Jahreskonzert bei der Musikkapelle Bernau in der Mehrzweckhalle

Die akustisch sehr gut bespielbare Mehrzweckhalle in Bernau war auch dieses Jahr wieder Ort für ein herausragendes Musikerlebnis, zu dem die Bernauer Musikkapelle unter der Leitung von Albert Osterhammer eingeladen hatte.

Wenn man die bis auf den letzten Platz gefüllte Turnhalle betrat, fiel gleich eine Sammlung an alten Rundfunkempfängern aus dem Röhren-Radio-Museum des Bernauers Donat Frey auf. Die alten Geräte aus den 1930iger Jahren sollten schon einmal optisch demonstrieren, was das Publikum an diesem Abend zu erwarten hatte – sehr viel Rundfunk. Ein weiteres Indiz dafür war auch der Gast, den sich die Kapelle dieses Jahr zu ihrem Konzertabend eingeladen hatte. Mit Andreas Estner aus Fischbachau kam heuer ein mit dem Dirigenten befreundeter Musikant, dessen Stimme seit vielen Jahren den Rundfunkhörern von „Bayern 1“ und „BR-Heimat“ bekannt ist.
Der Abend begann mit der alten Erkennungsmelodie des Bayerischen Rundfunks „So lang der alte Peter“. Darauf hörte man Estner auf der Bühne sitzend sagen: „BR-Heimat – so schön klingt Blasmusik!“ Als Moderator der Veranstaltung führte er die Zuhörer gekonnt und mit Witz und Charme durch eine „Radiosendung“ und viele aus dem Publikum waren sich nicht sicher, ob das nur der Rahmen für ein Konzert oder wirklich eine „Livesendung“ sei.
Im ersten Teil ließ sich die Jugendblaskapelle Bernau unter der Leitung von Josef Steiner hören. Der schmissige Militärmarsch „Uncle Sam on Parade“, komponiert vom Niederländer Kees Vlak, entstand in Anlehnung an die großen amerikanischen Militärparaden. Diesem schloss sich „Break up!“ vom österreichischen Komponisten Thomas Asanger an. Es wurde extra für die vermehrt aufkommenden Jugendblaskapellen komponiert und wurde bestens gemeistert. Mit der „Hanslpolka“ von Karl Edelmann hörte man dann heimische Klänge. Mit ihren Beiträgen zeigte die Jugend, dass auch sie das Jahr über fleißig geübt hat.
Nach den „Acht-Uhr-Nachrichten“ und den „Verkehrshinweisen“ des Moderators begann dann der zweite Teil der Radiosendung – besser gesagt des Abends. Estner nahm das Publikum mit auf eine musikalische Reise durch das Jahr der Musikkapelle, das in dieser Form in den nächsten Monaten für eine CD-Produktion eingespielt werden soll. Bei den Bernauern startet das Jahr traditionell mit dem Neujahrskonzert. Der feurige Marsch „Jetzt geht’s los“ von Franz Lehar und die anschließende Ouvertüre „Dichter und Bauer“ von Franz von Suppé entführten dabei in die Zeit der Wiener Operette. Albert Osterhammer schraubte damit die Messlatte für sich und auch seine Kapelle gleich zu Beginn sehr hoch. Strahlende Trompetensignale wechselten mit feinen Melodiebögen des Mittelsatzes ab.
Bei einem Schützenjahrtag sind dann wieder andere, bayerische Klänge gefragt. Hier konnten sich die Zuhörer davon überzeugen, warum die Kapelle im letzten Jahr den bayrisch-böhmisch Wettbewerb gewonnen hat. Der „Jarni-Walzer“, den Otto Ebner in den 50-ger Jahren bekannt machte, die Polka „Liebling tanz mit mir“ von Gottlieb Weißbacher und der „Castaldo-Marsch“ von Rudolf Novacek bildeten den ersten Block mit Stücken aus dieser Musikrichtung. Später, beim Thema Heimatabend, folgten noch der Marsch „Start frei“ von Bohuslav Leopold, die „Pfingstrosen-Polka“ von Karl Edelmann und der „Inntaler Walzer“, wieder ein Stück vom Tiroler Gottlieb Weißbacher. Dabei wechselten sich jedes Mal die weichen Klänge der Klarinetten mit strahlenden Klängen der Trompeten und den sonoren Tiefen des Mittelsatzes ab – einfach ein Genuss.
Beim Jahreskonzert gehören aber mittlerweile auch andere Stilrichtungen zum Repertoire der Bernauer Kapelle. Nach der Pause stand dann das Werk „Oregon“ aus der Feder des Niederländers Jacob de Haan aus dem Bereich der Symphonischen Blasmusik auf dem Programm. Anhand einer Bahnfahrt über die Northern Pacific Railroad wird der Zuhörer musikalisch durch die faszinierende Landschaft Oregons geführt, Indianer und Cowboys dürfen da natürlich auch nicht fehlen. Die Rockballade „Music“ von John Miles lud viele Zuhörer zum Mitwippen ein.
Dann stand ein Solostück auf dem Programm. Das Stück „Csardas“ des italienischen Komponisten Vittorio Monti erinnert an einen ungarischen Tanz, der ursprünglich als Rhapsodie für Violine, Mandoline oder Klavier komponiert wurde. Albert Osterhammer übergab dafür den Taktstock an seine Ehefrau Bernadette und spielte selbst das virtuose Klarinettensolo.
Zum Schluss gab es mit dem „Choral Alpin“ von Walter Tuschla noch einen Ausflug in die „Geistliche Musik“, bevor der offizielle Teil mit dem Marsch „Victoria“, einer Eigenkomposition des Dirigenten für seine Kapelle, beendet wurde.
Lang anhaltender Beifall war der wertschätzende Ausdruck für den hohen Leistungsstand und die monatelange harte Probenarbeit der Musikanten. Mit der böhmischen Polka „Wir Musikanten“ wurde der Wunsch nach einer Zugabe gerne erfüllt.

Bericht und Bilder: Georg Leidel

BU 1: Der musikalische Leiter Albert Osterhammer mit seinem Klarinettensolo beim „Csardas“
BU 2: Die Musikkapelle Bernau in der akustisch hervorragenden Mehrzweckhalle
BU 3: Der Moderator Andreas Estner bei seinen „Acht-Uhr-Nachrichten“

Anton Hötzelsperger

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Freier Journalist, Leiter der Gäste-Information Samerberg