40stündiges Gebet in Prien zum Thema Barmherzigkeit zu Ende

Der Jesuiten-Pater Peter Balleis ist heuer in Prien beim 40stündigen Gebet zu Gast. An den bisherigen Tagen und auch heute (10 Uhr und 14.30 Uhr) predigt/e er zum Thema „Barmherzigkeit“ und gewährte einige Einblicke in seine Tätitkeit als Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes. In Bayern gibt es nur noch wenige Orte und Pfarrgemeinden mit einem sogenannten 40stündigen Gebet. In der Pfarrei „Maria Himmelfahrt“ ist das Gebet seit über 250 Jahren Tradition, nachdem es damals gestiftet und lange Jahrzehnte zum Schluss der Faschingstage gefeiert worden war. Seit dem vormaligen Priener Pfarrer Josef Preis wurde das Gebet aus der Faschingszeit heraus verlegt und nach einer weiteren zeitlichen Verlegung durch Pfarrer Bruno Fink hat sie nunmehr in der zweiten Fastenwoche einen festen Platz gefunden.

„Seit Jahrhunderten pflegen die Gläubigen von Prien und oftmals weit darüber hinaus das 40stündige Gebet“ – mit diesen Worten begann Pfarrer Klaus Hofstetter vom Pfarrverband Prien die heurige Gebetsreihe in der gut besuchten Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“. Gleich zu Anfang bedankte er sich bei den vielen Ehrenamtlichen, den Arbeitsgruppen, den kirchlichen Gremien sowie dem gesamten Liturgischen Dienst für ihre Beiträge zum 40stündigen Gebet. Heuer stand das Thema „Barmherzigkeit“ im Mittelpunkt der Botschaften und Predigten, als Prediger kam P. Peter Balleis SJ nach Prien. Pater Balleis war sieben Jahre Leiter des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes und kam auf diese Weise mit vielen, auch heute hoch aktuellen Brennpunkten der Welt in persönliche Berührung. Beim Eröffnungs-Gottesdienst mit dem Predigt-Thema „Barmherzigkeit ein Grundbegriff des Evangeliums“ sagte der Prediger, dass Barmherzigkeit ein zentraler Grundbegriff des Glaubens ist. „Dies gilt gleichermaßen im Alten Testament und im Neuen Testament sowie in der weiteren Geschichte bis heute: Barmherzigkeit ist eine Reaktion Gottes auf die Sünden der Menschen“. Und weiter sagte er: „Ohne dem Verständnis für die Barmherzigkeit wäre Europa und dessen Kultur nicht das, was es heute ist, Barmherzigkeit ist ein zentraler Begriff der gültigen Werte. Barmherzigkeit als Grundeigenschaft Gottes darf allerdings nicht irritieren, zum Beispiel, wenn Gott oder Allah als der Allmächtige zu extremen Handlungen oder Lästerungen missbraucht wird. Die aktive und effektive Eigenschaft der Barmherzigkeit ist die zentrale Botschaft vom Heiligen Jahr der Barmherzigkeit, Papst Paul II hat deshalb den ersten Sonntag nach Ostern, den sogenannten Weißen Sonntag zum Sonntag der Barmherzigkeit erhoben“. Zum Schluss der ersten Predigt sagte der Jesuiten-Pater: „Die dem Bösen entgegengesetzte Grenze ist die Göttliche Barmherzigkeit, bedenken wir deshalb, dass wir mit mehr Barmherzigkeit auch Mehr erreichen können und werden“.

„Europa hat in Syrien weggeschaut – Der Angst Gutes entgegensetzen“

In den Samstags-Predigten gewährte Pater Balleis einen Einblick in seine Erfahrungen als Leiter des Flüchtlingsdienstes als er zu den Themen „Schrei nach Barmherzigkeit“ und „Gerechtigkeit ja, aber mit Barmherzigkeit“ informierte. „Als ich im afrikanischen Simbawe große Not bei den dortigen Menschen erlebte, sagte mir ein erfahrener Mitbruder, dass Barmherzigkeit und Gerechtigkeit zusammengehören, aber nur, wenn man Gerechtigkeit mit Liebe und Barmherzigkeit übt. In der Barmherzigkeit überwinden wir die Angst, die Angst vor dem Fremden, vor der Überfremdung, vor dem Islam, vor dem Terror und die Angst, die uns von den Medien vermittelt werden“. Weiter sagte der Pater aufgrund seiner Aufenthalte im syrischen Alepo in den Jahren 2010 und 2011: „Die Angst von heute entstand durch Wegschauen, Europa hat über drei Jahre den Krieg in Syrien nicht gesehen, es wurde nichts getan. Heute wissen wir nicht, ob die Katastrophe nicht noch größer wird, weil die gewachsene Angst als Instrument der Machthabenden, Islamisten und Populisten eingesetzt wird“. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken bat der Geistliche, stets im Guten zu handeln, denn wer im Guten handelt, braucht keine Angst zu haben. Zum Abschluss sagte Pater Balleis: „Gerechtigkeit ohne Barmherzigkeit wird sehr ungerecht, die Gerechtigkeit Gottes ist seine Barmherzigkeit und die Barmherzigkeit ist für uns alle die Liebe, eine Gabe und auch eine Aufgabe. Amen“.

Am dritten Sonntag mit den vierten und fünften Predigten („Euer barmherziger Vater vergibt alles“ und „Selig , die Barmherzigkeit tun“) vertiefte der Jesuit die Wichtigkeit der Barmherzigkeit. Bei einem mittäglichen Frühschoppen im Pfarrheim wurde von vielen Christen gerne die Gelegenheit zu persönlichen Gesprächen mit P. Balleis angenommen. Nach der feierlichen Abschlussandacht mit Eucharistischem Segen und Te Deum bedankte sich Pfarrer Klaus Hofstetter beim Gast-Prediger, bei Pastoralreferentin Edith Heindl und bei den vielen Beteiligten in der Kirche und im Pfarrheim für die umfassenden Vorbereitungen und für die Durchführung der Gebetsreihe, an der in Prien auch weiterhin festgehalten werden soll. Die musikalische Gestaltung an allen Tagen nahmen die Gruppe „Capella Vocale, der Jugendchor Bernau sowie die Chorgemeinschaft der Pfarrei „Maria Himmelfahrt“ unter der Gesamtleitung von Kirchenmusiker Rainer Schütz vor. Weitere Beiträge zum Gelingen des 40stündigen Gebets kamen vom Gebetskreis Bauer/Gmeiner/Buchner/Eder, von der Kolpingfamilie,, von den Indischen Schwestern vom Caritas Altenheim St. Josef, vom Katholischen Frauenbund, von der Katholischen Jugend sowie vom kirchlichen Samstagsclub.

Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom 40stündigen Gebet in Prien – 1. Einzug zum Eröffnungsgottesdienst mit P. Peter Balleis SJ (re.), mit Pfarrer Klaus Hofstetter und mit Pastoralreferentin Edith Heindl

Nähere Informationen: www.prien.de – Katholisches Pfarramt, Telefon 08051-1010

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg