendlichen aus den Reihen der Patenvereine vorgetragen wurde. Auch der Priener Ski-Club als jahrzehntelanger Partner im Orts- und Marktfestleben gratulierte auf das allerherzlichste.

Fotos: Hötzelsperger – Jubiläumsabend bei den Priener Trachtlern

Nähere Informationen: www.gaufest-prien.de

Rainer Nitzsche

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